Staatsanwälte: Kachelmann ist schuldig

Nach einer Unterbrechung wurden die Plädoyers der Staatsanwaltschaft im Kachelmann-Prozess fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft hält den Ex-ARD-Wettermoderator nach wie vor für schuldig, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben. Zuvor wurde die Verhandlung unterbrochen, weil ein Staatsanwalt aus einem nicht öffentlichen Teil der Verhandlung zitiert hatte. Kachelmanns Verteidiger Schwenn forderte darauf den Ausschluss der Öffentlichkeit.

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Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge machte wahr, was er schon vor dem Prozesstag angekündigt hatte, nämlich dass er auch nicht-öffentliche Verhandlungsteile in sein Plädoyer einbeziehen wolle. Nach rund 15 Minuten kam Oltrogge zu der Stelle, an der aus einer SMS von Kachelmann an seine Ex-Freundin zitierte, diese solle das gemeinsame Abendessen ausfallen lassen, um mehr Zeit für “unsere Hauptaufgabe” zu haben. Laut Staatsanwalt Oltrogge sei mit der “Hauptaufgabe” Sex gemeint gewesen.

An dieser Stelle ging Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn zum Richtertisch, unterbrach das Plädoyer des Staatsanwalts und fordert den Ausschluss der Öffentlichkeit. Seiner Meinung nach, soll mit den Ausführungen der Staatsanwaltschaft seinem Mandanten geschadet werden. Prozessbeobachter konnten sich ein bischen in eine verkehrte Welt versetzt fühlen. Bisher war es stets die Staatsanwaltschaft und der Vertreter der Nebenklage gewesen, auf deren Anträge die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurden. Verteidiger Schwenn hatte sich bis dato stets mit Feuereifer dafür eingesetzt, die Öffentlichkeit, zum Beispiel bei Befragungen von Sachverständigen, zuzulassen.
Die Staatsanwälte Oltrogge und Werner Mägerle stützten sich in ihren Plädoyers auf die Aussagen der Nebenklägerin, des mutmaßlichen Opfers. Dass die Frau in einigen Punkten gelogen habe, bedeute nicht, dass sie ansonsten die Unwahrheit gesagt habe, so die Staatsanwaltschaft. Schon recht früh war die Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin erschüttert worden, als herauskam, dass sie schon früher Kontakt zu weiteren Geliebten Kachelmanns via Facebook aufgenommen hatte und sich ein angeblich anonymes Schreiben, das auch Kachelmanns sonstige Affären hinwies,  in Wahrheit selbst geschickt hatte.
Eine schier endlose Phalanx an Gutachten hatte im weiteren Verlauf der Verhandlung zu Tage gebracht, dass es keine belastbaren Beweise für die Tat gibt und die Vorwürfe somit fast ausschließlich auf der Aussage der Nebenklägerin beruhen.
Überraschend ist die Nebenklägerin am ersten Plädoyer-Tag auch im Gerichtssaal erschienen. Nachmittags wird auch ihr Anwalt sein Plädoyer halten. Die Verteidigung Kachelmanns plädiert dann am 24. Mai. Das Urteil wird am 31. Mai erwartet.

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