NR-Streit: Maschmeyer-Erklärung im Wortlaut

Carsten Maschmeyer hat seinen Auftritt bei der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche abgesagt. Er begründet seine Entscheidung mit der öffentlich geführten Debatte über das geplante Streitgespräch zwischen ihm und Spiegel-Redakteur Markus Grill. "Ich will nicht verhehlen, dass ich in dieser Angelegenheit viel gelernt habe über Wirkmechanismen in Teilen des deutschen Journalismus, die ich mir vorher so nie vorstellen konnte", schreibt der AWD-Gründer an Grill. MEEDIA dokumentiert den Brief in voller Länge.

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Sehr geehrter Herr Grill,

mit Befremden verfolge ich die öffentlich geführte Debatte über unser geplantes Streitgespräch auf dem Kongress von "Netzwerk – Recherche". Sie selber wissen um das Zustandekommen dieses Termins und so hat es Herr Haberbusch in seinem Interview auch korrekt dargestellt.
Nicht ein Gespräch über die Inhalte der Panorama Sendung war ja die Idee sondern die kontroverse Diskussion darüber, wie man als Betroffener und wie ein Journalist, der sich in eine juristische Auseinandersetzung einbezogen sieht, damit umgehen, das man sich einerseits unkorrekt dargestellt fühlt und juristisch wehrt bzw. anderseits in seiner Recherche behindert oder unzureichend unterstützt sieht.

Inzwischen geht die Diskussion jedoch dahin, dass mir unterstellt wird, ich habe die Veranstalter "instrumentalisiert" oder es könne sich um "einen PR-Gag" handeln. Entsprechend wird dazu aufgefordert, mich "zu grillen" weil man ja schließlich "hautnah mitbekommt, wie die Redaktion von ‚Panorama‘ bedrängt wird".

Unser angedachtes Streitgespräch ist inzwischen zu einer willkommenen Gelegenheit mutiert, bei der "doch jeder sagen kann, wie er sich von ihm (Maschmeyer) ungerecht behandelt und verfolgt fühlt."
Das war nie die Intention, genauso wenig wie eine Beschädigung ihrer Integrität oder die Provokation von Austrittsdrohungen.

Nach reiflicher Überlegung habe ich deswegen entschieden, meinen Beitrag zur Glättung der Wogen zu leisten, und meine Teilnahme abzusagen, solange ich ja auch noch nicht im offiziellen Programm stehe.

Vielleicht wird meine Entscheidung verständlicher, wenn deutlich wird, dass ich heute nicht mehr operativ tätig bin und für keine Institution spreche. Ich habe seit Jahren kein "Finanzimperium" mehr und möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich in irgendeiner Weise Einfluss auf das Beschwerdemanagement oder Kulanzzahlungen des AWD habe, wie es sich fälschlicherweise immer noch in einigen Köpfen festgesetzt hat.

Ich bedanke mich bei Ihnen für die korrekte Verhaltensweise
Mit freundlichen Grüßen

Carsten Maschmeyer

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