DSDS-Finale: Bohlens brave Bravo-Bande

Der Kreis schließt sich: Wenn Marco Schreyl am Samstag den achten deutschen Superstar verkündet, ist "DSDS" wieder da angekommen, wo die Sendung anfing: beim Wettkampf von uncharismatischen Heranwachsenden, die vor allem Bravo-kompatibel sind. Keine Staffel war bislang so langweilig und pannenbehaftet. Noch nie ging es weniger ums Singen und mehr um private Soap-Elemente, und noch nie beherrschte Bohlen die Show stärker als heute. Das Erstaunliche dabei: Die Zuschauer schauten so beigeistert wie immer zu.

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Der sängerische Niveau-Abfall war abzusehen. Denn seinen künstlerischen Zenit hatte das Casting-Franchise, das 2002 erstmals bei RTL ausgestrahlt wurde, sowieso schon in der vergangenen Staffel erreicht. Das Duell zwischen den – im Guten wie im Schlechten – starken Persönlichkeiten Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich war das bislang mit Abstand hochklassigste Duell in der "DSDS"-Geschichte. Beide konnten richtig singen und waren zudem noch mit einer fast schon unheimlichen Bühnen-Präsenz gesegnet.

Gegen Mehrzad und Menowin wirken Pietro Lombardi und Sarah Engels wie naive Klosterschüler. Beide Finalisten, die offenbar nun auch noch ein Liebespaar sind, wirken – zumindest in den Einspielfilmchen – wie zwei nicht sonderlich helle Jugendliche, die einfach machen, was man ihnen sagt und wie auf Knopfdruck alles "super", "geil" und "unglaublich" finden, was RTL für sie organisiert und was Dieter Bohlen gesagt hat.

Mit jeder weiteren Folge der Mottoshows verfestigte sich zudem der Eindruck: Seit der ersten Staffel mit Alexander Klaws und Daniel Küblböck gab es keine Bohlen-hörigere Casting-Crew mehr als in diesem Jahr.

Damit sind sich die Sänger und ihr Publikum näher als viele wahrhaben wollen. Denn längst besteht die Sendung nur noch aus dem "Poptitan". Den Zuschauer interessiert nicht mehr die Gesangs- und Performanceleistung, sondern vor allem die daran anschließende Kritik von Bohlen – ein feuchter Feuilletonisten-Traum, wenn die Rezension wichtiger wird als das besprochene Stück.

Am Anfang brauchten die Produzenten von Casting-Shows Stars wie Bohlen und Heidi Klum, um die Zuschauer zum Einschalten zu bringen. Heute schalten die Zuschauer nur noch wegen ihnen ein. Die Kandidaten sind nur noch dazu da, damit die Star-Juroren etwas zum telegenen Niederputzen haben. "Deutschland sucht den Superstar" müsste längst "Bohlen sucht den Superstar" heißen.

Wie es sich für einen echten Gott gehört duldet auch der "Modern Talking"-Mastermind keine weiteren Götter neben sich. Die Folge: Die Gewinner der Sendung dürfen nicht lange erfolgreich sein, denn sie könnten dem immer braungebrannten Komponisten und Produzenten ein wenig die Sonne wegnehmen. Dasselbe trifft auf die Jury-Kollegen zu.

Auch nach diesem Finale wird deshalb wieder alles wie immer sein: Der Gewinner wird in den Bohlen-Himmel geschossen, verbrennt sich und stürzt ab. Natürlich wird auch die Jury wieder ausgetauscht. In diesem Jahr waren die Co-Juroren, Fernanda Brandao und Patrick Nuo, eh so blass, dass sie damit ganz im Sinne des Sonnenkönigs agiert haben dürfen.

Einen Gewinner bringt die Showreihe dann aber doch hervor: Marco Schreyl. Klingt komisch, ist aber so. Wegen seines folgenschweren Fehlers beim Vorlesen der Telefon-Nummern, durch den eine Sendung wiederholt werden musste, sowie durch die Diskussion um seine Homosexualität gewann der Wahl-Kölner kräftig an Profil. Wie der Moderator trotz der Kritik cool und professionell blieb, zeigte, dass er tatsächlich ein echter TV-Profi ist. Wenn auch einer, der zu zu vielen peinlichen Witzen neigt.

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