Matussek: ‚Kann Sonneborn schwer ertragen‘

Kate und William heiraten. Flächendeckend berichten TV-Sender in einem medialen Overkill. Spiegel Online als eines der deutschen Leitmedien im Web berichtet in einem mehrstündigen Live-Stream morgen von der Hochzeit. Kommentatoren sind Matthias Matussek und Martin Sonneborn. Christopher Lesko sprach am Vortag des Events mit Matthias Matussek. Der “Royalist aus tiefster Überzeugung“ erzählt von vielen Anrufen der Queen, vom Nasebohren in Kirchen und Kniebeugen zur Sicherung körperlicher Fitness.

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Matthias Matussek, am 29. April moderieren Sie auf SpOn mit Martin Sonneborn den Live-Stream der Hochzeit zwischen William und Kate. Sie beteiligen sich also aktiv am offiziellen Beginn einer Symbiose des Elends zweier junger Figuren. Gab es neben Langeweile noch andere Motive für diesen teuflischen Plan?
Natürlich. Ich selbst bin ja Royalist aus tiefster Überzeugung, wie Sie wahrscheinlich wissen. Ich glaube, die Ehe der beiden wird auf jeden Fall länger halten als die der Eltern. Die beiden haben acht Jahre lang trainiert, das wird sicher eine Bombensache.

Ich gehe davon aus, Sie haben die persönliche Zustimmung der Queen?
Sicher hatte ich die Zustimmung. Sie hat sogar persönlich darauf bestanden, dass ich das mache. Die Queen und ich: Wir sind im Grunde genommen seit fünfzig Jahren zusammen, und sie ruft auch ab und an mal durch. Ich habe ihr ja als Zehnjähriger die Hand gegeben. Das hat sie nie vergessen. Ich wurde später übrigens häufiger mal von älteren Frauen angerufen. Mit der Queen wurde mir das manchmal zu turbulent. Ich habe dann meine Frau gebeten ihr zu sagen, ich sei nicht da.

Nur wenige der ganz Großen ertragen die soziale Belastung einer mehrstündigen Zusammenarbeit mit dem sehr britischen Martin Sonneborn. Wie muss man sich diese lange Zeit ganz praktisch vorstellen: wortkarg gestrandete Geister mit Fish & Chips im Smoking? Leichtfüßig romantische Frühlings-Kommentare?
Beides! Wir haben eine klare Aufteilung von Kompetenzen und Rollen: Er ist für die wortkargen Fish & Chips–Facetten zuständig. Ich mache die tänzerisch frühlingsleichte Kür. Nur so geht das auch. Ich kann ihn ja selber schwer ertragen. Er sich übrigens auch nicht. Mich allerdings erträgt Sonneborn noch weniger. Sie sehen, alles passt. Wir werden das mit Anstand und sehr britisch über die Runden bringen.

Die Hochzeit selbst erfordert ja auch für Kommentatoren in jeder Sekunde höchste Wachsamkeit und vollste Konzentration. Sind Sonneborn und Sie körperlich und psychisch auf diese Belastung vorbereitet?
Da gebe ich Ihnen recht, mit dieser Einschätzung sprechen Sie mir aus der Seele. Ich habe hart trainiert, wir haben übrigens auch einen Beitrag dazu produziert. Ich habe Kniebeugen gemacht und viel Wasser getrunken. Körperlich bin ich in einer Bombenform. Ich könnte drei Hochzeiten moderieren. Vielleicht mache ich aus der Hochzeitsmoderation noch einen Beruf. Insgesamt fühle ich mich bis in die Haarwurzeln motiviert.

Der Link zum Trailer der Live-Übertragung

Auch wenn Sonneborn und Sie den Brautstrauß nicht fangen werden:  Da entsteht ja durchaus Nähe und tiefe Verbindung zwischen Ihnen. Ist Ihre Frau nicht eifersüchtig?
Nein. Meine Frau ist im Geiste anwesend. Wir feiern an diesem Wochenende übrigens unseren zwanzigsten Hochzeitstag. Wir wollten eigentlich morgen miteinander nach Barcelona. Nun fliegt meine Frau schon einmal vor, ich komme dann nach. Ich nehme an, in Barcelona hat sich unser Hochzeitstag auch schon herumgesprochen. Da werden die Spanier auf der Straße sein. Mal sehen, wer die größere Menge zieht: Meine Frau und ich nach zwanzig Ehejahren mit unserem Hochzeitstag in Spanien, oder Kate und William in England. Die beiden haben an der Ehe-Front ja noch nichts geleistet und fangen als Verheiratete bei null an. Das könnte also knapp werden.

