Bewerbungstricks: Wann Mogeln erlaubt ist

Die Plagiatsaffäre zu Guttenberg und Koch-Mehrin haben gezeigt: Schummeln für den Job bringt nichts. Dennoch sind nach Expertenmeinung nahezu alle Lebensläufe geschönt. Grund für den Hang zur Mogelei: die hohen Anforderungen in vielen Stellenausschreibungen. Die Hamburger Rechtsanwältin Verena S. Rottmann erklärt im Interview, wo man in seinen Bewerbungsunterlagen legal tricksen kann, wie man Lücken im Lebenslauf füllt und was passieren kann, wenn die Sache auffliegt.

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Frau Rottmann, ich will den ausgeschriebenen Chefredakteursposten unbedingt haben. Meine Qualifikationen entsprechen aber nicht ganz den Anforderungen. Wie plustere ich meinen Lebenslauf glaubwürdig auf?
Wenn Sie die Qualifikationen für den Chefredakteurposten nicht aufweisen können, sollten Sie diesen Job schnellstens vergessen. Selbst wenn Sie die Stelle bekämen, würde sehr schnell herauskommen, dass Sie völlig ungeeignet sind, und man würde Sie feuern. Wenn Sie außerdem in Ihrer Bewerbung hochgestapelt haben sollten, könnten Sie zusätzlich mit Schadensersatzansprüchen überzogen werden. Also: "Schuster bleib´ bei Deinen Leisten!"
Sie haben ein Buch über legale Bewerbungstricks geschrieben. Wann darf ich in meinen Unterlagen lügen?
Sie dürfen nicht über Ihre tatsächlichen Qualifikationen täuschen oder gar Zeugnisse fälschen. Dies wäre schlichtweg ein Betrug! Ein sogenanntes "Recht auf Lüge" haben Sie überall da, wo der potentielle Arbeitgeber Dinge von Ihnen wissen möchte, die mit dem Job selbst nicht wirklich etwas zu tun haben.
Haben Sie dafür Beispiele?
Das gilt bei Fragen über Ihre Familienplanung, nach einer bestehenden Schwangerschaft oder ganz allgemein nach etwaigen Krankheiten.
Gilt das für jeden Job?
Ja. Dies sind Grundsätze des Arbeitsrechts, die in allen Branchen gelten.
Wie kann ich von Lücken in meinem Lebenslauf ablenken?
Am besten setzen Sie inhaltliche Schwerpunkte bei Ihrer Tätigkeit, dann fallen Lücken nicht so sehr auf. Übrigens sind Lücken bis zu drei Monaten absolut normal. Da muss man nichts "kaschieren".
Und wenn die Lücke dann doch größer ist als drei Monate?
Dann sollten Sie überlegen, ob Sie eine selbstständige Tätigkeit aufweisen können. Ein Beispiel: Wenn Sie in Ihrer Freizeit Homepages für Ihre Freunde erstellen, können Sie dies auch als Qualifikation angeben und so Ihre Lücke schließen. Oder Sie geben an, dass Sie als selbstständige Lektorin gearbeitet haben, wenn Sie entsprechend qualifiziert sind. Allerdings gilt auch hier: Alle Qualifikationen, die Sie angeben, müssen Sie auch beherrschen und belegen können, beispielsweise durch gute Freunde. Aber Vorsicht: Die Grenze zwischen hochstapeln und beschönigen ist schnell überschritten!
Viele Journalisten-Anwärter können mit fünf bis sechs Praktika aufwarten, bevor sie sich für den ersten festen Job bewerben. Sind Praktika sinnvoll als Lückenfüller? 
Praktika sind auf jeden Fall besser als Leerlauf beziehungsweise Arbeitslosigkeit.
Wenn es dann ins Vorstellungsgespräch geht: Wie verhalte ich mich, wenn ich schon in den Bewerbungsunterlagen gemogelt habe?
Dann müssen Sie gut schauspielern können. Allerdings ist das Risiko groß, dass Sie sich in Widersprüche verwickeln. Natürlich kommt es auch darauf an, ob Sie nur etwas "geschönt" oder tatsächlich falsche Tatsachen vorgespiegelt haben.
Wie werden meine Unterlagen bei Unternehmen geprüft?
Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, beispielsweise kann bei vorherigen Arbeitsgebern nachgefragt werden. Sie müssen aber immer davon ausgehen, dass nachgeprüft wird. Daher müssen Ihre Angaben in sich schlüssig sein.
Wenn die Mogelei auffliegt, was kommt auf mich zu? Wie kann ich mich dann noch aus der Affäre ziehen?
Wenn die Mogelei erst nach längerer Zeit auffliegt und Ihr Chef bis dahin mit Ihrer Arbeit zufrieden war, könnten Sie mit einem "blauen Auge" davonkommen. Dies gilt aber nur für kleine "Notlügen". Haben Sie dagegen über Ihre Qualifikationen getäuscht, müssen Sie mit einer fristlosen Kündigung und gegebenenfalls mit Schadensersatzansprüchen rechnen.

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