ESC 2011: Taken by Aserbaidschan

Das Pop-Duo Ell & Nikki aus Aserbaidschan hat mit der eingängigen Kuschel-Nummer "Running Scared" den Eurovision Song Contest 2011 souverän gewonnen. Lena landete mit ihrem elektropoppigen "Taken by a Stranger" auf einem ehrenwerten zehnten Platz im Mittelfeld. Der eigentliche Gewinner des Abends war aber die Show selbst. Das deutsche Fernsehen präsentierte sich als sympathischer und technisch versierter Gastgeber für das irre TV-Ereignis.

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Beim Eurovision Song Contest aus Düsseldorf schienen die Deutschen so locker und heiter wie seit der Fußball WM 2006 nicht mehr. Alles war mehr oder weniger, nun ja, perfekt. Viel wurde schon gesagt und geschrieben über die beeindruckende Riesenbühne mit dem gewaltigen LED-Bildschirm – und es stimmt: Das war großes Kino. Wichtiger noch als die tadellose Technik war aber das gut harmonierende Moderatoren-Trio. Anke Engelke: attraktiv, witzig, sprachlich souverän. Judith Rakers: gutaussehend, charmant. Stefan Raab: ein bisschen grob, aber musikalisch und witzig. Deutschland wurde schon wesentlich schlechter vertreten.

Davor eine lockere Einstimmung mit der gewohnt lauten Ina Müller aus Hamburg, die Zeit bis zur späten Punktevergabe wurde stilvoll überbrückt mit zwei Liedern von Jan Delay. Wer noch nie von "German Angst" gehört hat, bucht nach dieser Sendung wahrscheinlich gleich seinen nächsten Urlaub in diesem super-duper Übermorgenland, das es so auf Hochglanz poliert leider oder zum Glück dann aber doch nur im Fernsehen gibt.

Von der grandiosen Eröffnung mit Rockabilly-Band, Big-Band Lena plus Doubles, einem singenden, trommelnden Raab und reichlich Pyrotechnik bis zur unvermeidlichen, endlosen Punktevergabe – der ESC aus Düsseldorf war TV-mäßig aus einem Guss. Dass man die meisten Nummern und die hübsch anzuschauenden "Video-Postkarten" aus Märklin-Deutschland schon aus den ausufernden Halbfinal-Show kannte – geschenkt. Die Organisatoren um den NDR und die Produktionsfirma Brainpool haben hier alles richtig gemacht. So gab es bei der Punktevergabe auch sehr viel Lob für die Inszenierung von den anderen Jurys.

Auch bei Twitter kam die Show gut an. Sogar Web-Guru Jeff Jarvis verfolgte die Sendung via Internet (natürlich) aus den USA und outete sich via Twitter als Lena-Fan ("I feel like a dirty old man."). Die Trending Topics bei Twitter wurden in teilnehmenden europäischen Ländern von ESC-Themen dominiert. In die weltweiten Twitter-Trends schaffte es das Wort "Zwerg". Warum? Entweder, weil die sehr lustigen Moldawier Zdob şi Zdub bei ihrem Auftritt so tolle Zwergenmützen auf den Köpfen hatten, oder weil ein paar Leute "Sverige" (Schweden) falsch geschrieben haben – die Meinungen bei Twitter gingen auseinander, aber es wurde retweetet wie verrückt. 

Im vergangenen Jahr war Lena Meyer-Landrut eine sympathische Gewinnerin. Diesmal haben sie und der deutsche ESC-Tross gezeigt, dass sie auch prima verlieren können. Mehr kann man eigentlich nicht wollen.
PS: Und beim nächsten mal dann der Eurovision Song Contest live aus Baku. Das wird den Organisatoren in den zentraleuropäischen Ländern bei vier Stunden Zeitverschiebung noch einiges Kopfzerbrechen bereiten… 

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