Printmedien punkten nicht mit Japan-Drama

Es ist eine erstaunliche Entwicklung, die Printverlagen Sorgen bereiten dürfte. Während Nachrichten-Websites im März so stark waren wie nie, Sender wie n-tv und N24 neue Marktanteils-Rekorde aufstellten und die "Tagesschau" im März 13 Mio. Zuschauer und mehr hatte, profitierten die Printmedien nahezu gar nicht von den dramatischen Ereignissen in Japan. Spiegel, stern und Focus landeten mit ihren Ausgaben zu Tsunami und Atomkatastrophe im Mittelmaß, bei den Tageszeitungen sinken die Auflagen ungebremst.

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Die Rekordmeldungen nach Ablauf des März waren so zahlreich wie selten zuvor. Die zehn größten deutschen Nachrichten-Websites hatten allesamt neue Visits-Rekorde aufgestellt, die kleineren Konkurrenten ebenfalls fast alle. Die Infosender N24 und n-tv erreichten sowohl im Gesamtpublikum als auch bei den 14- bis 49-Jährigen neue Monats-Marktanteil-Rekorde und verbesserten sogar die Zahlen aus dem 9/11-Monat September 2011. Und die 20-Uhr-"Tagesschau" kam an einzelnen Tagen auf 13 Mio. Zuschauer und mehr.

Sie alle profitierten von der überaus geballten Nachrichtenlage des Monats: Verteidigungsminister zu Guttenberg trat zurück, in Nordafika löste eine Revolution die nächste ab, in Hamburg, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wurde gewählt, u.a. der erste grüne Ministerpräsident, und in Japan sorgte das Erdbeben mit Tsunami und Atomkatastrophe für weltweite Anteilnahme und Sorge.

Doch das älteste der Medien, das Printmedium, profitierte am wenigsten von den März-Ereignissen. Beispiel Japan: Spiegel, stern und Focus schmissen zum Teil Titel wieder um, hielten Druckmaschinen an und kamen alle mit Japan-Titeln. Doch übermäßigen Erfolg hatten sie damit nicht. Der Spiegel verkaufte sich mit seinen Heften 11/2011 ("Fukushima, 12. März 2011, 15.36 Uhr, Das Ende des Atomzeitalters") und 12/2011 ("Fukushima – Was wirklich geschah") am Kiosk zwar nicht schlecht, doch die Einzelverkaufszahlen von 356.672 und 346.181 lagen beispielswiese unter den jüngsten Verkaufserfolgen des Bild-Titels ("Bild – Die Brandstifter") und des Burn-Out-Titels. Der stern kam mit Ausgabe 11/2011 ("Japans Tragödie") und 296.690 Verkäufen nur ins Mittelmaß, der Focus setzte von Heft 11/2011 ("Das Tsunami-Drama") 123.138 Exemplare im Einzelverkauf ab und kam mit Nummer 12/2011 ("Die Lektion – Wie der GAU von Japan die Welt verändert") nur auf 104.106 Kiosk-Verkäufe und damit auf das zweitschlechteste Ergebnis der vorigen zwei Monate.

Erschreckend ist auch das Tempo, in dem die Tageszeitungsauflagen weiter an Boden verlieren. Trotz der Megathemen im März konnte keine einzige überregionale Zeitung im ersten Quartal bei der verkauften Auflage zulegen, bei den größten 40 Regionalzeitungen nur der Kölner Express. Nun mögen sich Effekte wie der nachrichtenstarke März bei auf Abos angewiesenen überregionalen und regionalen Zeitungen nicht so stark auswirken, doch insbesondere die Auflage der Bild, die sich fast ausschließlich am Kiosk verkauft, ist schon eine Überraschung. Mit 2,856 Mio. verkauften Zeitungen pro Tag fiel man auf das schlechteste Ergebnisse seit Jahrzehnten und lag mehr als 5% unter dem Vorjahr. Trotz Japan. Trotz Guttenberg. Trotz Nordafrika. Trotz Landtagswahlen.

Den Printverlagen sollte diese Entwicklung wirklich zu denken geben. Können sie mit tagesaktuellen Nachrichten nicht mehr punkten? Die Zahlen sprechen für sich. Rekorde in Internet und Fernsehen, Mittelmaß oder sogar Auflagenverluste bei Print.

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