Kachelmann: Staatsanwalt will vier Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess gegen den Ex-ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann vier Jahre und drei Monate Haft gefordert. Die Ankläger halten ihn der besonders schweren Vergewaltigung mit gefährlicher Körperverletzung für schuldig. Sie stützen sich dabei in erster Linie auf die Aussage des mutmaßlichen Opfers, das in der Hauptsache für glaubwürdig halten. Während der Plädoyers wurde auch aus dem Vernehmungsprotokoll der Nebenklägerin zitiert.

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So gab das mutmaßliche Opfer an, Kachelmann habe ihr gesagt, dass er Frauen hasse und "dass er krank und verrückt, wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde" sei. Dies sei geschehen als sie ihn mit anderen Affären konfrontiert habe. Kachelmann habe dann aus der Küche ein Messer geholt, es ihr an den Hals gedrückt und gesagt: "Halt die Klappe oder du bist tot." Anschließend habe er sie vergewaltigt.
Das Plädoyer von Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge wurde aber bereits kurz nach Beginn von Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn unterbrochen. Oltrogge hatte aus einem SMS-Dialog zwischen Kachelmann und dem mutmaßlichen Opfer zitiert, der in einem nicht-öffentlichen Teil der Verhandlung zur Sprache gekommen war. Schwenn mutmaßte, die Staatsanwaltschaft wolle seinen Mandanten schlecht machen und forderte den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Nach Vermittlung des Gerichts erklärte sich die Staatsanwaltschaft bereit, nicht mehr wörtlich aus dem nicht-öffentlichen Verhandlungsteil zu zitieren und die Plädoyers wurden fortgesetzt. Oltrogge und der Staatsanwalt Werner Mägerle halten die Beschuldigungen des mutmaßlichen Opfers nach wie vor für glaubwürdig und Kachelmann für schuldig.

Die Glaubwürdigkeit des Opfers war von der Verteidigung in Frage gestellt worden, da sie in ihrer Aussage zunächst angegeben hatte, durch einen anonymen Brief mit beigelegten Flugtickets von einer weiteren Affäre Kachelmanns erfahren zu haben. Als sie Kachelmann damit konfrontierte sei dieser ausgerastet und habe sie vergewaltigt. Später stellte sich heraus, dass das mutmaßliche Opfer schon vorher Kontakt zu einer anderen Geliebten Kachelmanns via Facebook aufgenommen und sich den angeblich anonymen Brief selbst geschrieben hatte.

Oltrogge erklärte in seinem Plädoyer, man dürfe den Stab nicht über ihr brechen, weil sie zur Vorgeschichte der Tat gelogen habe. Man könne ihr nicht absprechen, dass ihre Aussagen zum Tathergang “nichts wert” seien. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft passen auch die Indizien zur Tatschilderung des mutmaßlichen Opfers. Die Verletzungen, die bei dem mutmaßlichen Opfer festgestellt wurden, seien so stark, dass ausgeschlossen werden könne, dass sie sich diese selbst beigebracht habe.

Kachelmann habe außerdem versucht, Spuren auf seinem Handy zu beseitigen. So seien alle vom mutmaßlichen Opfer eingegangenen SMS auf Kachelmanns Handy gelöscht gewesen. Am 24. Mai folgt das Plädoyer der Verteidigung, das Urteil wird am 31. Mai erwartet.

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