Mit ganztägigen Übertragungen auf vielen Kanälen wird ja bei diesem Event der Champions-League der Eheschließungen die mediale Dichte von Fukushima-Berichten annähernd erreicht. Zuschauer kommen aus dieser Nummer ja nur raus, wenn Sie Tele5, Tier TV, oder Bloomberg wählen. Warum sollten Fans des englischen Könighauses den SpOn-Stream klicken?
Bei SpOn ist die Kompetenz der Kommentatoren unerreicht. Da kommen auch Tier TV und Tele 5 nicht ran. Und: Man kann es auf dem Computer im Büro schauen. Während der Arbeit. Viele schauen halt Pornos, und nun betrachten sie eine Hochzeit. Man muss halt aufpassen, dass der Chef nicht vorbeikommt.

Auf welche Details des Events selbst sollten Royal-Banausen und unverheiratete Zuschauer denn achten?
Ohne Zweifel auf eine ganze Reihe von Klassikern: den vorschriftsmäßigen Abstand der Schuhspitzen zum Scheitel. Die präzise Einhaltung der Abwinkelung des Armes, wenn die Ringe getauscht werden. Ich glaube, es sind 38 Grad. Ganz wichtig ist immer, ob die Frisur sitzt. Ich persönlich habe ein besonderes Auge auf die Blumengebinde. Florale Themen bilden eines meiner Hobbys: Ich beschäftige mich in meiner Freizeit gerne mit Brautsträußen und Gestecken. Man muss auch darauf achten, ob jemand in der Kirche in der Nase bohrt. Eine präzise Kontrolle ist für konzentrierte Zuschauer heuzutage ja durchaus möglich: Man hat ja glücklicherweise alles in der Nahaufnahme.
Man kann auch nach zehn Unterschieden im Bilderrätsel zwischen linker und rechter Seite suchen – den Windsors und den Middletons. Es gibt als eine ganze Menge zu betrachten. Und, wem das nicht reicht, der kann sich auf die Messe konzentrieren, das ist immer ein Gewinn.

Sie selbst führen ja seit Jahren eine dieser orthodoxen Ehen, in denen die Beteiligten noch miteinander sprechen. Sie ganz persönlich: Hätten Sie Kate geheiratet?
Ich glaube, meine Frau hätte sie geheiratet. Ich finde, sie ist ganz nett. Allerdings, wenn man sich nicht fanatisch für Bergwandern interessiert, könnte man sich doch mit ihr langweilen. Meine Frau jedenfalls findet Kate sehr munter.

Für viele ist Ehe ja Wettbewerb um den Preis des besseren Menschen. Haben Sie als lebenserfahrener Ehe-Veteran einen Rat für William, der über ein plattes „Free Willy!“ hinausgeht?
Habe ich schon erwähnt, dass Kate ihn „Big Willie“ nennt?

Nein. Sie spielen auf eine mögliche genitale Eignung für Fernbeziehungen an?
(Lachend): Na ja, “Big Willie“  ist ein “großer“ Kosename. Er nennt sie ja wohl “Baby-Skin“. Zu Ihrer Frage eines Rates für William. Mein Rat ist: nie widersprechen und möglichst regelmäßig nicken. Im Grunde genommen ein Verhalten wie in jeder Diktatur. Man würde vom Hahn gehackt, hätte man den Mut, offen zu sagen, was man denkt. Das gilt auch für William.

Die Moderatoren-Kombi bietet ja Chancen auf künftige Expansion. Sind zukünftig beispielsweise 14-stündige Live-Berichterstattungen von Bundestags-Ausschuss-Sitzungen in der Planung? Mit Henry Maske als drittem Kommentatoren, damit zwischendrin auch mal die Herrentoilette aufgesucht werden kann?
(Lachend): Wunderbar. Das ist eine Anregung, die ich sofort weitergebe. Wird gemacht.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Christopher Lesko
Mehr über den Autor: www.leadership-academy.de

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