Die wichtigsten chinesischen Web-Firmen

Sie kennen Google, Facebook und Twitter - aber kennen Sie auch Baidu, Renren und Sina? Der aktuelle Boom von Internet-Unternehmen spielt sich zu einem Großteil in China ab. Dort leben bereits heute die meisten Menschen mit Online-Zugang. Laut der Boston Consulting Group wird China spätestens 2015 auch der größte E-Commerce-Markt der Welt sein. MEEDIA stellt einige der größten und wichtigsten chinesischen Internet-Unternehmen vor.

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Baidu

Viele bezeichnen Baidu als das chinesiche Google. In der Tat ist Baidu.cn die mit Abstand populärste Internet-Suchmaschine in China mit einem Marktanteil von rund 76 Prozent. Die Firma wurde im Jahr 2000 von den Chinesen Robin Li und Eric Xu gegeründet und sitzt in Peking. Baidu-Aktien werden auch an der us-amerikanischen NASDAQ-Börse gehandelt, beraten wird die Firma dabei von der US-Investmentbank Goldman Sachs. Übrigens genau wie Google. Während Google vor einiger Zeit damit drohte, sich wegen der Zensur von Suchtreffern durch den chinesischen Staat aus dem China-Geschäft zurückzuziehen, steht bei Baidu die Zensur von Suchtreffern nicht zur Diskussion. Die Firma könnte sonst wohl auch kaum in China sitzen. Trotzdem gibt es immer wieder Kritik an der Zensur von bestimmten Schlüsselbegriffen wie “Tiananmen-Massaker” oder der verbotenen, religiösen Falun-Gong-Bewegung.

Baidu betreibt seit einiger Zeit auch den Aufbau einer Wikipedia-ähnlichen Online-Enzyklopädie namens Baidu Baike. Dort müssen Artikel aber, anders als bei der Wikipedia, immer vor Veröffentlichung zuerst freigeschaltet werden.

Baidu hatte im Mai 2011 eine Marktkapitalisierung von knapp 50 Mrd. US-Dollar. Im 1. Quartal 2011 erwirtschaftete das “chinesische Google” Umsätze in Höhe von 372 Mio. US-Dollar und einen Gewinn von 163,5 Mio. Dollar. Zum Vergleich: Google hat im 1. Quartal 2011 rund 8,6 Mrd. Dollar an Umsätzen erwirtschaftet und knapp 2,3 Mrd. Dollar Gewinn erwirtschaftet.

Tencent

Tencent ist eine Art Internet-Gemischtwarenladen, der bereits im Jahr 1998 gegründet wurde. Die Firma begann 1999 mit einem Instant-Messaging-Programm, das mittlerweile Tencent QQ heißt. Außerdem betreibt Tencent das Social Network QZone und die sehr populäre Online-Spiele-Plattform QQ Games, auf der vor allem Multiplayer- und Minispiele angeboten werden. Tencent bietet außerdem Online-Bezahlsysteme wie PaiPai und Tenpay, die dem im Westen bekannten PayPal ähneln. Mit Tencent ZRaveller hat die Firma sogar einen eigenen Internet-Browser im Programm. Aktuell kommt die Firma nach eigenen Angaben auf knapp 650 Mio. Instant-Messaging-Accounts. Zum Vergleich: Das gerade an Microsoft verkaufte Skype kommt nach eigenen Angaben auf knapp über 660 Mio. User-Accounts.

An der NASDAQ-Börse ist Tencent fast so viel wert wie Baidu, nämlich 49,6 Mrd. Dollar. Tencent hat im 1. Quartal 2011 knapp 967 Mio. Dollar Umsatz erwirtschaftet und 438 Mio. Dollar Gewinn.

Alibaba

Auch das chinesiche Alibaba hat eine Enstsprechung in der westlichen We-Welt. So gilt Alibaba als das “chinesische eBay”. Gemeint ist damit vor allem das Online-Auktionshaus Taobao. Daneben betreibt die Firma mit Alibaba.com eine Business-to-Business Handelsplattform im Netz, hat einen Werbevermarkter (Alimama), mit Alipay ein eigenes Online-Bezahlsystem und betreibt die chinesiche Yahoo-Seite. 2005 hat Yahoo für rund eine Milliarde Dollar einen 40-Prozent-Anteil an Alibaba erworben. Nach eigenen Angaben haben die beiden Handelsplattformen Alibaba.com und Taobao rund 61 Millionen registrierte Nutzer.

Der Marktwert an der NASDAQ der Alibaba-Group beträgt knapp 9 Mrd. Dollar. Die Firma ist also schon ein gutes Stück kleiner, als die beiden China-Riesen Baidu und Tencent – gleichwohl aber immer noch groß. Im 1. Quartal 2011 hat Alibaba einen Umsatz von 228,6 Mrd. Dollar erwirtschaftet und einen Gewinn von knapp 62 Mio. Dollar. Zum Vergleich: eBay erwirtschaftete im selben Zeitraum einen Umsatz von über 2,5 Mrd. Dollar und einen Gewinn von 476 Mio. Dollar (vor allem dank PayPal).

