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Im Elfenbeinturm: das ESC-Phantom Lena

Sie ist allgegenwärtig und doch nirgends zu sehen: Lena Meyer-Landrut ist das Aushängeschild Düsseldorfs - das könnte man zumindest annehmen, wenn man in der Stadt unterwegs ist. Hier ein Plakat, da ein Werbebanner. Ein Restaurant bietet das "Lena Steak" an und in der Altstadt gibt es das "Lena-Gedeck", bestehend aus Altbier und Lakritz-Schnaps. Die 19-Jährige lässt sich aber anders als ihre Konkurrenten weder hier noch auf dem Gelände der Esprit-Arena sehen, zumindest nicht für inoffizielle Termine.

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Erst gestern war es, als die Isländer im Pressezentrum, das in der Leichtathletikhalle neben der Esprit-Arena aufgebaut ist, ein Spontan-Konzert gaben. Rund dreißig Minuten trällerten "Sjonni’s Friends" – ausgestattet mit einer Akustikgitarre – neben ihrem Lied "Coming Home" noch andere ESC-Songs. Am Nachmittag mischten dann die Belgier die Journalisten mit ihrem A-Capella-Stück auf. Das lag nicht zuletzt daran, weil sie prominente Unterstützung von Alexander Rybak, ESC-Gewinner 2009, erhielten, der Düsseldorf ebenfalls einen Besuch abstattete.
Dass sich die Kandidaten im Pressezentrum tummeln, die Proben ihrer Konkurrenten in der Arena auf den dort aufgebauten Bildschirmen verfolgen, mit den Journalisten einen Kaffee trinken oder sich in der Lounge aufhalten, ist hier ganz normal. Da macht die österreichische Kandidatin Nadine Beiler auf der Rasenfläche ein Nickerchen in der Sonne, der Russe Alexej Vorobjov, der in seinem Heimatland ein Star ist, macht es sich in einem der zahlreichen Sesseln gemütlich und Dana International, Kandidatin aus Israel, gesellt sich auf eine Zigarette zu den Medienvertretern. Nur von Lena ist keine Spur.
Die 19-Jährige wird vor dem ganzen ESC-Rummel abgeschirmt wie ein Superstar. Zwar gab sie sich auf der Pressekonferenz am Samstag besonders mediennah, als sie den Pressevertretern Apfelkuchen mitbrachte und die ihr im Gegenzug kritische Fragen ersparten. Bei diesem Auftritt blieb es dann auch. Selbst auf der Deutschland-Party, zu der die Sängerin nebst Presse alle Nationen eingeladen hatte, die ihr im vergangenen Jahr 12 Punkte gaben, blieb Lena nach Berichten von Anwesenden umschottet von den Fernsehteams von ProSieben – und lächelte auch nur für deren Kameras. Übrigens: Fans waren nicht zugelassen.
Es scheint so, als sei der ganze Medienwirbel um Lena bis auf die Minute durchgeplant. Wem sie wann was sagt, scheint von oben delegiert zu werden: Die gespielte Leichtigkeit und Spontaneität kommt auf Knopfdruck – zumindest sieht es so in den ESC-Sendungen von ARD und ProSieben aus.
Journalisten, die bereits in Oslo dabei waren, sagen, dass Lena sich dort schon sehr rar gemacht habe. Die Abschirmung damals sei aber schon übertrieben gewesen. Man könne es zwar nachvollziehen, dass sie sich jetzt zurückziehe, weil der Hype um sie nach wie vor groß sei. "Es käme aber besser an, wenn sie sich auch unters Volk mischen würde", sagt Martin Fichter von der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Auch die Fans goutieren das Verhalten nicht: Für die Einlassbeschränkungen ihrer 12-Punkte-Party musste Lena schon in diversen Blogs Kritik einstecken. Eine "Mission Titelverteidigung" sieht anders aus.
Verlässt man den Düsseldorfer Bahnhof in Richtung City, wird man von einem riesigen Plakat begrüßt, auf dem Lena als Prinzessin verkleidet ihre Lippen zu einem Küssmund formt und sie einem Frosch entgegenstreckt. Es ist das Plakat von Das Erste, es ziert den Spruch "Das Erste Märchen, das ein Zweites Happy End verdient". Die Prinzessin im Elfenbeinturm hätte eher zu ihr gepasst.

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