Lena: Nur Heidi hat mehr Facebook-Fans

Der Countdown läuft: Drei Tage noch, dann muss Lena ihren Titel beim Eurovision Song Contest verteidigen. Ein Jahr nach dem Triumph von Oslo hält sich der Shootingstar wacker: Der Hype mag nachgelassen haben, doch die Sympathie der Nation ist der 19-Jährigen gewiss. Das liegt nicht zuletzt an der Projektionsfläche, die die gut gelaunte Hannoveranerin der vermeintlich spaßbefreiten Republik bietet: Wer wäre nicht gerne wie Lena? Die Besichtigung eines nationalen Phänomens.

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Der Countdown läuft: Drei Tage noch, dann muss Lena ihren Titel beim Eurovision Song Contest verteidigen. Ein Jahr nach dem Triumph von Oslo hält sich der Shootingstar wacker: Der Hype mag nachgelassen haben, doch die Sympathie der Nation ist der 19-Jährigen gewiss. Das liegt nicht zuletzt an der Projektionsfläche, die die gut gelaunte Hannoveranerin der vermeintlich spaßbefreiten Republik bietet: Wer wäre nicht gerne wie Lena? Die Besichtigung eines nationalen Phänomens. 



Das Timing war wieder einmal perfekt. Die erste Schleife des Eurovision-Halbfinals war gerade beendet, die ersten zehn Kandidaten für den großen Showdown am Samstag gekürt, da knackte die Fanpage der deutschen Kandidatin just vor Mitternacht eine Marke, die vor einem Jahr noch vollkommen undenkbar schien: 500.000 Facebookern gefällt Lena Meyer-Landrut. Nur Heidi Klum und DJ Paul Kalkbrenner können aus dem Showgeschäft als Einzelpersonen noch mehr Fans aufweisen – die DFB-Stars Lukas Podolski und Philip Lahm liegen etwa knapp vor Lena, Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack sogar weit dahinter. 



Das eine erscheint wie das andere bis heute ziemlich surreal – wie eine Cinderella-Story, die am 29. Mai 2010 mit dem Sieg beim Eurovision Songcontest begann. Erstmals seit dem Sommermärchen der Fußball-WMs und –EM feierte man im vergangenen Mai auf dem Hamburger Kiez – einen Grand Prix-Sieg wohl gemerkt, und zwar ausgelassen in schwarz-rot-goldenen Devotionalien. Angesichts einer Veranstaltung, die sich seit Jahren so beständig unter der Schmerzgrenze des guten Geschmacks bewegt, ist das eine eigentlich unfassbare Begebenheit im vermeintlich spaßbefreiten Deutschland. 



"Lena hat gewonnen, Deutschland hat gewonnen, Europa hat gewonnen"
Was danach folgte, war ein kollektiver Rausch an nationalen Befindlichkeiten, über die man Schmunzeln oder den Kopf schütteln konnte. Landesvater Christian Wulff bereitete Lena einen Staatsempfang, der in ARD und ZDF übertragen wurde. Mentor und Produzent Stefan Raab erklärte berauscht vom eigenen Erfolg am Tag danach: "Lena hat gewonnen, Deutschland hat gewonnen, Europa hat gewonnen." Das sind ziemlich starke Sätze für den Erfolg einer gerade 19-jährigen Abiturientin, die, so schien es für Wochen, ein ganzes Land verzaubert hatte. 



Und nicht nur uns: Aus ganz Europa (abgesehen von Österreich) schlugen Lena die Herzen und Punkte entgegen – sie kamen im vergangenen Jahr aus Norwegen oder Spanien, woher sie vorher selten kamen. Facebook-Freunde aus Stavanger und Barcelona erklärten nach dem Triumph unisono: "Love the Song. And btw: She’s so different!"



Phänomen Lena: Projektionsfläche eines Lebensgefühls


Das kann man so für sich stehen lassen, weil es viel über das Phänomen Lena erklärt. Lena ist, wie man Deutschland im Ausland bisher wohl eher selten wahrgenommen hat: überraschend anders, überraschend offen, überraschend lustig. Wahrscheinlich sogar überraschend durchgeknallt.  



Und gerade deswegen haben wir selbst am meisten an Lena einen Narren gefressen. 
Lena ist ein bisschen, wie wir alle gerne wären oder gerne gewesen wären, als wir jünger waren: unverkrampfter, mutiger, unbeschwerter – eine Projektionsfläche für das Lebensgefühl des Leichtigkeit, des Hier-und-Jetzt.
Es ist der Gegenentwurf zum durchgecastesten Irrsinn der Samstagabendmottoshows und gleichzeitig der lebende Beweis dafür, dass Poperfolg funktionieren kann, ohne ein Image zu kreieren zu müssen wie Tokio Hotel.



"Unser Lenchen": Größter gemeinsamer nationaler Nenner
So ist dann trotz des eher dürftigen Songmaterials des zweiten Albums, trotz des unseeligen Auswahl-Prozederes im Vorfeld und der zu erwartenden Sättigung von unzähligen TV-Auftritten und Auszeichnungen bemerkenswert viel von Lenas Faszination bis heute geblieben – und das im Jahr danach, das oft einem langen, einsamen Abstieg vom Gipfel gleicht.

Die Chancen für eine Wiederholung des Coups dürften eher gering ausfallen, auch wenn sich Lena auf den vorderen Plätzen gesehen wird. "Unser Lenchen ist in den Google-Trends auch wieder nach oben geschossen", freute sich gestern eine Facebook-Freundin doppelten Alters wie Lena. "Unser Lenchen": Es gibt nicht viele Popstars, die es in einem Jahr auf den größten gemeinsamen nationalen Nenner gebracht haben.   

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