SpOn-Stream: Zur Hochzeit zähe Witzchen

Schade. Es hätte das Highlight des Royal-Wedding-Overkills werden können, doch es war eine extrem zähe Angelegenheit mit Einschlafgefahr. Spiegel-Autor Matthias Matussek und Ex-Titanic-Chef Martin Sonneborn scheiterten bei Spiegel Online an der Herausforderung, die britische Adelshochzeit live zu kommentieren. Statt Satire vom Feinsten und spitzem Humor gab es vor allem plumpe Witzchen, vorher zurecht gelegte Anekdoten und peinliche Momente - und das alles technisch auf Lokalfernseh-Niveau.

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Die zähe Veranstaltung begann gleich mit einem Fauxpas. Obwohl der Stream schon online war, hörten die Zuschauer noch Regieanweisungen, Stille und Vorbereitungen. Nachdem Moderatorin Janita Hämäläinen ("Herzlich willkommen, liebe User") die Sendung offiziell begann, war auch noch Sonneborns Mikrofon zu leise, sodass die ersten Minuten im Papp-Studio wirklich so aussahen, als sende ein Provinz-Lokalsender seine Nachrichten mit Spannendem aus Gemeinderat und Schützenfest.
Nach Erörterungen der Sendungs-Vorbereitungen (Sonneborn: "Ich habe vor einigen Jahren persönlich geheiratet – mit ähnlichem Pomp.") wurde dann stundenlang das weltweit identische Live-Signal kommentiert – und das wie gesagt nur leidlich amüsant. So wechselten sich plumpe Scherze (Matussek: "Im Bild: Elton John mit seiner Lebensgefährtin" / über Kate Middleton: "Frau Mitteltonne") mit seltsamen, lustig gemeinten Schalten (u.a. zu Georg Behrend aus der Spiegel-Satire-Redaktion vor einer Pappwand mit dem Buckingham Palast) und Peinlichkeiten ab. Einer dieser Momente: Matussek meint im Publikum in der Kirche Prinzessin Margaret zu erkennen – obwohl diese, offenbar ohne das Wissen des Spiegel-Manns, seit mehr als neun Jahren tot ist.
Auch bei der Trauung war der schmatzende Matussek offenbar etwas verwirrt und kündigte Zeremonien an, die längst schon vorbei waren. Für die wenigen amüsanten Momente sorgte letztlich ausschließlich Martin Sonneborn. Beim Blick auf die Gäste in der Kirche etwa: "Auch eingeladen das übliche deutsche Adelsgedöns: Eckart von Hirschhausen, Herr von Bödefeld und natürlich Mathias Prinz, der alle verklagen wird, die ihn mit der Hochzeit in Verbindung bringen." Oder über die Predigt: "Mich erinnerte sie an die vom Standesbeamten Wiemer auf meiner eigenen Hochzeit im Standesamt Mitte in Berlin." Zudem las er ab und zu angebliche, leicht amüsante SMS von Prinz Philipp vor: "Gute Nachricht, habe einen Flachmann entdeckt, den ich in meinem Frack gebunkert hatte."
Matussek, der sich seltsamerweise auch noch deutlich vor Ende der Sendung "Wetten, dass..?"-artig verabschiedete, weil er einen Flug zu seiner Frau nach Barcelona erreichen müsse, redete hingegen zu viel und zu selbstverliebt. "Wie sehe ich aus, Frau Hämäläinen?" fragt er die Moderatorin irgendwann. "Entzückend", so die Antwort. Einen Moment zum Fremdschämen gab es noch, als Matussek versuchte, zu erklären, ob es Zufall sei, dass William und Kate am selben Tag heiraten wie Adolf Hitler und Eva Braun einst. Ein peinliches Stammeln war die Folge, bis Sonneborn dazwischen ging: "Schneiden, Schneiden!"
Schneiden hätte man diesen zähen, über drei Stunden langen Marathon in der Tat sollen. In einer 15-minütigen Zusammenfassung der Ereignisse hätten Matussek und Sonneborn womöglich amüsant sein können – an der Herausforderung einer so langen Live-Kommentierung sind sie leider gescheitert.

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