LinkedIn-Börsengang: der Netscape-Moment

Das US-Online-Netzwerk LinkedIn hat den Sprung an die Wall Street gewagt – und Anleger haben sich wie verrückt um die Anteile gerissen. Dass die Kursverdopplung am ersten Tag keine Eintagsfliege war, unterstreichen die Kurse vom Freitag, als LinkedIn sein Niveau halten konnte. Während die überwältigende Anzahl der Wall-Street-Experten den Kopf über die horrende Bewertung schüttelt, sind sich Branchenkenner doch einig: LinkedIn hat die Tür für kommende Internet-Börsengänge weit aufgestoßen.

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Das US-Online-Netzwerk LinkedIn hat den Sprung an die Wall Street gewagt – und Anleger haben sich wie verrückt um die Anteile gerissen. Dass die Kursverdopplung am ersten Tag keine Eintagsfliege war, unterstreichen die Kurse vom Freitag, als LinkedIn sein Niveau halten konnte. Während die überwältigende Anzahl der Wall-Street-Experten den Kopf über die horrende Bewertung schüttelt, sind sich Branchenkenner doch einig: LinkedIn hat die Tür für kommende Internet-Börsengänge weit aufgestoßen.

19. Mai, 2011: Beginn einer neuen Zeitrechnung? Gut möglich, denn das, was an diesem Tag an der New Yorker Wall Street passierte, war alles andere als erwartet worden. Nicht nur gelang LinkedIn der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens seit dem  Google-IPO 2004 – es war gleichzeitig das Debüt des ersten amerikanischen Internet-Unternehmens des hoch gewetteten Social-Media-Sektors an der New York Stock Exchange.



Und was für eins! Bei furiosen 94 Dollar schloss das Papier – und konnte den Wert des bereits zweimal angehobenen Ausgabekurses damit mehr als verdoppeln. Fast ebenso bemerkenswert: Am nächsten Tag folgte nicht der große Einbruch – die Aktie tendierte den Großteil des Handelstages sogar über 100 Dollar und fiel erst in den letzten Handelsminuten marginal unter Vortagesniveau zurück. Das bedeutete: Bei 93 Dollar war LinkedIn immer noch knapp 9 Milliarden Dollar wert.



LinkedIn-Bewertung: "Komplett überbewertet und schlicht absurd"

Die astronomische Bewertung für ein Unternehmen, das in diesem Jahr Verluste schreiben wird und 2010 gerade mal 243 Millionen Dollar erlöst hat, ließ die Wall-Street-Experten in Rage geraten. "Komplett überwertet und schlicht absurd", kanzelte Wall-Street-Veteran James Cramer LinkedIn in "Mad Money" zur besten Sendezeit ab. 



Um wenig später auf dem Finanzinformationsdienst TheStreet.com, den Cramer vor 15 Jahren selbst gründete, nachzulegen: "Ich kenne niemand, absolut niemanden, der LinkedIn liebt. Es gibt viele Unternehmen, die LinkedIn sein könnten. Und wenn LinkedIn 10 Milliarden Dollar wert ist, dann muss Groupon 100 Milliarden wert sein und Facebook eines der wertvollsten Unternehmen auf dem Planten."


"Sensationelle Nachricht für Facebook"

Espen Robak, Präsident des Beratungsunternehmens Pluris Valuation, arbeitete unterdessen einen anderen Superlativ heraus: "Es gibt kein Unternehmen, das ein höheres Kurs-Umsatz-Verhältnis aufweist als LinkedIn." Tatsächlich wird LinkedIn bei 93 Dollar mit dem 36-fachen des Umsatzes bewertet.



So überdimensioniert diese Bewertung erscheint – für den Internet-Sektor muss sie deswegen nicht schlecht sein. Im Gegenteil: "Es ist eine sensationelle Nachricht für Unternehmen wie Facebook", erklärt Robak mit Blick auf das weltgrößte Social Network, das in naher Zukunft selbst seinen Gang an die Börse plant. "Dieser Schritt ist unvermeidlich", bekräftige COO Sheryl Sandberg Ende vergangener Woche.

Nächster Börsengang: Yandex steht in den Startlöchern



Gleiches gilt wohl für die anderen Social-Media-Kanidaten Zynga und Twitter sowie den Schnäppchen-Überflieger Groupon. "Jeder Wagnis-Kapital-Geber, den ich kenne, hat seine Pläne hinsichtlich Social-Media-Unternehmen geändert", erklärt der Blogger und Bloomberg-Journalist Paul Kedrosky. "Jeder denkt: Lass uns alles, was wir haben, an die Börse bringen."

Der Web-Unternehmer Marc Cendella (TheLadder.com) sieht dann sogar die Herankunft eines neuen Zeitalters: "Genau wie der Börsengang von Netscape 1996 einen Verständniswandel einleitete, was Technologie war und für uns tun kann, ist das LinkedIn-IPO der Anfang der enormen Beachtung, welcher Wert durch Internet-Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt geschaffen wurde" – ein neuer Netscape-Moment also.

Diese Denkweise herrscht offenbar auch am anderen Ende der Welt vor. Die russische Suchmaschine Yandex dürfte diese Woche nach jahrelanger Planung an diese Börse streben. Bereits heute soll der Ausgabepreis bekannt gegeben werden, morgen die Anteilsscheine bereits an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden. Auf Basis eines Ausgabekurses zwischen 20 uns 22 Dollar lockt bereits eine Bewertung vom sechs bis sieben Milliarden Dollar. Keine Frage: Die Goldgräberstimmung im Internet-Sektor ist so greifbar wie seit 2000 nicht mehr…

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