Fischers Kampf gegen “Erpresserfreiheit”

Der Schauspieler und Kabarettist Ottfried Fischer hat in zweiter Instanz den Prozess gegen einen ehemaligen Bild-Reporter verloren. Dabei ging es um die Frage, ob der Reporter Fischer mit einem Sex-Video mit Prostituierten zu Exklusiv-Interviews genötigt habe. Fischer lässt die Sache nicht auf sich beruhen, will in die nächste Instanz und gab der Süddeutschen Zeitung ein langes Interview, in dem er gegen die “Erpresserfreiheit” der Bild-Zeitung wettert.

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Das Interview in der Samstagsausgabe der Süddeutschen wurde von gleich drei Redakteuren geführt: Hans Leyendecker, Nicolas Richter und Christian Rost. Gleich zu Beginn wird Fischer gefragt, ob er ein Feind der Pressefreiheit sei. Die Richterin am Landgericht München hatte ihr Urteil u.a. damit begründet, dass der frühere Bild-Reporter im Sinne der Pressefreiheit durchaus das Recht gehabt hatte, das illegal produzierte Sex-Videos Fischers zu sichten. Fischer dazu: “Ich bin ein Freund der Pressefreiheit, aber ein Feind der Erpresserfreiheit.”

Wenn der Verdacht bestehe, dass unter dem Deckmantel der Pressefreiheit Kriminelles geschehe, dann müssten sich die Medien gefallen lassen, dass dies “investigativ verfolgt wird”. Fischer hält den Freispruch für den ehemaligen Bild-Reporter in zweiter Instanz für “konsequent falsch” – klar, sonst hätte er wohl kaum eine Revision angestrebt.

Vor dem Landgericht habe ein “totales Durcheinander” geherrscht, sagt der Pfarrer-Braun-Darsteller, es sei auf “Schauplätzen scharmützelt” worden”. Fischer versucht zwar, in dem Interview seine frühere Zusammenarbeit mit Bild und auch die dubiose Rolle seiner ehemaligen PR-Agentin, die die Exklusiv-Interviews mit Bild verabredet hatte, zu relativieren – es gelingt im aber nicht so recht. Die SZ fragt völlig zurecht, warum er überhaupt die peinlichen Interviews über sein Sexualleben gegeben habe. Fischers Antworten darauf sind Zeugnis dafür, dass er mit dem ganzen Vorgang längst überfordert ist. Zitat Fischer aus der SZ: “Die wollten wissen, wie oft ich mich mit welchen Frauen wann getroffen und was ich mit denen gemacht habe. Da wollte ich die Texte lieber selbst schreiben, allgemeiner, in einer leicht lyrischen Form. Dabei habe ich allerdings übersehen, dass die Schlagzeilen trotzdem da sind. Am Ende stand wieder groß ‚Huren‘ drüber. Ob der Text letztlich in Ordnung ist oder nicht, du wirst doch immer in eine Ecke gestellt.”

Und so wird auch in der Süddeutschen alles noch einmal durchgekaut. Seine Affären, seine PR-Agentin, die offenbar nicht in seinem Sinne gehandelt hatte, eine Affäre mit einer Wienerin, dem “Bikini-Mädchen”, eine Paparrazi-Jagd auf ihn und eine Frau nach einem Kneipenbesuch usw. Diesmal halt weniger sensationslüstern aber trotzdem detailliert. Nun muss das Oberlandesgericht entscheiden ob es die von Fischer gewünschte Revision zulässt oder nicht. Fischer denkt, er kämpft in dem Fall um seine Würde – sollte das jemals der Fall gewesen sein, hat er den Kampf schon verloren. Das SZ-Interview dokumentiert die traurige Geschichte von einem gefallenen TV-Star, der nicht weiß, wann es genug ist. Das Oberlandesgericht würde Fischer einen Gefallen tun, würde es die Revision ablehnen.

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