„Quoten sind nicht das Entscheidende“

Das öffentlich-rechtliche Social Media-Projekt "Wer rettet Dina Foxx?" ist beendet. Die Bilanz der interaktiven Mörderjagd: über 1.000 registrierte User, 200.000 Videosichtungen und zwei Mio. Seitenabrufe wurden für den Krimi, der im TV ausgestrahlt wurde und zur Mördersuche im Netz weiterging, gezählt. "Wir sind überrascht von der hohen Beteiligung", sagen Milena Bonse, Redaktion Neue Medien, und Burkhard Althoff, Redaktion Das kleine Fernsehspiel. Im MEEDIA-Interview schildern sie ihre Erfahrungen.

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Das Web-Projekt "Wer rettet Dina Foxx?" ist zu Ende. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?
Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Webprojektes "Dina Foxx". Wir sind überrascht von der hohen Userbeteiligung die innerhalb des Forums auf der Seite freidaten.org stattgefunden hat und haben uns sehr über den regen Austausch der User, auch untereinander, gefreut.
Wie waren Ihre Erfahrungen?
Der Erfahrungsschatz, den wir mit diesem Projekt gesammelt haben, ist enorm, weil dies das erste crossmediale Projekt dieser Art im ZDF war. Wir können die Erfahrungen bei "Dina Foxx" bei anderen Formatentwicklungen einbringen, dabei hoffen wir auch auf Impulse Richtung Primetime. Das kleine Fernsehspiel und die Zentralredaktion Neue Medien haben hier bereits 2007 mit der Weltraumserie "Ijon Tichy Raumpilot" und 2009 mit der Online-Ausschreibung "Bodybits – Analoge Körper in digitalen Zeiten" Neuland betreten. Die Bodybits-Filme sind übrigens im Mai immer montags im Kleinen Fernsehspiel zu sehen. Das Neue an "Wer rettet Dina Foxx?" war aber, dass ein Krimiplot im Fernsehen abbricht und narrativ im Netz auf der Basis eines interaktiven Spiels fortgeführt wird. Damit greifen wir die Krimi-Tradition des ZDF auf und gehen erzählerisch einen ganzen Schritt weiter.
Welche Fakten oder Überlegungen stecken hinter dem Projekt?
Der Mitinitiator des Projekts und Regisseur des TV-Films, Max Zeitler, hat sich von Beginn an tief in die Datenschutzmaterie eingearbeitet und dies in die Drehbucharbeit und das Onlinekonzeption mit eingebracht. Dies gilt auch für die Macher beim UFA Lab. Diese Thematik in Kombination mit einem fiktionalen Crime-Stoff hat uns als Redaktion von Anfang an sehr gut gefallen, weil es die Möglichkeit bietet, auf spielerische Art und Weise an das Thema Datenschutz heran zu führen.
Spielt der Zeitpunkt eine Rolle, also: warum gerade jetzt?
Das Thema Datenschutz ist seit Jahren ein Dauerbrenner und wird uns auch in Zukunft immer wieder beschäftigen. Dass der Spielzeitraum parallel zu Datenlecks bei Sony, der Unesco und dem Bekanntwerden der Geodatenspeicherung bei iPhones war, konnten wir natürlich nicht wissen. Aber es zeigt noch einmal, wie aktuell das Thema ist.
Welche Bedeutung hat das Ergebnis in Hinblick auf zukünftige Projekte dieser Art?
Beim Kleinen Fernsehspiel und in der Zentralredaktion Neue Medien experimentieren wir seit Jahren mit neuen Formaten und Formatideen. In dieser Kombination ist in Zusammenarbeit mit UFA Lab und teamWorx auch Dina Foxx entstanden. Für solche Formate sind Quotenerwartungen nicht das Entscheidende, sondern die Erfahrungen, die wir damit sammeln können. Diese fließen dann natürlich bei zukünftigen Projekten ein.
Sind weitere Formate geplant, die Fernsehen und Internet verbinden? Vielleicht auch mal eine Serie?
Wir werten zurzeit ja noch die Erfahrungen und Ergebnisse von „Wer rettet Dina Foxx?“ genau aus. Wie es konkret weitergeht, haben wir noch nicht entschieden. Dass in Zukunft die Verbindung der beiden Medien aber immer bedeutender werden wird, steht außer Frage.
Können Sie sich auch vorstellen, andere Genre crossmedial aufzubereiten? Welche Möglichkeiten bietet ein Krimi gegenüber anderen Genres?
Krimis enthalten Elemente, wie den Suspense, Cliffhanger, die Frage nach dem Mörder, die sich für interaktive Formate besonders eignen, wie die digitale Schnitzeljagd bei „Wer rettet Dina Foxx?“ gezeigt hat. Aber es ist natürlich durchaus denkbar, dass für dokumentarische Genres oder auch Showsendungen crossmedial interessante Formen gefunden werden können.
Falls Sie an weitere crossmediale Projekte denken, sind auch Interaktionsmöglichkeiten geplant, die die TV-Sendung beeinflussen?
Wie gesagt, wir werten noch die Erfahrungen aus. Aber eine solche Interaktionsmöglichkeit ist sicher nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
Auf der zum TV-Krimi zugehörigen Site verwenden Sie vor allem Video-Content. Welche Bedeutung messen Sie dem bei, und wie wird sich Video-Content Ihrer Einschätzung nach weiter entwickeln?
Dem würden wir eine hohe Bedeutung beimessen, weil auch im Internet natürlich Visualisierung in unseren Augen die Zuschauer mehr ansprechen als rein textbasierte Bausteine. Im Fall von „Dina Foxx“ hat sich das auch angeboten, weil man die Personen, die man aus dem TV-Film schon kannte, im Netz wieder getroffen und mit ihnen gemeinsam die Geschichte weiter erlebt hat. Der Video-Content folgt in diesem Fall einer gewissen „Online-Logik“, d.h. er ist nicht aufgelöst und aufgenommen wie in einem TV-Film. Wir haben mit der Visualität von Handyvideos, Webcams und Überwachungskameras gearbeitet.
Worin sehen Sie die Stärken des Internet?
Bei „Wer rettet Dina Foxx?“ war das Ziel, die Struktur des Internets für die Erzählung nutzbar zu machen. Sprich, während man in einem TV-Film einer Geschichte meist linear in einem sehr begrenzten Zeitraum von Anfang bis Ende folgt, haben wir für die Schnitzeljagd im Netz den eben angesprochenen Videocontent, Webseiten und Social Media Profile hergestellt, auf denen der Geschichte folgen kann. Das ist eine andere Erzähllogik als beim Fernsehfilm. Sich diese Mittel erzählerisch zu Eigen zu machen ist genau das Spannende und darin besteht die große Chance.

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