GEO erwartet „keine Furcht vor dem Dreck“

Die GEO-Auflage bröckelt seit Jahren. Dennoch gilt das Heft von Gruner + Jahr als Leuchtturm unter den Reportagemagazinen und konnte die Rückgänge durch etliche Line Extensions wett machen. In der MEEDIA-Reihe über Einstiege in den Journalismus erklärt Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, dass es bei GEO wichtig ist, "heute mit dem Umweltminister, morgen mit dem Minenarbeiter umgehen zu können". Bewerber dürfen "keine Angst vor dem Parkett und keine Furcht vor dem Dreck" haben.

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Herr Gaede, was ist Ihnen bei der Bewerbung besonders wichtig?
Die journalistische Leistung, die Persönlichkeit und das profunde Wissen auf einem für uns wichtigen Fachgebiet müssen bei Bewerbern stimmen.
Worauf kommt es bei den Arbeitsproben an?
Die Themenwahl, Inhaltstiefe, Sprache, Dramaturgie, Erzählweise und Stoffdurchdringung müssen uns überzeugen.
Welche Vorbildung erwarten Sie bei Bewerbern, welche Rolle spielt ein (abgeschlossenes) Studium?
Nahezu alle GEO-Redakteure haben studiert, circa 50 Prozent (Tendenz steigend) der Textredakteure haben überdies eine Journalistenschule absolviert. Immer mehr kommen direkt von dort zu GEO, andere nach einigen Jahren bei Tageszeitungen oder Zeitschriften. Wichtig sind für uns bereits vorhandene Erfahrungen mit Reportage und Recherche in komplizierten Zusammenhängen. Wichtig ist Weltgewandtheit. Wichtig ist die Fähigkeit, heute mit dem Umweltminister, morgen mit dem Minenarbeiter umgehen zu können, keine Angst vor dem Parkett zu haben und keine Furcht vor dem Dreck. Wichtig ist sprachlicher Reichtum, ist sprachliche Originalität, ist ein Wortschatz, der weit über die erstbesten Klischeeformulierungen hinausgeht. Und nicht zuletzt benötigen wir die Fähigkeit, sich schnellstens Wissen auf immer wieder neuen Feldern anzueignen.
Wie wichtig sind Praktika? Welches Medium bringt Neulingen den größten Lerneffekt?
Praktika, die jemand bei uns absolviert, sind eine ideale Testphase für beide Seiten. Zahlreiche spätere Festangestellte, viele unserer freien Autoren, sogar einige unserer freien Fotografen haben zunächst ein Praktikum bei uns absolviert. Generell ist aber wohl ein Praktikum bei tagesaktuellen oder wöchentlich erscheinenden Medien, online wie offline, das bessere Allround-Training für jemanden, der noch nicht weiß, in welche Mediengattung er eines Tages will.
Worauf sollten Bewerber bei ihren Fotos achten?
Es sollte weder den Erfordernissen einer Grenzpolizei noch denen von DSDS entsprechen wollen. Just be natural!
Erhalten Absolventen von Journalistenschulen oder Bewerber mit Journalistikstudium bei Ihnen den Vorzug?
Nicht prinzipiell. Der Zirkus-Artist oder Physiker oder Biogärtner, der uns nach den unter Punkt 3 und 4 aufgeführten Kriterien überzeugen würde, hätte dieselbe Chance. Nur werden diese Kriterien in der Praxis eben doch meist besser von journalistisch Vorgebildeten erfüllt.

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