Talkshow-Gerangel um Kachelmann-Gäste

Am Dienstag wird das Urteil im Kachelmann-Prozess verkündet. Der ehemalige ARD-Wettermann ist angeklagt, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben. Schon im Vorfeld der Urteilsverkündung sorgt der Fall wieder für mediale Reibereien. Am Dienstagabend diskutiert Sandra Maischberger über den Fall und das Urteil. Ursprünglich sollte auch der aktuelle Kachelmann-Verteidiger Johann Schwenn in der Show auftreten. Doch dann gab es Ärger mit Talk-Gast Alice Schwarzer.

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Gegenüber MEEDIA bestätigte Alice Schwarzer, die den Prozess für die Bild-Zeitung kommentierend begleitet, dass Schwenn von der Maischberger-Redaktion als Gast eingeplant war. Schwenn sollte zusammen mit Ralf Witte in der Talk-Show erscheinen. Witte ist ein ehemaliger Mandant Schwenns, der unschuldig wegen Vergewaltigung verurteilt wurde. Schwenn erreichte eine Wiederaufnahme des Verfahrens und Witte wurde freigesprochen. Dann sollte zusätzlich die Zeit-Gerichtsreporterin Sabine Rückert auf die “Maischberger”-Gästeliste kommen. Rückert hat den Kachelmann-Prozess von Beginn an begleitet und spielt dabei auch eine besondere Rolle.

So hat sie in einer E-Mail an Kachelmanns früheren Verteidiger Reinhard Birkenstock, Johann Schwenn als neuen Verteidiger ins Spiel gebracht und ihre Kooperation angeboten. Auch Ralf Witte ist für Sabine Rückert kein Unbekannter. In einem ausführlichen Zeit-Dossier beschrieb sie, wie Witte E-Mails an Kachelmann schrieb und diesen schließlich im Gespräch überzeugt habe, den Anwalt zu wechseln: von Birkenstock zu Schwenn. Sabine Rückert war ganz nah dran, sie konnte in ihrem Zeit-Text wörtlich aus E-Mails von Witte und der Besprechung zwischen Witte und Kachelmann berichten. Zusammen mit Schwenn hat Rückert auch bereits das Buch "Unrecht im Namen des Volkes: Ein Justizirrtum und seine Folgen" verfasst, in dem es ebenfalls um Fehlurteile in Vergewaltigungsprozessen geht.

Alice Schwarzer wehrte sich gegen die Verpflichtung von Rückert. Schwarzer gegenüber MEEDIA: “Zum einen schien mir das dann doch ein bisschen viel Schwenn-Fraktion, zum zweiten möchte ich den Eindruck eines ‘Hennenkampfes’ vermeiden.” Ein solcher “Hennenkampf” sei ihr schon in ihrer Auseinandersetzung mit der Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen unterstellt worden.

Später sei dann von der “Maischberger”-Redaktion noch ein Kompromiss-Vorschlag an Schwarzer herangetragen worden. Statt Rückert sollten Witte, Schwenn und der Schweizer Journalist Thomas Knellwolf auftreten. Knellwolf, der beim Zürcher Tages-Anzeiger arbeitet hat das Buch “Die Akte Kachelmann – Anatomie eines Skandals” vorbereitet, das kurz nach dem Urteil erscheinen soll. Thomas Knellwolf ist übrigens jener Journalist, der im Tages-Anzeiger unter der Überschrift “Kachelmann und die TV-Kommissarin” über eine angebliche Bekanntschaft von Kachelmann mit der Ehefrau von Verleger Hubert Burda, Maria Furtwängler, spekulierte. Der entsprechende Artikel findet sich mittlerweile nicht mehr im Online-Archiv des Tages-Anzeigers.

Auch einen Auftritt gemeinsam mit dem Trio Schwenn/Witte/Knellwolf bei “Maischberger” lehnte Alice Schwarzer nach eigenen Angaben ab: “Weil ich nicht einsehe, dass ein Verteidiger nur in Begleitung eines Ex-Mandanten plus eines offensichtlich geneigten Journalisten in eine Talkshow kommt.”

Stattdessen wurde nun der ehemalige Kachelmann-Anwalt Klaus Schroth in die Show geladen, der Kachelmann noch zusammen mit Reinhard Birkenstock verteidigte. Schroth ist nach eigener Aussage von Kachelmanns Unschuld überzeugt, egal wie das Urteil lauten wird: "Die Hauptbelastungszeugin hat bereits nachweislich gelogen, und sie lügt auch, was den Tatvorwurf angeht", wird er auf der “Maischberger”-Homepage zitiert. Außerdem anwesend: Ingrid Steeger, als früheres Opfer einer Vergewaltigung, der ARD-Rechtsexperte Karl-Dieter Möller, die auf Gewalt gegen Frauen spezialisierte Staatsanwältin Gabriela Piontkowski und der frühere SAT.1-Geschäftsführer Roger Schawinski. Was den zum Kachelmann-Experten macht? Nun, er ist, wie Kachelmann Schweizer und er hat ihn vor 30 Jahren mal als Wettermoderator für ein Privatradio eingestellt. Wahrscheinlich muss in dieser TV-Woche mit weiteren Talk-Experten dieser Güteklasse gerechnet werden.

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