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Springer streitet mit Website-Betreibern

David gegen Goliath: Mehrere Website-Betreiber ärgern sich über Post vom Axel Springer Verlag. Sie sollen dem Berliner Medienhaus Schadenersatz zahlen, weil sie ohne Erlaubnis aus Blättern wie Welt oder Bild zitiert hatten. Dazu bräuchten die Blogger eine Lizenz, teilt Springer ihnen in einem Schreiben mit. Gerne würde man "ein Angebot für die zukünftige Nutzung unterbreiten". Sollte es zu einem Vertrag kommen, sei man "gerne bereit, in der Höhe des Schadenersatzes entgegen zu kommen".

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Bislang sind zwei Fälle bekannt, in denen Website-Betreiber an Springer zahlen sollen. Zum einen ist es der Marketing-Fachmann Jochen Krisch, Betreiber des Blogs Exciting Commerce. Ihm wurde eine Rechnung in Höhe von 400 Euro geschickt, weil er drei Absätze aus einem 2008 erschienen Welt-Artikel, der auch online verfügbar ist, zitierte und verlinkte. Krisch lehnt die Zahlung mit der Begründung ab, es habe "sich bei inzwischen fast 4.500 Beiträgen" auf ExcitingCommerce.de "noch nie jemand" über die Zitate gestört. Künftig will er "die Publikationen der Axel Springer AG nicht mehr als Quelle nutzen".
"Jeder Fall wird individuell geprüft"
Im zweiten Fall geht es um den freien Journalisten Claus Vester. Dieser betreibt unter anderem die Kinderbuchwebsite Erlebnis-Lesen.de. Wegen der Verwendung eines 397 Zeichen langen Zitats aus einer Welt-Rezension aus dem Jahr 2005 zum Kinderbuch "Skogland" fordert Springer ihn auf, 500 Euro zu zahlen. Mit dem gleichen Zitat bewarben auch mehrere Kinderbuchverlage den Titel auf ihren Internetseiten, zum Beispiel der Hamburger Oetinger-Verlag, und die Autorin Kirsten Boie. Auf beiden Portalen wurden die Ausschnitte mittlerweile entfernt, obwohl der Oetinger-Verlag gegenüber MEEDIA mitteilt: "Wir haben von der Axel Springer AG kein Schreiben mit etwaigen Schadenersatzforderungen oder Ähnliches erhalten."
Verschickt werden die Schreiben vom Clipping-Dienstleister Axel Springer Infopool. Je nach dem wie lange ein Zitat online ist, fallen dann Kosten zwischen 200 und 500 Euro an. Krisch und Vester sagten auf MEEDIA-Anfrage, sie hielten die Briefe für "automatisiert" erstellt und verweigern die Zahlung. Springer versicherte hingegen, jeder Fall werde "individuell geprüft und beurteilt".
Nicht nur kommerzielle Anbieter im Fokus
"Wir überprüfen seit Herbst 2010, ob und inwieweit unsere urheberrechtlich geschützten Inhalte im Internet von Dritten ungefragt und kostenlos verwendet werden", äußerten die Berliner gegenüber MEEDIA. "Dritte sind nicht nur Blogger, sondern entsprechend agierende Webseiten-Betreiber, allen voran kommerzielle Anbieter mit gewerblichen und wirtschaftlichen Interessen. Diese erhalten ein Schreiben von uns, dass aus unserer Sicht eine unrechtmäßige Verwendung der Inhalte vorliegt, für die als Schadenersatz ein nachträgliches Nutzungsentgelt anfällt."
In dem angesprochenen Schreiben liest sich das jedoch etwas anders. Darin heißt es, es komme "nicht darauf an", ob mit der Nutzung der Inhalte "möglicherweise keine gewerblichen bzw. wirtschaftlichen Interessen" verfolgt würden. Es kann also jeder eine Schadenersatzforderung bekommen. Weiter teilt Springer den Website-Betreibern mit, "dass das bloße Entfernen der fraglichen Inhalte unsere Ansprüche für die bereits erfolgte unerlaubte Nutzung nicht entbehrlich macht".
"Hartes" Vorgehen
Das Vorgehen begründet der Verlag damit, dass "in zunehmendem Maße Inhalte ohne unsere Zustimmung online vervielfältigt, verbreitet oder zugänglich" gemacht würden. Dabei handle es sich "keineswegs nur um Zitate im urheberrechtlichen Sinne, sondern um die Übernahme gesamter Texte oder längerer Textpassagen und schützenswerter Kernaussagen".
Aus Verlagskreisen war zu hören, dass das Vorgehen von Springer als "hart" eingeschätzt wird. Bei kleinen Anbietern versuche man in der Regel, sie ohne Geldstrafe davon zu überzeugen, die Inhalte zu löschen. Würden im großen Stile Inhalte kopiert, seien die Maßnahmen aber durchaus nachzuvollziehen.

Update: Wie Carta.info berichtet, machten die drei Absätze aus dem Welt-Beitrag rund 60 Prozent des Exciting-Commerce-Textes und rund 40 Prozent des Ursprungstextes aus. Er umfasste mehr als 1.500 Zeichen.

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