Geballte Hochzeits-Presse: Print schlägt TV

Die Hochzeit von Prinz William und Kate ist vorbei, doch für die Zeitschriften hat der Auflagen-Kampf gerade erst begonnen. Seit Montag liegt die versammelte deutsche Klatsch- und Tratsch-Gesellschaft mit Sonder-Ausgaben und Specials am Kiosk. Die Macher hoffen auf Märchen-Auflagen zur Märchen-Hochzeit. MEEDIA hat gecheckt, welches Magazin die beste Hofberichterstattung liefert. Dabei gab es einen unwahrscheinlichen Gewinner und einen Totalausfall.

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Am besten gefallen hat uns das Sonderheft der Freizeit Revue mit der Titelzeile “Ein Märchen wurde wahr”. Die Macher von Burda in Offenburg fanden einen gelungenen und unterhaltsamen Mix aus den üblichen, großformatigen Fotos, Hintergrundinfos aus dem Archiv und spaßigen Schnipseln. Der “Triumphzug durch London” wurde mit Satellitenfoto illustriert, Wappen und Trauspruch erklärt, es gab einen Infokasten zum “knallharten Ehevertrag” und die ambitionierteste Modekritik der von uns begutachteten Blätter.

Die Freizeit Revue traute sich, die unmöglichen Hüte der Sarah-Ferguson-Töchter Eugenie und Beatrice (Geweih!) zu geißeln und mäkelte zurecht am farblosen Auftritt der Monegassen herum (“Partnerlook und grauer Schlapphut”). Überhaupt, die Hüte: “Bei diesem verrückten Hüte Zirkus kam sich mancher Gast vor wie beim Pferderennen in Ascot.”

Die anderen Blätter waren wesentlich zurückhaltender in ihren Kommentaren zu Hüten und Kleidern der Royals und ihrer illustren Gäste – dabei liest man doch sowas auch im Nachhinein noch gerne. Die Bild bemerkte in ihrem Sonderheft immerhin, dass David Beckham seinen Orden zunächst auf der falschen Seite trug.

Ansonsten bot das Bild-Sonderheft mehr Masse als royale Klasse. Teils grisselige Fotos, eine übergroße Typo bei den Bildunterschriften (für Senioren?) und allerhand Bild-typische Gags: ein Ausklapp-Foto, ein Poster, ein Text über die “fröhlichen Trauzeugen Pippa & Harry” sowie tonnenweise Archiv-Material. Viel Lesestoff für Royalisten aber alles ein wenig uninspiriert zusammengerührt.

Ganz auf Nummer sicher ging die Bunte mit 60 Sonder-Seiten, die fast ausschließlich mit Fotos bestückt waren. Alle großen Momente waren eingefangen und die Bild-Qualität war in Bunte (und Gala) die beste. Ein bisschen mehr Biss in den Bildunterschriften, wäre aber nett gewesen… Chefin Patricia Riekel vermisste im Editorial die “Magie der Gefühle” bei der TV-Übertragung und fand sie in den gedruckten Fotos wieder: “Print schlägt Fernsehen”. Unrecht hat sie da nicht. Die TV-Bilder zeigten tatsächlich sehr oft Totalen, während die Fotos in den Magazinen sehr nah ans Geschehen gehen. Wer sich für die Hochzeit des Jahres interessiert, bekam mit den Magazinen einen Mehrwert geboten.

Einen souveränen Job machte auch die direkte Bunte-Konkurrentin Gala, die sogar ein zwei gute Ideen mehr hatte. So wurde bei der Gala die Sitzordnung in der Kirche aufgeschlüsselt und es gab einen netten Kasten mit der “Hochzeit in Zahlen”. Die Hamburger haben immer noch nicht genug vom Thema und bringen am Samstag, 7. Mai, nochmal ein Extra-Sonderheft mit 124 Seiten zum Preis von 3,80 Euro heraus. Um da noch zuzugreifen, muss man schon ein ziemliches Faible fürs blaue Blut haben.

Der einzige Totalausfall im Reigen der Hochzeits-Presse war die aktuelle. Da scheint was mit der Heft-Produktion schiefgelaufen zu sein. Verschwommene Bilder, verschobene Farben allerorten und eine windige Papierqualität.  Beim Betrachten des Hochzeits-Specials der aktuellen wurde einem mehr als nur ein bisschen schwummrig vor den Augen. Dazu eine Bildauswahl, die wirkt, als habe man schlichtweg alles, was mal eben schnell reinkam ohne nachzudenken ins Layout gekippt. Vorne wird noch grammatisch verwegen “Die große Märchen-Hochzeit Spezial auf 60 aufregenden Seiten” angekündigt. Aufregen konnte man darüber tatsächlich – aber anders als von der aktuellen gedacht.

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