Die Titanic als Facebook-Freund von Mappus

Im Satire-Magazin Titanic hat sich Autor Oliver Maria Schmitt dem Phänomen Facebook auf seine Weise genähert. Er erfand einen schwulen Nerd namens Peter Uhnemann und begann, Facebook-Freunde zu sammeln. Sein Ziel: den mittlerweile abgewählten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) als Facebook-Freund gewinnen und vorführen. Die Geschichte zeigt nebenbei auch noch einige Absurditäten des Social Web.

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Ausgangspunkt für die Titanic-Aktion war eine Interview-Aussage von Mappus, der die Schwulen-Parade Christopher Street Day als “abstoßend” bezeichnet hatte. Titanic-Autor Schmitt erfand daraufhin den Charakter Peter Uhnemann, 23 Jahre alt, homosexuell, wohnhaft in Gera. “Um Peter ein Face zu booken gab ich bei der Google-Bildersuche den Begriff ‘Nerd’ ein und schnitt das erstbeste Gesicht aus”, schreibt Schmitt. Danach machte er sich mit seinem Alter Ego Uhnemann daran, erste Facebook-Freunde zu sammeln: “Ich wählte Thorsten Schäfergümbel, die Hoffnung der Hessen-SPD. Klar, dass ein solcher Mann dringend Freunde braucht.” Natürlich bestätigte Schäfer-Gümbel, bzw. die Person, die seine Facebook-Seite betreut, die Anfrage des jungen Nerds aus Gera.

Peter Uhnemann wurde auch Freund von diversen schwarzen Frauen aus den USA (“Nach wenigen Stunden bin ich schon mit elf dicken Negerinnen befreundet – am Vormittag kannte ich noch keine einzige.”), Schlagersängerinnen, Inkasso-Beauftragten, Kathrin Passig, Kurt Beck und vielen anderen. Warnmeldungen von Facebook, dass “Peter Uhnemann” beim Hinzufügen von “Freunden” zu schnell vorgehe, wurden ignoriert.

Schließlich freundete er sich auch mit Stefan Mappus an und konfrontierte ihn auf seiner Facebook-Seite mit seiner Interview-Äußerung: “Hallo Stefan, hab in der Sonntagszeitung gelesen, dass du ein Schwulenhasser seist und den CSD ‘abstossend’ findest – stimmt das? Kann ich ja gar nicht glauben…” Oder: “Jetzt soll der Wulff Bundespräser werden. Er ist ja ganz süß, aber ich steh mehr auf Dicke, so wie den Stefan.”

Reaktionen von Mappus kamen keine, dafür Kommentare von anderen Mappus-Freunden, “Peter Uhnemann” solle “den Scheiß lassen” und “endlich was arbeiten gehen.” “Uhnemann” wurde schließlich von Mappus-Freundesliste gestrichen und seine Versuche, sich wieder zu befreunden, wurden von Facebook wegen Missbrauchs blockiert. Dann eine überraschende Wende: “Einige Tage nach dem Wahldebakel – ich hatte ihn schon fast ein bisschen vergessen – kam, wie aus dem Nichts, ein Facebook-Hinweis. Aus der Heimat: ‘Stefan Mappus hat deine Freundschaftsanfrage bestätigt.” Und: “Stefan Mappus hat dich zu der Gruppe ‘Wir halten zu Karl-Theodor zu Guttenberg’ hinzugefügt.” Für “Peter Uhnemann” war das der Grund, seinerseits dem Facebook-Mappus die “Freundschaft” aufzukündigen. Es kann allerdings sein, dass hier "Peter Uhnemann" selbst den Tücken von Facebook aufgesessen ist. Der "Stefan Mappus", der ihn zur Pro-Guttenberg-Gruppe eingeladen hat, war nicht der "offizielle" Mappus, sondern ein Facebook-Profil, das selbst verdächtig nach Fake aussieht. Im Social Web ist eben nicht jeder, wer er scheint. Mit Thorsten Schäfer-Gümbel ist "Peter Uhnemann" aber immer noch befreundet.
Der Artikel “Mein Freund Stefan Mappus” ist in der aktuellen Titanic-Ausgabe Mai 2011 erschienen.

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