Haider wird Chef beim Hamburger Abendblatt

Überraschender Führungswechsel beim Hamburger Abendblatt: Wie MEEDIA erfuhr, wechselt Lars Haider, 41, bisher Chefredakteur des Weser-Kurier, in gleicher Position zum Springer-Blatt und folgt dort auf Claus Strunz. Der 44-Jährige übernimmt im Medienhaus neue Aufgaben und soll bei Springer eine gerade geschaffene TV- und Video-Produktionseinheit als Geschäftsführer leiten und damit eine konzernübergreifende Bewegtbild-Offensive vorantreiben. Der Wechsel ist für den 1. Juli vorgesehen.

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Claus Strunz hat neben seiner Funktion als Abendblatt-Chefredakteur bereits reichlich Moderationserfahrung vorzuweisen, derzeit ist er mit seiner Polit-Talkshow "Eins gegen Eins" bei Sat.1 montagsabends "on Air". Er war zudem Moderator der n-tv-Sendung "Der grüne Salon" und "Was erlauben Strunz" bei N24. Seit Oktober 2008 führte er das Abendblatt. Zuvor war er acht Jahre lang Chefredakteur der Bild am Sonntag.

Kernaufgaben seiner neuen Funktion sollen nun die Entwicklung und Umsetzung von TV- und Videoproduktionen für alle digitalen Plattformen der Medienmarken von Axel Springer sein. Bei seiner neuen Aufgabe berichtet Strunz, wie es heißt, direkt an Vorstandschef Mathias Döpfner. Der neue Bereich hat nach Insider-Angaben bei Axel Springer hohe Relevanz – neben Premiuminhalten (Paid Content) seien TV- und Videoproduktionen künftig ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Digitalisierungsstrategie. Arbeitsorte von Strunz sollen Berlin und Hamburg sein.

Lars Haider ist derzeit Chefredakteur des mehrfach ausgezeichneten Weser-Kurier  (u.a. Henri-Nannen-Preis, Wächter-Preis, Deutscher Lokaljournalistenpreis) und gilt als eines der größten Blattmacher-Talente bei Regionalzeitungen. Der 41-Jährige ist ein Springer-Gewächs, absolvierte dort die Journalistenschule, war Wirtschaftsredakteur beim Abendblatt, stellvertretender Lokalchef und von 2004 bis 2006 Redaktionsleiter der Elmshorner Nachrichten, wo er bereits den Deutschen Lokaljournalisten-Preis einheimste. Danach war er bis zu seinem Wechsel nach Bremen Mitglied der Chefredaktion der Berliner Morgenpost.

Ein Blick auf die Auflagenentwicklung von Abendblatt zeigt, dass der Käufermarkt für das renditestarke Regional-Flaggschiff von Springer unter Druck steht: Die Zeitung gehört derzeit zu den größten Auflagen-Verlierern unter Deutschlands Regionalzeitungen. Mit einem Minus von 6,3% innerhalb von nur einem Jahr sackte der Gesamtverkauf auf 220.162 tägliche Exemplare (montags bis samstags). In den vergangenen fünf Jahren verlor das Abendblatt fast 30.000 Abonnenten und mehr als 15.000 Kiosk-Käufer. In diesen beiden wichtigsten Auflagenkategorien gingen damit von 2006 bis 2011 deutliche 17,7% verloren – und damit deutlich mehr als im Branchen-Durchschnitt aller deutschen Tageszeitungen (-12,5%). Auch ein aufwändiger Relaunch konnte den Abwärtstrend nicht stoppen.

Beim Weser-Kurier liefen die fünf vergangenen Jahre nicht ganz so schlecht. Hier lag das Minus in den Kategorien Abo und Einzelverkauf bei 10,4%, insgesamt verkaufte das Blatt im ersten Quartal pro Tag 165.267 Exemplare (montags bis samstags). Zwischen den ersten Quartalen 2010 und 2011 gehörten die Bremer mit einem Minus von 1,5% sogar zu den Regionalzeitungen mit dem geringsten Verlust.

Nachtrag, 11.05 Uhr: Der Verlag hat den Wechsel offiziell bestätigt. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zu den Personalien: "Bewegtbildangebote sind wesentlicher Bestandteil für die erfolgreiche Digitalisierung unserer Marken. Durch eine konzernübergreifende Koordination wollen wir unsere bisherigen Erfahrungen und Erfolge noch effektiver vorantreiben. Claus Strunz bringt ideale Voraussetzungen für diese neue Aufgabe mit. (…) Ich freue mich sehr, dass wir Claus Strunz gewinnen konnten, seine journalistische Kompetenz bei Print, Online
und TV in der neuen Aufgabe zum Einsatz zu bringen. Wir sind froh, dass Lars Haider nach knapp drei Jahren in Bremen nach Hamburg zurückkehren wollte und nun für die Nachfolge von Claus Strunz zur Verfügung steht."

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