Apple verdient 6 Milliarden Dollar in 90 Tagen

Die Skepsis war groß: Produktionsverzögerungen durch Japan? Ein schwächerer Start des iPhones bei Verizon? Mitnichten: Als Apple nach Handelsschluss die Geschäftsdaten für das abgelaufene Quartal bekannt gab, war es wie in den vergangenen Jahren – die Analystenschätzungen wurden pulverisiert. Unglaubliche 6 Milliarden Dollar verdiente Apple in den ersten 90 Tages des Jahres – das waren 95 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Während die iPhone-Absätze explodierten, enttäuschten aber die iPad-Umsätze.

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Die Skepsis war groß: Produktionsverzögerungen durch Japan? Ein schwächerer Start des iPhones bei Verizon? Mitnichten: Als Apple nach Handelsschluss die Geschäftsdaten für das abgelaufene Quartal bekannt gab, war es wie in den vergangenen Jahren – die Analystenschätzungen wurden pulverisiert. Unglaubliche 6 Milliarden Dollar verdiente Apple in den ersten 90 Tages des Jahres – das waren 95 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Während die iPhone-Absätze explodierten, enttäuschten aber die iPad-Umsätze.

So verrückt kann die Börse sein: Bis auf exakt 320 Dollar dippte die Apple-Aktie am Montagmorgen zurück – damit hatte die Wall Street alle Gewinne des laufenden Jahres wieder geschluckt, die Aktie notierte sogar kurz für 2011 im Minus – ganz so, als habe es kein Rekordquartal im Januar gegeben, keinen Start des iPhones beim größten amerikanischen Mobilfunkprovider Verizon, kein iPad 2, das früher als erwartet in die Läden kam.

Rund 10 Prozent höher notiert die Apple-Aktie 55 Stunden später – allein rund 3 Prozent kamen nach Handelsschluss an der Wall Street hinzu. Dabei kann Apples positive Quartalsüberraschungen kaum mehr einen Anleger überraschen: Das wertvollste Technologie-Unternehmen der Welt ist bekannt für seinen notorisch konservativen Ausblick, um dann bei Bekanntgabe alle Erwartungen zu überbieten.

In einer eigenen Liga: Gewinne explodieren um 95 Prozent, Umsätze um 83 Prozent

So auch diesmal: Auf 4,90 Dollar je Aktie hatte Apple selbst seine Gewinnerwartungen für das Ende März abgelaufene Quartal taxiert. Mit 5,35 Dollar rechnete der Durchschnitt der befragten Top-Analysten. Und was präsentierte Apple? Einen Quartalsgewinn von 6,40 Dollar je Anteilschein!

Die Gewinnentwicklung ist gleich in dreifacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen liegt Apple im traditionell saisonal schwächsten Quartal des Kalenderjahres (Apples zweites des Geschäftsjahres) damit nur ganze 3 Cent unter dem Rekord des Weihnachtsquartals zurück. Noch bemerkenswerter: Apple hat in ganzen 90 Tagen 6 Milliarden Dollar verdient!

Und mehr noch: Apples Quartalsgewinne explodierten binnen Jahresfrist um unglaubliche 95 Prozent – das ist für ein Technologie-Unternehmen in dieser Größenordnung eine bisher nicht erreichte Gewinndynamik.

Umsatzbringer: Die Hälfte aller Erlöse bereits durch das iPhone
Mit welchem Momentum Apple in diesen Tagen produziert, beweist ein Blick auf die erstaunliche Umsatzentwicklung: Die Erlöse explodierten zwischen Januar und März förmlich um 83 Prozent auf 24,7 Milliarden Dollar. In anderen Worten: Binnen zwölf Monaten konnte Apple 11,2 Milliarden Dollar mehr Erlöse verzeichnen als im selben Dreimonatszeitraum 2010. Auch diese Steigerung ist in der Technologiebranche unerreicht.

Treiber des Umsatzbooms bei Apple ist in allererster Hinsicht der Berstseller iPhone. 18,65 Millionen Apple-Smartphones gingen im zweiten Quartal des Geschäftsjahres über die Ladentische, was einer Steigerung von 113 Prozent entsprach – und das, obwohl das iPhone 4 bereits seit Juni letzten Jahres auf dem Markt ist. In anderen Worten: 50 Prozent des Apple-Umsatzes geht bereits auf das iPhone zurück!

iPad-Enttäuschung: Angebot kann nicht mit der Nachfrage mithalten

Die Computer-Sparte entwickelte sich mit einem Plus von 28 Prozent auf 3,8 Millionen verkauften Macs nach Apple-Standards dagegen fast solide, während der Absatz-Rückgang beim MP3-Player iPod um 17 im zehnten Jahr des Bestehens keine Überraschung war.

Wohl aber die doch deutlich schwächer als erwartet ausgefallenen Abverkäufe des neuen Kassen-Schlagers iPad. "Nur" 4,7 Millionen Tablet-Macs konnte Apple zwischen Anfang Januar und Ende März verkaufen – die Analysten-Schätzungen hatten zumindest bei 6 Millionen iPads gelegen.

Woher kommt die unerwartete Enttäuschung: Sind Hype und die turmhohen Erwartungen doch über die reale Nachfrage nach dem Apple-Tablet geschossen? Die Praxis zeigt in diesen Tagen, dass das Problem woanders liegt: iPads sind Deutschland wie auch in anderen Ländern der Welt nur sehr schwer zu bekommen – ganz einfach, weil die Nachfrage die Produktion übersteigt.

Conference Call: Steve Jobs weiter regelmäßig im Tagesgeschäft dabei

So erklärte zumindest Apple-COO Tim Cook, der weiter für den kranken CEO Steve Jobs die Geschäfte leitet, die Absatzproblematik: Jedes iPad 2, das hergestellt wurde, sei verkauft worden, so Cook. Apple konnte die hohe Nachfrage jedoch nicht so schnell bedienen. In anderen Worten: Mehr iPad-Abverkäufe wären möglich gewesen.

Im laufenden Quartal sei die Produktion nun hochgefahren worden, so dass die Nachfrage besser bedient werden könne. Die Lieferzeit hatte sich zuletzt auf ein bis zwei Wochen entspannt.  Produktionsbeeinträchtigungen durch die Erdeben-Katastrophe in Japan erwartet Apple zudem nicht, stellte Tim Cook im Conference Call klar. 
Steve Jobs’ Krankheitszustand kommentierte Apple weiterhin nicht. Tim Cook erklärte aber im Conference Call, Jobs besuche die Apple-Geschäftszentrale regelmäßig. Allein diese Aussage reichte Anlegern, um die Apple-Aktie im nachbörslichen Handel noch weiter nach oben zu schicken. In der Spitze zog das Papier um 14 Dollar an, gegen Ende des nachbörslichen Handels um 2 Uhr deutscher Zeit blieb noch immer ein Plus von knapp 11 Dollar auf 353 Dollar.

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