Die „Wahrheit“ über die Ergo-Ballermänner

Erst die Schlagzeilen über die Sex-Sause zur Mitarbeiter-Motivation in Budapest, dann ein Fotobericht in der Bild über Koks-Kabinettsstückchen, die laut Unternehmensmitteilung jedoch lediglich ein Saufspiel für Fortgeschrittene zeigen: Für die Ergo-Gruppe, die im vergangenen viel Geld in eine großangelegte Imagekampagne ("Versichern heißt Verstehen") steckte, ein gigantisches PR-Desaster. Hilflos muss das Unternehmen hinnehmen, wie die ganze Republik über die Ergo-Ballermänner lacht.

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Nach dem Prostituierten-Skandal in der Budapester Gellert-Therme ist man bei der Ergo-Gruppe nach Kräften um Schadensbegrenzung bemüht. Seitdem weiß auch Lieschen Müller, dass die Hamburg-Mannheimer mit ihrem "Herrn Kaiser", der Werbe-Ikone des Vorzeige-Vertreters, zur großen Ergo-Versicherungsgruppe gehört. Da dürfte der gestrige Bild-Aufmacher “Hier kokst der Kollege von Herrn Kaiser"  äußerst ungelegen gekommen sein. Im Bild zu sehen: Zwei Personen, die mit Röhrchen eine weiße Substanz einschnupfen.

Dass die aus einem Salzstreuer (ebenfalls im Bild) und nicht einem Kokstütchen stammen könnte, ingnorierte man fürs Erste. Die Ergo reagierte prompt mit einer Stellungnahme:

“Die Berichterstattung in der heutigen Ausgabe der Bild-Zeitung, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sog. Top 5 Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die von der Bild-Zeitung veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase. Bei den Handlungen der Akteure auf den von der Bild-Zeitung veröffentlichten Fotos handelt es sich nicht um den Konsum von Kokain. Der Ergo liegen dazu inzwischen auch eidesstattliche Versicherungen von auf den Lichtbildern abgebildeten Personen vor.”

Die PR-Abteilung dürfte beim Verfassen dieser Worte vor Scham unterm Schreibtisch versunken sein. Nur zur Erklärung: die von den Kollegen der Hamburg-Mannheimer praktizierte Trinktechnik nennt sich "Tequila Stuntman" oder  “Tequila Suicide”. Und diese Schluckspecht-Disziplin in bester Ballermann-Komasäufer-Manier ist der Grund, warum ein vor Monaten bei YouTube hochgeladenes Video sich jetzt wie ein Lauffeuer in den Social Communities verbreitet.

###YOUTUBEVIDEO###

Ob diese Art des Alkoholkonsums bei den Versicherungsmanagern bleibende Schäden an den Schleimhäuten verursacht hat, lässt sich wohl kaum noch klären. Allerdings reagierte Bild.de auf die Stellungnahme und nahm den "Original"-Clip aus dem Netz.

Das verwundert nicht. Immerhin ist die Versicherungsgruppe mit über 50.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 20 Milliarden Euro (in 2010) ein Schwergewicht im Anzeigenmarkt. Schon bei der Berichterstattung über die ausschweifende Sex-Party der Hamburg-Mannheimer in Budapest dürfte es der Bild.de-Anzeigenleitung heiß und kalt zugleich geworden sein. Prangte doch direkt über dem Aufmacher ein riesiger Werbebanner der Ergo-Gruppe für Zahnersatz.

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