Freispruch zweiter Klasse für Kachelmann

Jörg Kachelmann wurde vom Landgericht Mannheim vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Mit dem Freispruch endete am 44. Verhandlungstag einer der spektakulärsten Prozesse des Landes. Es handelt sich aber nicht um einen Freispruch erster Klasse, sondern um einen aus Mangel an Beweisen. Kachelmanns Ex-Geliebte hatte ihn beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben, als sie sich von ihm trennen wollte. Das Urteil wurde im Saal mit Applaus quittiert.

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Der Vorsitzende Richter Michael Seidling erklärte in seiner Urteilsbegründung, dass es Verdachtsmomente gegen Kachelmann gebe, die auch in der Verhandlung nicht ausgeräumt werden konnten. Im Laufe des Verfahrens hätten sich die einzelnen Belastungsmomente aber abgeschwächt. Das Gericht sagte auch, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Nebenklägerin die Unwahrheit gesagt hat.
Es handelt sch also um einen so genannten Freispruch zweiter Klasse aus Mangel an Beweisen. Der Richter zitierte explizit den Grundsatz In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten. Nach einer Woche wird das Urteil rechtskräftig. Nun muss die Staatsanwaltschaft noch entscheiden, ob sie Revision einlegt. Prozessbeobachter gehen allerdings nicht davon aus.
Theoretisch hätte Jörg Kachelmann die Möglichkeit, seine Ex-Freundin in einem Zivilprozess auf Schadensersatz zu verklagen, sobald das Urteil rechtskräftig ist. Da das Gericht aber festgehalten hat, dass nicht davon auszugehen ist, dass die Nebenklägerin gelogen hat, werden einer solchen Klage wenig Chancen eingeräumt. In einem Zivilprozess müsste Kachelmann seinerseits beweisen, dass seine Ex-Freundin gelogen hat und dieser Beweis wird sich vermutlich ebensowenig führen lassen wie ein Beweis seiner Schuld in dem nun zu Ende gegangenen Strafprozess.   
Kachelmann wurde am 9. Februar 2010 verhaftet als er von den Olympischen Winterspielen in Vancouver zurückkehrte, die er für die ARD kommentierte. Anschließend saß er insgesamt 132 Tage in Untersuchungshaft in Mannheim. Der Prozess wuchs sich im Laufe der Zeit zu eine Widerstreit der Gutachten und der Medien aus. Im Prozess kam heraus, dass Kachelmann eine Art Doppelleben mit zahlreichen Geliebten führte.

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