Locationgate: Apple erklärt sich endlich

Fast eine Woche nach seinem "Locationgate" äußert sich Apple endlich zu den Vorwürfen, die Bewegungsdaten seiner iPhone- und iPad-Kunden zu eigenen Zwecken zu speichern. In zehn Fragen und Antworten gibt das Unternehmen zu, die Daten gesammelt zu haben, behauptet aber, dass dies ein Versehen gewesen ist. Um das Problem zu lösen, stellen die US-Amerikaner ein Software-Update in Aussicht, das in den nächsten Wochen folgen soll. Dennoch bleiben einige Fragen offen.

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Die zehn Fragen haben wir zusammengefasst und sinngemäß übersetzt. Im Folgenden heißt es in Apples Pressemitteilung auf die Frage, warum das iPhone die Position des Users speichert: “Apple trackt nicht die Position Ihres iPhones. Apple hat das nie getan und hat das auch nicht vor.”

Auf die zweite Frage, warum jeder nun so bestürzt darüber sei, heißt es: “Mobilen Usern schnell und genau Ortsangaben zu übermitteln und gleichzeitig einen hohen Grad an Sicherheit zu gewährleisten, bewirkt komplexe technische Probleme, die nur schwer zu kommunizieren sind. Die User sind verwirrt, teilweise weil die Begründer dieser neuen Technologie (darunter auch Apple) zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet haben.”

Warum das iPhone dann aber den Standort mitloggt, erklärt man in Cupertino folgendermaßen: “Das tut es nicht. Vielmehr unterhält es eine Datenbank von Wlan-Hotspots und Funkmasten in Ihrer Umgebung (…). Die Berechnung eines Standortes nur über GPS-Daten würde mehrere Minuten dauern. (…) Die Berechnungen werden live auf dem iPhone crowdgestützt mit Daten von Millionen von iPhones bewältigt.”

Unter Punkt vier erklärt Apple, ob diese Datenbank komplett auf dem iPhone abgelegt wird: “Dafür ist die Datenmenge zu groß. Aus diesem Grund laden wir eine angemessene Grundbasis an Daten auf jedes Gerät. Dieser Cache ist geschützt, aber nicht verschlüsselt und wird via iTunes gesichert. Was darauf zu sehen ist, sind nicht die jeweiligen Standorte des iPhones, sondern die Position von Funkmasten und Wlan-Hotspots in der Nähe des Gerätes. Die können mitunter hundert Meilen entfernt sein.”

Auf die fünfte Frage, ob Apple die Nutzer aufgrund eines Wlan-Hotspots und Funkmasten orten kann, antwortet der Konzern, dass dies nicht erfolge. Die Daten würden anonymisiert und verschlüsselt an Apple gesendet, die Quelle könnte daher nicht identifiziert werden.

Unter Punkt sechs räumt Apple Programmierfehler ein: Es handelt sich dabei nicht um geobasierte Daten des iPhones, sondern ein Set an Funkmast- und Wlan-Hotspot-Standorten. (…) Die Tatsache, dass das iPhone so viel speichert, ist ein Bug, den wir aufgedeckt haben und schnell beheben werden. Wir glauben nicht, dass nicht mehr als sieben Tage an Daten gespeichert werden müssen.
Punkt Sieben behandelt den Vorwurf, warum das iPhone trotz der Abschaltung des Ortungsdienstes dennoch das Update der Wi-Fi- und Funkdaten fortsetzt. Die schlichte Antwort lautet dazu: "Das sollte nicht sein. Das ist ein Fehler, den wir schnell beheben werden."

Punkt acht beantwortet die Frage, welche Daten Apple neben den WiFi-Hotspots und den Handy-Funkmasten, was bereits bekannt war speichert. Der US-Konzern verrät, dass man anonymisierte Verkehrsdaten sammle, um in den nächsten Jahren einen verfeinerten Verkehrsservice aufzubauen.

Unter neuntens beschäftigt sich das Technologie-Unternehmen mit der Frage, ob man Daten an Dritte weitergibt? Die Antwort ist, dass das nur anonymisiert passiert oder dann, wenn die Kunden dem zugestimmt hätten.

Zum Abschluss versichert Apple noch einmal treuherzig, wie wichtig dem Unternehmen die Sicherheit der persönlichen Nutzerdaten seiner Kunden sei.

Apple-Patent mit ausführlichen Datensammelplänen
Apples Erklärung liest sich zu Teilen wie die Umkehrung eines beliebten Spruchs unter Geeks: "It`s not a bug, it`s a feature", zu Deutsch "Es ist kein Fehler, es ist ein Feature." Nun sei dem Konzern ein Fehler unterlaufen. Man habe nie geplant, en masse Daten abzugreifen. Doch wie wir heute bereits berichteten, beweist ein jüngst eingereichtes Patent von Apple das Gegenteil.

Unter dem Titel “Location histories for location aware devices” erklärt der Konzern, wie er mit Hilfe von GPS-Chip, Kompass und Wlan-Antenne geobasierte Daten sammeln will. Vom detaillierten Bewegungsprofil bis hin zur Verknüpfung von Ortsangaben mit Finanztransaktionen.

Bei dem Patentantrag handelt es sich nicht um den Entwurf zu einem neuen iPhone, sondern um ein Software-Update für Apples mobiles Betriebssystem iOS. In dem Papier erwähnt der Senior Engineer Ronald Huang mehrmals, dass die gesammelten Daten zu sogenannten Remote-Servern geschickt würden, also nicht mehr nur lokal aus dem iPhone bzw. iPad und dem Computer gespeichert würden. Zuvor hatte Apple in seinen AGB lediglich eingeräumt, derlei Daten nur mit Einwilligung des Kunden zu aggregieren. Außerdem findet sich eine Skizze zu einer Verwaltungs-App namens "Location History", die vom Look sehr an das mittlerweile bekannte Programm "iPhone Tracker" erinnert.

Es bleibt interessant zu beobachten, inwieweit Apple künftig das Einverständnis seiner Kunden sucht, bevor es mit dem Anlegen detaillierter Bewegungs-Dossiers beginnt.

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