Licht und Schatten bei den Überregionalen

Nach den Regional- und den Boulevardblättern beleuchten wir im dritten Teil der MEEDIA-Serie zur Zeitungskrise die Auflagenentwicklungen der überregionalen Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen. Auch hier gibt es teilweise dramatische Entwicklungen - zu nennen sind insbesondere die Frankfurter Rundschau und das Handelsblatt - aber auch Trends, die zeigen, dass Papier als Medium keineswegs so tot ist, wie es mancher meint. Die Zeit und die F.A.S. legen Jahr für Jahr zu, die Süddeutsche verlor nur wenig.

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Die Zahlen, die wir in den beiden ersten Folgen unserer Serie präsentierten, waren für die Zeitungsverlage überaus ernüchternd. Vor allem bei den Boulevardtiteln rauschten die Verkaufszahlen in den vergangenen zehn Jahren mit wenigen Ausgaben extrem nach unten. Das Minus von 51,6% bei der Abendzeitung und von 47,8% bei der B.Z. sind nur die extremsten Beispiele. Doch auch bei den 50 größten regionalen Abozeitungen gab es seit 2001 keinen einzigen Auflagengewinner. Titel wie die Neue Westfälische, der Münchner Merkur, die Passauer Neue Presse und das Duo Straubinger Tagblatt und Landshuter Zeitung waren mit einem Rückgang von 7 bis 9% schon die "Gewinner".

Der Blick auf die überregionalen Tageszeitungen bietet nun ein sehr unterschiedliches Bild. So gibt es auch hier extreme Auflagenverluste, aber auch Blätter, die recht wenig verloren haben oder sogar über den Zahlen von 2001 liegen. Zu den großen Verlierern dieser zehn Jahre gehören eindeutig die Frankfurter Rundschau und das Handelsblatt. In den beiden wichtigsten IVW-Auflagenkategorien Abos und Einzelverkauf büßten sie 44,6% bzw. 40,2% ihrer Verkäufe aus dem ersten Quartal 2001 ein. Besorgnis erregende Zahlen, angesichts derer es kein Wunder ist, dass bei der FR eine Sparrunde nach der anderen eingeleitet wird. Die beiden Zeitungen verloren damit sogar noch mehr als das Neue Deutschland, dem man aus historischen Gründen wohl eher ein solches Minus zugetraut hätte.

Auf der anderen Seite findet sich die Financial Times Deutschland, die im ersten Quartal 2011 sogar 11,9% über dem Wert von vor zehn Jahren liegt – mit 50.521 harten Verkäufen aber nur an vorletzter Stelle des Rankings liegt. Zudem gewann der Titel vor allem in den Jahren bis 2006 hinzu, seitdem verliert auch die FTD recht deutlich. Sehr stabil sind die Zahlen der Süddeutschen Zeitung: Das Minus von 5,3% ist im Branchenvergleich ein klarer Sieg gegen die Krise. Vor allem bei den Abos hält die SZ ihre Leserschaft, ein Zehn-Jahres-Minus von nur 3,1% in dieser Kategorie ist ein klarer Mutmacher. Offenbar überzeugt der Journalismus der SZ seine Leser also, dem Blatt trotz Medienwandels treu zu bleiben. Ähnliches gilt auch für die taz, die sich mit einem Rückgang von 7,5% ebenfalls recht gut hält.

Zwischen den Extremen findet sich die F.A.Z., die mit einem Minus von 23,1% bei der harten Auflage inzwischen weit hinter die Süddeutsche zurück gefallen ist. Im Gegensatz zur SZ verlor die F.A.Z. in den zehn Jahren über 50.000 Abonnenten. Keinen direkten Vergleich können wir bei Springers Welt bieten. Der Grund: Im Laufe der vergangenen zehn Jahre wurde das Beiboot Welt Kompakt gegründet und seitdem weist der Verlag nur noch eine gemeinsame Verkaufszahl beider Zeitungen aus. Ohne Welt Kompakt läge Die Welt aber wohl klar im Minus, denn allein zwischen 2001 und 2004 gingen mehr als 40.000 Abonnenten verloren.

Auch bei den Wochen- und Sonntagszeitungen gibt es Verlierer, jedoch auch zwei Gewinner. Die Bild am Sonntag reiht sich mit ihrem deutlichen Minus von 38,3% klar in die Tages-Boulevardzeitungen ein, verlor in nur zehn Jahren mehr als 900.000 Käufer. Nur eingeschränkt lassen sich die Zahlen der Welt am Sonntag vergleichen, da auch hier inzwischen ein Beiboot, die Welt am Sonntag Kompakt, hinzu gekommen ist. Da sie wegen der Verbreitung in nur wenigen Städten aber bislang nur einige Tausend Exemplare der WamS-Auflage ausmacht, haben wir die Zahl dennoch mit der von 2001 vergleichen. Ergebnis: ein relativ moderates Minus von 13,6%.

Die Gewinner der vergangenen zehn Jahre heißen hier aber ganz klar Zeit und F.A.S. Die Zeit gewann zwischen 2001 und 2011 deutliche 13,6% bzw. 52.047 Käufer hinzu – ein großer Triumph für das Blatt, dem es ganz offensichtlich gelungen ist, sich zu modernisieren ohne die alten Käufer zu verschrecken. Ebenfalls zu den Gewinnern gehört die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Zwar können wir hier keinen Zehn-Jahres-Vergleich anbieten, da es sie als überregionales Blatt erst seit dem Herbst 2001 gibt, doch im Vergleich zu 2002 gewann sie 28,2% bzw. 60.116 Zeitungskäufer hinzu. Vielleicht ein Zeichen, dass die F.A.Z. ermutigen sollte, das Hauptblatt, das ein klare Minus zu verzeichnen hat, mit mehr Elementen aus der F.A.S. aufzufrischen.

Wie lassen sich die drei Teile unserer Zeitungskrisen-Bilanz nun also zusammenfassen? Während es ermutigende Zeichen von Blättern wie der Zeit, der Süddeutschen und der F.A.S. gibt, könnte es insbesondere bei den Boulevardzeitungen in den kommenden Jahren durchaus eng für den einen oder anderen Titel werden. Bei den Regionalzeitungen, die den Verlegern einst großen Reichtum beschert haben, sieht die Situation etwas komplizierter aus. In ländlichen Regionen kann sich der eine oder andere Verlag hier noch recht sicher sein, in den Metropolen geht es aber auch hier schon bei manchen Titeln an die Substanz.

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