„80 Prozent der Web-Inhalte sind identisch“

In der Diskussion um die Agenturabhängigkeit der deutschen Nachrichten-Portale gibt es endlich konkrete Zahlen. "Mit unserem Projekt Nachrichten.de werten wir minütlich rund 500 journalistische Internetseiten aus", erklärt Focus Online-Geschäftsführer Oliver Eckert gegenüber MEEDIA. "Ein Ergebnis: 80 Prozent der Inhalte deutscher Nachrichtenportale bestehen aus identischem Agenturmaterial." Der News-Experte ist sich sicher: "Nur unique Inhalte haben Zukunft."

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"In der Diskussion um die Agenturabhängigkeit der deutschen Nachrichten-Portale gibt es endlich konkrete Zahlen. "Mit unserem Projekt Nachrichten.de werten wir minütlich rund 500 journalistische Internetseiten aus", erklärt Focus Online-Geschäftsführer Oliver Eckert gegenüber MEEDIA. "Ein Ergebnis: 80 Prozent der Inhalte deutscher Nachrichtenportale bestehen aus identischem Agenturmaterial." Der News-Experte ist sich sicher: "Nur unique Inhalte haben Zukunft."

Seit vergangener Woche debattiert die Branche über den geringen Anteil an eigenen Autorenstücken bei Stern.de. Medienjournalist Stefan Niggemeier zählte, dass von 367 an einem Tag veröffentlichten Artikeln knapp 300 Ticker-Meldungen waren. Nur acht Stücke beruhten auf tatsächlicher Eigenleistung der Redaktion. MEEDIA befragte daraufhin Online-Chefredakteure wie Stefan Plöchinger von Süddeutsche.de, Frank Thomsen von Stern.de und Mathias Urbach, Leiter von Taz.de. Oiver Eckert ist Geschäftsführer der Tomorrow Foucs Media GmbH von verantwortlich für Focus Online.

Leidet die News-Branche im Netz darunter, dass sich die meisten Nachrichtentexte austauschbar auf vielen Online-Plattformen wiederholen?
Mit unserem Projekt Nachrichten.de werten wir minütlich rund 500 journalistische Internetseiten aus. Ein Ergebnis: 80 Prozent der Inhalte deutscher Nachrichtenportale bestehen aus identischem Agenturmaterial. Das kann auf Dauer nicht gut sein. Deshalb sind wir überzeugt: Nur unique Inhalte haben Zukunft.

Wie ist bei Focus Online das Verhältnis zwischen Autorenstücken und Agenturmeldungen?
Auf unserer Startseite präsentieren wir heute schon pro Tag bis zu 50 Autorenbeiträge. Am 1. Juli startet unser neuer Chefredakteur Daniel Steil. Unter ihm wollen wir diese Zahl weiter steigern. Wir setzen klar auf eigenes Agenda-Setting.

Eine der Vorwürfe an Stern.de lautet, dass Texte und Bildergalerien umdatiert werden. Macht Ihr Angebot das auch?
Nur dann, wenn unsere Redakteure ihre Inhalte aus journalistischen Gründen aktualisieren.

Sollten sich die Nachrichtenportale im Web nicht künftig stärker unterscheiden?
Wir treten selbstbewusst als Focus Online auf. Unser erklärtes Ziel ist es, eigene Themen zu setzen und Focus-gerechte Zugänge zu finden. Die nackte Nachricht selbst ist so gut wie nichts wert. Viele politische oder wirtschaftliche Ereignisse werden zum Beispiel meist erst relevant, wenn unserer Redakteure sie für die User einordnen. So entstehen spannende News.

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