LinkedIn: Der Wahnsinn ist zurück

Mehr, mehr, mehr: Als hätte es 1999 nicht gegeben, hat das Online-Netzwerk LinkedIn beim Bookbuilding-Verfahren des kommenden Börsengangs noch mal ganz kräftig zugelangt. 32 bis 35 Dollar? Viel zu wenig! Nun müssen Anleger, die zu LinkedIn-Aktionären werden wollen, 42 bis 45 auf den Tisch legen – summa summarum also 30 Prozent mehr. Damit wäre das Online-Netzwerk nun schon vier Milliarden Dollar wert – das Elffache vom Hamburger Konkurrenten Xing.

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Mehr, mehr, mehr: Als hätte es 1999 nicht gegeben, hat das Online-Netzwerk LinkedIn beim Bookbuilding-Verfahren des kommenden Börsengangs noch mal ganz kräftig zugelangt. 32  bis 35 Dollar? Viel zu wenig! Nun müssen Anleger, die zu LinkedIn-Aktionären werden wollen, 42 bis 45 auf den Tisch legen – summa summarum also 30 Prozent mehr. Damit wäre das Online-Netzwerk nun schon vier Milliarden Dollar wert –  das Elffache vom Hamburger Konkurrenten Xing. 



Der Countdown tickt: Einen Tag noch müssen Anleger warten, dann steht der bis heute meist erwartete Börsengang des Internet-Sektors im Jahr 2011 bevor. Unter dem Tickersymbol LNKD will LinkedIn am Donnerstag an der Wall Street debütieren. 



Und das zu immer stattlicheren Kursen: Nicht mehr, wie noch für einer Woche im Emissionsprospekt vorgesehen, für 32 bis 35 Dollar sollen die Aktien an Zeichner ausgegeben werden, sondern nun für 42 bis 45 Dollar. Binnen einer Woche hat sich der potenzielle Firmenwert also mal eben um 30 Prozent auf im Idealfall 4,11 Milliarden Dollar erhöht – der immensen Nachfrage sei dank. In die Kassen von LinkedIn selbst könnten bis 406 Millionen Dollar fließen.  


LinkedIn verdient dreimal weniger als Xing



Damit könnte das neun Jahre alte US-Unternehmen den deutschen Herausforderer Xing im Vorbeigehen mit Barmitteln übernehmen – Xing ist Aktionären aktuell 259 Millionen Euro oder 373 Millionen Dollar wert.  



Der Vergleich zwischen dem amerikanischen Platzhirsch und dem deutschen Herausforderer hinkt damit weiter: LinkedIn setzte 2011 243 Millionen Dollar um, Xing im gleichen Zeitraum aber auch bereits 54 Million Euro, die beim aktuellen Euro-Dollar-Wechselkursverhältnis knapp  77 Millionen Dollar entsprechen. In anderen Worten: Anleger sollen für den rund dreifachen Umsatz den fast elffachen Preis bezahlen? LinkedIns Erlöse wären also fast viermal teuerer bezahlt als die von Xing. 




Angesichts der Gewinnentwicklung erscheint das Missverhältnis noch eklatanter: 2010 erzielte Xing ein Ebitda von 16 Millionen Euro, von denen unterm Strich immer noch mehr als 7 Millionen Euro netto hängen blieben. LinkedIn hingegeben verdiente mit 3,3 Millionen Dollar davon gerade mal ein Drittel. Und im laufenden Geschäftsjahr hat der amerikanische Platzhirsch hat nicht einmal Gewinne vorgesehen. 



Testballon oder Problemfall für Social Media-Unternehmen?



Selbst amerikanischen Analysten schütteln angesichts der Mondbewertung von LinkedIn den Kopf: "Ich würde die Aktie nicht anfassen und nicht halten wollen – nicht bei 45 und nicht bei 43 Dollar", erklärt etwa der Hedgefonds-Manager Eric Jackson von Iron Capital gegenüber Reuters.  Als Einstiegkurse nennt Jackson Kurse um 25 Dollar.



Mit seiner immensen Bewertung könnte LinkedIn so nicht nur zum Testballon für die kommenden Börsengänge aufstrebender Internetstars wie Facebook, Groupon oder Zynga werden: "Wenn die LinkedIn-Aktie nicht gut läuft, könnte das zum Problem für andere Social Media-Unternehmen werden", merkt Claude Pierre von DLA Piper an. In anderen Worten: Alle Augen morgen um 15:30 Uhr auf den Börsenstart von LinkedIn.

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