YouTube-Gründer wollen Delicious retten

Ob dieses Investment den YouTube-Gründern schmecken wird? Seit Monaten sucht Yahoo einen Käufer für seinen Social-Bookmarking-Dienst Delicious. Jetzt wurde der Internet-Pionier fündig. Die YouTube-Erfinder Chad Hurley und Steve Chen sollen das einstige Web-2.0-Wunderkind für rund eine Million Dollar übernehmen. Yahoo zahlte noch geschätzte 30 Mio. an Gründer Joshua Schachter. Die Webgemeinde dürfte der Deal freuen. Die Web-2.0-Akquistionen von Yahoo sahen Blogger und Netz-Enthusiasten schon immer kritisch.

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Neben dem Social-Bookmarking-Dienst kaufte Yahoo zu Beginn des Web-2.0-Booms auch noch die Foto-Community Flickr. Schnell entwickelten sich Delicious und das Hobby-Fotografen-Netzwerk zu absoluten Vorzeige-Plattformen der neuen sozialen Web-Kultur.

Delicious gilt noch immer als Erfinder des "Social Bookmarking", eine Anwendung, die ohne Zweifel das Web 2.0 nachhaltig beeinflusst hat. Hier kann man seine Lesezeichen online verwalten und so von jedem Computer der Welt ansteuern, seine Lieblingsseiten mit anderen Mitgliedern teilen und interessante Web-Tipps entdecken. Das Besondere: Man versieht seine Bookmarks mit Schlagwörtern, sogenannten "Tags". Auf diese Weise entsteht ein "menschliches" Suchverzeichnis. Eine Linksammlung, die häufig zu besseren Ergebnissen kommt als herkömmliche Suchmaschinen.

Durch mehrere Zensur-Debatten und -Skandale verspielte Yahoo allerdings viel Kredit bei den wichtigen Online-Early-Adoptern. Denn diese typischen Web-2.0-Dienste sind bislang nie im Mainstream angekommen und, zumindest was das Social Bookmarking betrifft, aktuell auf dem absteigenden Ast.

Im März zählte der Google Ad-Planer für den Link-Speicher Delicious 4,7 Millionen Unique Visitors. Davon entfielen auf Deutschland 210.000. Die Tendenz ist fallend.

Bei dem größten deutschen Konkurrenten, Mister Wong, sieht es ganz ähnlich aus. Im März erreichten die Bremer 350.000 Unique Visitors. Vor einem Jahr waren es noch 1,4 Millionen. Der Rekordwert liegt im Juni 2009 bei 2,9 Millionen Unique Visitors.

Einer der Gründe für die großen Traffic-Probleme dieser Angebote liegt wohl darin, dass immer mehr Nutzer Links über Twitter und Facebook teilen, statt sie bei Delicious und Co. abzulegen.

Wie die neuen Chefs den alten Web-2.0-Star wieder zum strahlen bringen wollen, ist noch völlig unklar. Der Deal mit Yahoo sieht vor, dass bis Juli der Such-Pionier weiterhin den Link-Speicher betreibt. Die neuen Chefs brauchen erst einmal eine gewisse Zeit, um ein eigenes Account-System zu entwickeln. Ob sich dadurch viele Neukunden anmelden, bleibt noch fraglich.

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