Kachelmanns letztes Wort: „Nein, danke“

Beobachter hatten zu den Plädoyers der Verteidigung im Kachelmann-Prozess die große Schwenn-Show erwartet. Johann Schwenn, der Anwalt des ehemaligen ARD-Wettermoderators Jörg Kachelmann, hatte zuvor keine Gelegenheit zur Provokation ausgelassen. Jetzt überraschte er, indem er seiner Kollegin Andrea Combé das Feld überließ. Die Verteidiger fordern einen Freispruch. Als der Richter Kachelmann das letzte Wort erteilte, sagte dieser: "Nein, danke."

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Johann Schwenn, der Verteidiger des wegen Vergewaltigung angeklagten Jörg Kachelmann, hat den Freispruch selbst gefordert. Außerdem solle Kachelmann für die Untersuchungshaft, Durchsuchungen und Beschlagnahmungen entschädigt werden, so Schwenn. Ein paar Spitzen in Richtung der Kammer und der Staatsanwaltschaft konnte sich Schwenn dann aber doch nicht verkneifen. Die Kammer sei nicht die "Rächerin enttäuschter Frauen", meinte er und die Schlussfolgerungen von Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge zur Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin bezeichnete er als "putzig". Oltrogge hatte argumentiert, nur weil die Frau zur Vorgeschichte gelogen habe, müssten ihre Ausführungen zum angeblichen Tathergang nicht auch unwahr sein.
Den Vortrag der 120-seitigen Begründung für den geforderten Freispruch überließ Schwenn am Vormittag aber seiner Verteidigungs-Kollegin Andrea Combé, die während der Beweisaufnahme eher zurückhaltend agiert hatte.
Es war das große Vor-Finale der Kachelmann-Show vor dem Mannheimer Landgericht. Combé erläuterte, dass es aus Sicht der Verteidigung keine Beweise für die Schuld Kachelmanns gebe. Am Messer, der angeblichen Tatwaffe, fanden sich keine ausreichenden DNA-Spuren. "Es gibt keine Spuren an dem Messer, die die Version der Nebenklägerin bestätigen", so Combé. Auch die Verletzungen an den Oberschenkeln habe sich die Nebenklägerin selbst zufügen können. Einige rechtsmedizinische Gutachten legten dies im Laufe der Beweisaufnahme auch nahe.

Außerdem bezweifelte Combé die Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin. Diese habe bei den Ermittlungen “kaltschnäuzig” gelogen und ein “hohes Maß an schauspielerischem Talent” gezeigt. Bei einem Beschuldigten würde man in einem solchen Fall von “hoher krimineller Energie sprechen”, so Combé. Die Nebenklägerin habe Kachelmann bewusst falsch beschuldigt, weil sie nicht damit gerechnet habe, “dass er aufsteht und geht und sie zurücklässt wie ein Stück Dreck", so die Verteidigerin. Als Motiv für die falsche Beschuldigung vermutete Combé “Rache und Hass”.

Anwesende Kachelmann-Anhänger quittierten das Plädoyer der Verteidigung im Gerichtssaal mit Applaus. Die frühere Freundin Kachelmanns und Nebenklägerin war während der Plädoyers zeitweise in Tränen ausgebrochen. Das Gericht sah sich genötigt, einmal mehr das “Theater”, das in diesem Prozess an der Tagesordnung war, zu rügen.

Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche vier Jahre und drei Monate Haft für Kachelmann wegen besonders schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung gefordert. Die Verteidigung plädierte nun erwartungsgemäß auf Freispruch. Das Urteil soll am 31. Mai gesprochen werden.

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