Top-Deal: Bild.de schnappt sich Groupon

Der nächste Coup der Bild-Vermarktungs-Profis: Wie MEEDIA aus sicherer Quelle erfahren hat, wird Bild.de eine großangelegte Kooperation mit Groupon starten. Damit dürfte das Schnäppchen-Portal auf einen Schlag Reichweite und Bekanntheitsgrad enorm vergrößern. Bild.de wiederum erschließt eine neue Erlösquelle, bietet Nutzern einen weiteren Service und erweitert sein Portfolio. Passend zum neuen Miteinander: Gerade wurde der Wechsel von Springer-Manager Robert Bosch zu Groupon bekannt.

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Für alle, die mit dem Namen Groupon und dem Geschäftsprinzip des Couponing noch nicht so vertraut sind: Das Unternehmen wurde erst Ende 2008 gegründet, von einem Mittzwanziger namens Andrew Mason, der bis heute als CEO fungiert und inzwischen Milliardär sein dürfte. Der Name ist eine Vermengung der Begriffe Gruppe (engl. Group) und Coupon, und das Modell sieht vor, dass eine Gruppe von Käufern besonders attraktive Konditionen erhalten können, da der Hersteller eine große Anzahl von Produkten absetzen kann, weil Groupon über seine tagesaktuell per Newsletter informierte Fangemeinde mobilisieren kann, bei Ersparnissen von angeblich oft mehr als 50 Prozent "zuzuschlagen". Zudem argumentiert Groupon, dass die Kunden meist weitere Leistungen buchen und dem Partner somit zusätzliche Umsätze bescheren.

Bei allen Schnäppchen läuft im Hintergrund der Countdown: Die Sonderangebote sind in der Regel maximal 24 Stunden gültig. Laut Wikipedia war Groupon Anfang 2011 in 20 deutschen Städten aktiv. Aktuelles Angebot am Wochenende für die Region Hamburg war etwa die vergünstigte Anmietung von "Luxus-Wohnmobilen" für ein bis 14 Tage bei einer Ersparnis von angeblich 80 Euro Miete pro Tag (entspricht 62 Prozent). Laut Statistik auf der Groupon-Website hatte das Angebot vier Stunden vor Ablauf der Frist bereits mehr als 540 Kunden gefunden. Allerdings gibt es auch Kritiker, die vor überhöhten Erwartungen an die Sparmöglichkeiten bei Schnäppchen-Portalen warnen. 

Bei Springer scheint man allerdings vom Potenzial der Partnerschaft überzeugt. Theoretisch hätte der nun scheidende Webexperte Robert Bosch den Deal fast mit sich selbst aushandeln können. Denn der 39-Jährige war zuletzt als Managing Director Business Development für die strategischen Digitalprojekte von Axel Springer zuständig. Bei Groupon wiederum soll er den Auf- und Ausbau von Partnerschaften mit Herstellern, Händlern und Markenartiklern in Europa, dem mittleren Osten und Afrika vorantreiben. Seinen offiziellen Einstand bei dem Web-Unternehmen gibt Bosch nach Mitteilung des US-Unternehmens "spätestens" Anfang Juni. Er wird dort den hübsch amerikanischen Titel eines Senior Vice President führen.

Mit der Kooperation arbeiten künftig die jeweiligen Marktführer zusammen. Bild.de ist‘>den größten deutschen Traffic-Gewinnern und erreichte im Januar 2011 bereits 2,4 Millionen Unique Visitors. Weltweit setzte das US-Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr rund 800 Millionen Dollar um. Wie viel davon aus Deutschland kommt, ist allerdings unklar.

Der Deal wäre zudem ein Rückschlag für die WAZ und Madsack. Denn beide Verlagshäuser arbeiten mit Westdeal bzw. Norddeal bereits an eigenen lokalen Groupon-Konkurrenten. Das Coupon-Prinzip des amerikanischen Startups, dessen Wert bei einem Börsengang etliche Milliarden Dollar betragen würde, passt hervorragend zu Print-Häusern mit starker lokaler Verwurzelung. Denn die eigene Vermarktung ist es gewohnt, eng mit Einzelhändlern und anderen Mittel- bis Klein-Unternehmen zusammenzuarbeiten und zum anderen gehören Rabatt-Aktionen längst zum normalen Portfolio jeder Regional- und Boulevard-Zeitung.

Wie zu hören ist, könnte die Einbindung der jeweils zeitlich befristeten Schnäppchenangebote bereits kurzfristig starten. Lediglich einige technische Voraussetzungen, heißt es, müssen dafür noch geschaffen werden. Mit Tiefpreisangeboten hat man bei Springers rotem Riesen Erfahrung: Seit langem sind die "Volksprodukte" ein extrem profitabler Bestandteil der Wertschöpfungskette in der Vermarktung der Marke Bild.

Spannend wird es sein zu beobachten, ob es bei der Kooperation bleibt oder ob Springer sich mittelfristig sogar an der US-Company beteiligt. Ein Einstieg bei Groupon würde durchaus Sinn machen, und die Samwer-Brüder sind erfahrungsgemäß stets bereit, ihre Anteile zu verkaufen. Wenn denn der Preis stimmt. Aber das ist Zukunftsmusik.

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