Youku

Um bei den Vergleichen zu bleiben: Youku.com ist das “chinesische YouTube”, also die beliebteste Video-Website in China. Die Firma wurde erst 2006 gegründet, ein Jahr später gab es bereits Venture Kapital in Höhe von 25 Mio. Dollar. Bei Youku können Nutzer Videos in beliebiger Länge hochladen. Wegen der eher lasch gehandhabten oder gar nicht erst vorhandenen chinesichen Urheberreche werden bei Youku somit auch viele durch Copyright geschützte Inhalte, wie Kinofilme und Musikvideos in voller Länge gezeigt. Mit zahlreichen chinesischen Film- und TV-Produktionsfirmen hat Youku allerdings auch offizielle Inhalte-Partnerschaften.

In einigen Ländern wird der Abruf von urheberrechtlich geschützem Material bei Youku mittlerweile aber technisch blockiert. Youku kommt nach eigenen Angaben auf rund 281 Mio. Unique Visitors pro Monat. Die Marktkapitalisierung an der NASDAQ liegt bei 5,8 Mrd. Dollar. Im 1. Quartal 2011 erwirtschafte Youku Umsätze in Höhe von knapp 20 Mio. Dollar und machte einen Verlust von 7,2 Mio. Dollar. Das Geschäft mit den Inhalten ist auch in China schwierig.

Renren

Wenn Youku das chinesiche YouTube ist, ist Renren.com, das chineische Facebook. Der Erfolg von Renren in China liegt wohl auch darin begründet, dass China Weltmarktführer Facebook in China immer noch nicht zugelassen hat.

Renren ist in vielen Punkten eine chinesiche Version von Facebook. Wie das US-amerikanische Vorbild startete Renren im Umfeld von Studenten. In der Anfangsphase hieß es allerdings noch Xiaonei Network, was soviel heißt wie “On Campus Network”. Das Netzwerk startete Ende 2005, die Namensänderung zu Renren erfolgte 2009. Renren bedeutet soviel wie “Jedermann” und sollte den Wechsel vom Uni-Netzwerk zum Mainstream deutlich machen.

Genau wie Facebook öffnete auch Renren seine Plattform für Entwickler und Drittanbieter, die das Netzwerk mit zusätzlichen Funktionen und Programmen bestücken können. Typisch für CHina werden auch die Inhalte bei Renren stark zensiert. Nutzer-Kommentare, die die üblichen, verdächtigen Begriffe (bspw. Tiananmen, Falun-Gong) enthalten, werden gar nicht erst angezeigt. Zusätzlich zur automatischen Zensur, werden EInträge von Mitgliedern auch manuell überwacht und gegebenenfalls zensiert.

Im Mai 2011 gab Renren sein Debüt an der New Yorker Börse. Der Börsenwert liegt bei 5,8 Mrd. Dollar, die Umsätze im 1. Quartal 2011 bei 20,6 Mio. und der Verlust bei 2,6 Mio. Dollar. im Vergleich mit Facebook ist Renren damit freilich noch ein recht kleiner Fisch. Das weltgrößte Social Network wird derzeit mit rund 65 Mrd. Dollar bewertet.

Dangdang

Wo es das chinesiche Facebook, YouTube und Google gibt, darf ein chinesiches Pendant zu Amazon nicht fehlen. Bereits seit 1999 existiert die chinesiche E-Commerce-Site Dangdang.com mit Sitz in Peking. Amazon selbst ist freilich auch in CHina mit einer eigenen Seite (Amazon.cn) am Markt.

Dangdag kommt nach eigenen Angaben auf rund 4,4 Mio. aktive Kunden pro Monat. E-Commerceist auch China ein gewaltiges Wachstumsfeld. Die nternehmensberatugn Boston Consulting Group hat ausgerechnet, dass sich der chinesische Markt für E-Commerce zwischen 2010 und 2015 vervierfachen soll, von 71 auf 305 Mrd. Dollar. Das wäre dann der größte E-Commerce-Markt der Welt. An der New Yorker Börse ist Dangdang derzeit mit 1,8 Mrd. Dollar bewertet, der Umsatz im 1. Quartal lag bei 107,7 Mio. und der Gewinn immerhin bei 2,2 Mio. Dollar.

Sina

Während die westliche Welt twittert, nutzen Chinesen lieber Sina.com. Der Microblogging-Dienst hat um die 100 Mio. registrirte Nutzer weltweit mit einem straken Schwerpunkt auf China. Die Marktkapitalisierung an der New Yorker Börser liegt bei 7,7 Mrd. Dollar, der Umsatz im 1. Quartal lag bei 110 Mio, der Verlust bei stattlichen 100 Mio. Dollar. Ähnlich wie bei Twitter ist man auch bei Sina offenbar noch auf der Scueh nach dem zündenden Geschäftsmodell. Neben dem Microblogging-Dienst betreibt Sina auch ein Internet-Portal ähnlich dem von Yahoo. Die Suche dort wird allerdings von Google bereitgestellt.

CTrip

Bei CTrip.com hat man das Geschäftsmodell dagegen schon gefunden. Das Verkaufen von Reisen und Hotelzimmern via Internet ist aber auch klassischer E-Commerce. CTrip ist eine der populärsten Reise-Websites in China. Sie wurde 1999 gegründet und wird bereits seit 2003 an der NASDAQ-Börse gehandelt. CTrip ist vor allem in chineischen Metropolen populär. Der Großteil der Buchungen bei CTrip stammt aus den Mega-Städten Peking, Shanghai, Guanzhou und Shenzhen.

Die Marktkapitalisierung von CTrip liegt bei 6,6 Mrd. Dollar. Im 1. Quartal wurden knapp 120 Mio. Dollar an Umsatz und knapp 46 Mio. Dollar Gewinn erwirtschaftet.

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