Neues ‚Tatort‘-Duo: taffe Tussi, kauziger Bulle

Noch nie hatte ein "Tatort" so viel Sexappeal zu bieten: Am Sonntag debütiert das Team der Mordkommission Frankfurt. Nina Kunzendorf spielt die tief-dekolletierte Hauptkommissarin Conny Mey, die auf den ersten Blick zwar naiv wirkt, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Ihr Gegenpart ist Joachim Król, der den nörgligen Oberbullen Frank Steier, Typ einsamer Wolf, mimt. Unterschiedlicher könnten die neuen Ermittler nicht sein. Dabei hat es der erste Fall in sich: Es geht um einen gefährlichen Psychopathen.

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Wenn eine taffe Tussi auf einen exzentrischen Eigenbrötler trifft, ist der Ärger eigentlich schon programmiert. Conny Mey mag enge Jeans und knappe Shirts, Acrylnägel und Brad Pitt, der an der Trennwand ihres Quadratmeters im Großraumbüro hängt. Ihre Waffe trägt sie stets sichtbar im Schulterhalfter. Die Kollegen finden sie "geil", wie sie lautstark mit ihren Westernstiefeln über die Flure stakst, ihre Hüften und die großen Creolen zum Dauerschwingen bringt und dabei stets freundlich-kumpelhaft rüberkommt. Nur Steier scheint darauf nicht abzufahren. Er ist schon lange Hauptkommissar, hat viel erlebt, spricht aber nicht darüber. Er gilt als einer der Besten, ist aber längst nicht mehr teamfähig. Er hat ein Einzelbüro, trägt einen dunklen Anzug und den dazu passenden Mantel, hört gern Jazz und ist genervt von der Emotionalität seiner Kollegin, mit der er nur aus Zufall zusammenarbeiten muss.
Sven Döring (Justus von Dohnányi) will seinen im Koma liegenden Sohn rächen. Sein Ziel ist Mariam Sert, (Vicky Krieps), der er vorwirft, Schuld an dem Zustand seines Sohnes zu sein. Der Fall wurde längst zu den Akten gelegt, Sert wurde keine Schuld zugesprochen. Doch als die Ärzte die lebenserhaltenen Maßnahmen bei seinem Jungen abschalten wollen, dreht der psychotische Döring durch. Er wendet sich erneut an die Mordkommission, denn er scheint mehr zu wissen, als der zuständige Kollege damals in die Akte schrieb. Mey und Steier wiegeln erst ab, bis sie merken, wie gefährlich der Vater sein könnte. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, denn den Polizisten sind solange die Hände gebunden, bis er der jungen Frau etwas antut. Das weiß auch Döring.

Die 800."Tatort"-Folge "Eine bessere Welt" hat von allem etwas, was einen guten Krimi ausmacht: einen überzeugenden Plot, starke Schauspieler, Realitätsnähe und wohldosierte Actionszenen. Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume schafft es, die neue Frankfurter-Episode so anzulegen, dass die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhalten wird. Die Rollen der beiden Kommissare hätten durch Król und Kunzendorf nicht besser besetzt werden können. Auch Dohnányi und Krieps spielen wunderbar und legen die Latte der ARD-Reihe endlich wieder hoch. Einzig die Winter-Kulisse wirkt beim Ausstrahlungstermin im Frühling fehlplatziert. Und dass Arnd Klawitter, der den Psychologen und Mey-Liebhaber Daniel Behnken spielt, nach dem Stuttgarter "Tatort" vor zwei Wochen schon wieder mit von der Partie ist und es auch in der kommenden Woche bei der Episode aus Bremen sein wird, wird auf manchen Zuschauer nicht gerade abwechslungsreich wirken. Doch bei so einer Glanzleistung aller Beteiligten kann man auch mal darüber hinwegsehen.

Die Dreharbeiten für die nächste "Tatort"-Episode aus der Mainmetropole haben bereits begonnen, wieder sitzt Kraume auf dem Regiestuhl. Er kündigte an, dass die kommenden drei Fälle mit Kunzendorf und Król auf wahren Begebenheiten beruhen werden. Insgesamt sollen die beiden zwei mal im Jahr in der ARD ermitteln dürfen.

Ihre Vorgänger, Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf alias Charlotte Sänger und Fritz Dellwo, hatten im Sommer 2009 den Dienst als TV-Kommissare quittiert, um sich anderen Projekten zu widmen. Bei den Zuschauern zählte das Frankfurter Duo eher zu den unbeliebten ARD-Kommissaren. Im Zuschauer-Ranking belegten Sänger und Dellwo stets einen der hinteren Plätze, allerdings noch vor den Krimis aus Kiel (Kommissar Borowski), Wien (Kommissar Eisner) und Hamburg, dessen verdeckter Ermittler (Cenk Batu) bekanntermaßen Ende 2011 aufhört. Ob Kunzendorf und Król besser abschneiden werden? Sie haben das Potenzial unter den Top 3 der beliebtesten "Tatort"-Ermittler zu landen.

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