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Blogger erwarten Kachelmann-Schuldspruch

Für Jörg Kachelmann rückt die Stunde der Urteilsverkündung näher. Bis kommenden Dienstag will das Landgericht Mannheim entschieden haben, ob der ehemalige ARD-Moderator erneut ins Gefängnis muss. Während seine Verteidiger auf Freispruch und Haftentschädigung plädieren, fordert der Ankläger eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, drei Monaten. Die Lawblogger und Strafrechtsexperten Udo Vetter und Thomas Wings tippen schon jetzt das Prozessergebnis: Beide rechnen mit hoher Haftstrafe.

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Träfe die Prognose der beiden Anwälte zu, würde das Mannheimer Gericht noch über die Forderung der Staatsanwälte hinausgehen. Vetter erwartet ein Urteil über fünf Jahre und drei Monate, Wings geht sogar von sechs bis sieben Jahren Gefängnis aus. Begründung der Juristen: Die geforderten vier Jahre und drei Monate Haft für eine Vergewaltigung unter Einsatz einer Waffe (Kachelmann wird vorgeworfen, seine Ex-Geliebte mit einem Küchenmesser bedroht und zum Sex gezwungen zu haben) sind eigentlich nach Strafrechtkatalog eher wenig. Das Mindeststrafmaß liegt laut Strafgesetzbuch bei fünf Jahren.
Dass die Staatsanwälte auf eine geringere Strafe plädiert haben, begründeten sie damit, dass es sich nach der Beweislage – entgegen der ursprünglichen Ankläge – um einen “minderschwerer Fall” handele. Zudem sei das öffentliche Leben Kachelmanns und Moderations-Karriere aufgrund der bekanntgewordenen Details aus seinem Privat- und Intimleben weitestgehend zerstört. Einige Prozessbeobachter werten dies allerdings auch als Zugeständnis der Ankläger an die insgesamt unübersichtliche Beweislage. Mit der nun geforderten Strafe könnte es dem Gericht leichter fallen, einen Schuldspruch zu verhängen, da dem Angeklagten aufgrund der geringeren Haftdauer eine Perspektive eröffnet wurde. All das ist Spekulation.
Ganz anders die Erwartung der Lawblogger. Die sind sich sicher, dass der Ex-Wettermoderator verurteilt wird. Der Rechtsanwalt Thomas Wings geht in seinem Blog ohne Wenn und Aber davon aus, dass Kachelmann für schuldig befunden wird. Seine Begründung: “Ansonsten hätte man sich einen Großteil der Beweisaufnahme zum Ende hin sparen können. Außerdem hatte man sich bereits früher schonmal festgelegt, was zur damaligen Haftentscheidung führte. Weiterhin glaube ich, dass das Gericht keinen minderschweren Fall annehmen wird. Wenn man eine Vergewaltigung schon als erwiesen betrachten wird, dann ist es eher ein normal-schwerer Fall und nicht ein minderschwerer. Also wird die Strafe oberhalb von 5 Jahren liegen (das Gericht kann auch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinausgehen). Ich denke, so um die 6-7 Jahre könnten dann stehen.”
Lawblogger Udo Vetter pflichtet Wings im Grundsatz bei, liegt mit seiner Prognose aber näher an der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Düsseldorfer Strafverteidiger und Jura-Dozent spekuliert darauf, dass Kachelmann zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wird. Auch diese Einschätzung läge deutlich über dem Antrag der Staatsanwaltschaft.
Und für den Tag der Urteilsverkündung hat Rechtsblogger Wings noch eine weitere Vorhersage in petto: "Zuschlechterletzt erfolgt dann noch die berüchtigte Saalverhaftung. Man wird wegen der hohen Strafe Fluchtgefahr attestieren und den Haftbefehl wieder in Vollzug setzen."
Trotz der klaren Prognosen der beiden Anwälte bedeutet dies jedoch nicht, dass sie Kachelmann auch für schuldig halten. Beide haben den Prozess nur über die öffentliche Berichterstattung verfolgt. Wings ist aus Erfahrung überzeugt, dass Gerichte "viel zu häufig nicht von einer einmal vorgefassten Meinung abrücken". Er selbst schreibt auch: "Aus der Ferne, nur aufgrund der blossen Medienbeobachtung des Verfahrens würde ich prinzipiell davon ausgehen, dass die einzig richtige Entscheidung ein Freispruch sein müsste, denn eine sichere Überzeugung, dass eine Tat stattgefunden hat, scheint mir arg fraglich zu sein."

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