Wie Armstrong Doping-Vorwürfe wegtwittert

Die US-TV-Sendung “60 Minutes” des Senders CBS sorgt für gewaltigen Wirbel in der Radsportszene. Darin trat erstmals Tyler Hamilton, ein ehemaliger Team-Kollege des siebenfachen Tour de France-Gewinners Lance Armstrong, auf und beschuldigte ihn eindeutig des Dopings. Spekulationen, ob der Radprofi gedopt habe, gab es bereits viele, noch nie aber so eindeutige Zeugen-Berichte. Unterdessen nutzt Armstrong Twitter und Blogs, um für seinen Ruf zu kämpfen.

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Die “60 Minutes”-Sendung mit Tyler Hamilton ist ein Riesen-Scoop für den Sender CBS. “60 Minutes” genießt in den US-Medien einen legendären Ruf. Die Sendung hat die meisten Emmy-Preise des us-amerikanischen Fernsehens gewonnen und seit 1968 zahlreiche Skandale aufgedeckt. Berühmt geworden ist ist u.a. die Geschichte einer Reportage, in der nachgewiesen werden sollte, dass ein US-Tabakkonzern sucht-verstärkende Stoffe in Zigaretten mischt. Der Beitrag wurde allerdings nach Androhung einer Milliarden-Dollar-Klage nur entschärft gesendet. Der Fall war später die Vorlage für den Oscar-prämierten Film “The Insider” mit Russel Crowe und Al Pacino.

Nun hat “60 Minutes” mit dem Exklusiv-Interview des Ex-Teamkollegen von Radsport-Legende Lance Armstrong wieder einen Riesen-Skandal losgetreten. Hamilton sagte in der Sendung klipp und klar, dass er selbst gesehen habe, wie sich Armstrong das Blut-Dopingmittel EPO und auch Testosteron-haltige Tabletten verabreicht habe – so wie alle Top-Athleten im damaligen US-Postal-Team bei der Tour de France 2001. Lance Armstrong hat immer bestritten, gedopt zu haben. Er gilt vor allem in den USA als Sport-Held, der es schaffte den Krebs zu besiegen und öfter als jeder andere Mensch die Tour de France zu gewinnen.

Die Aussagen seines früheren Team-Kollegen Hamilton stehen in Zusammenhang mit Ermittlungen einer der US-Staatsanwaltschaft und einer Grand Jury in Los Angeles, die die Doping-Vorwürfe gegen Armstrong und das US-Postal-Team vom Jahr 2001 untersucht. Laut “60 Minutes” wurde Hamilton durch eine Vorladung der Jury zur Aussage gegen Armstrong gezwungen. Laut CBS soll es mindestens eine weitere belastende Aussage gegen Armstrong geben, die von seinem ehemaligen Team-Gefährten George Hincapie stammt. Hincapie hatte sich allerdings geweigert, mit CBS über den Fall oder seine Aussagen vor der Grand Jury zu sprechen.

Armstrong selbst nutzt nun das Internet und Social Media, um seinen Ruf als sauberer Sportler zu verteidigen. Über seinen Twitter-Account teilte Armstrong seinen über 2,8 Millionen Followern mit: “20+ year career. 500 drug controls worldwide, in and out of competition. Never a failed test. I rest my case.” Ein Hinweis auf seine über 20-jährige Sportler-Karriere und 500 weltweite Doping-Kontrollen innerhalb und außerhalb von Wettkämpfen, die nie positiv waren. “Ich schließe meine Beweisführung ab”, schreibt Armstrong zum Schluss. In einem weiteren Tweet verweist er auf das von ihm schnell gestartete Blog “Facts 4 Lance”, auf dem Argumente gegen die CBS-Berichterstattung gesammelt werden sollen. Bisher finden sich dort vor allem Stellungnahmen von Armstrongs-Anwalt Mark Fabiani, der versucht, die Glaubwürdigkeit des CBS-Zeugen Hamilton zu erschüttern. “Tyler Hamilton ist ein überführter Lügner, der einen Buch-Vertrag will”, schreibt Fabiani dort unter anderem. Die CBS-Sendung lasse zudem journalistische Fairness vermissen und würde die negativen Doping-Tests von Armstrong ignorieren.

Hamilton sagte in “60 Minutes” allerdings, dass internationale Radsport-Offizielle Armstrong beim Vertuschen von positiven Test geholfen hätten.

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