Steve Jobs: „Wir überwachen niemanden“

Ein verzögerter PR-GAU: Dank Ostern bekommt der Skandal um geodatenverschlingende iPhones und iPads erst heute die volle Aufmerksamkeit. Denn ohne Feiertage und Leser, die lieber im Garten Eier suchen, wäre Apple schon früher in Erklärungsnöte gekommen. Dabei hat die Meldung, dass iPhone und iPad die Bewegungsdaten ihrer User speichern, alles, was es für eine PR-Panne braucht: verärgerte Verbraucher und ein Konzern, der den Vorgang dementiert.

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Dabei wähnte sich Apple Mitte der Woche noch auf seinem vorläufigen Höhepunkt. Mit den aktuellen Quartalszahlen “pulversisierte” das Unternehmen geradezu die Analystenschätzungen. Sechs Milliarden Dollar verdiente der Technologie-Konzern in den ersten 90 Tagen des Jahres – das waren 95 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Genau aus diesem Grund könnte der Bewegungsdaten-GAU das US-Unternehmen so hart treffen, dass die Rekordzahlen einen Wendepunkt in der iPhone-Erfolgsgeschichte markieren.
Daten werden unverschlüsselt abgelegt
Seit Donnerstag, also wenige Stunden nach der Verkündung der Geschäftszahlen, ist bekannt, dass das Betriebssystems iOS 4 die Bewegungen der iPhone- und iPad-Besitzer speichert. In die Datei "consolidated.db." schreibt das Handy den Längen- und Breitengrad, an dem der Nutzer sich gerade befindet, und versieht die Infos mit einem Zeitstempel. So lässt sich von jedem Nutzer ein genaues Bewegungsprofil erstellen.

Die Datei, in der die Daten abgelegt werden, befindet sich auf den Smartphones und wird bei jeder iTunes-Synchronisation auch auf den Computer übertragen. "Noch schlimmer wird es dadurch, dass die Datei unverschlüsselt auf dem Rechner gespeichert wird", bloggen die Entwickler eines Tracking-Tools, Pete Warden und Alasdair Allan, in einem Eintrag auf O’Reilly‘>. So könne jeder sie auslesen, der Zugriff auf den PC habe.

"Die Information ist falsch"
Nun liegt ein Statement von Steve Jobs vor – ein sehr knappes allerdings
. Der Apple-Chef antwortet darin auf eine Mail eines erbosten Kunden, der droht, zu Android zu wechseln. Immerhin würde Google ja keine "Überwachung" vornehmen. Jobs‘ Antwort: "Doch, tun sie." Weiter heißt es: "Wir überwachen niemanden. Die Information, die derzeit die Runde macht, ist falsch."
Die Folge: Über die Beweggründe, warum iPhone und iPad die Daten speichern, kann nur spekuliert werden. Die beiden Entwickler vermuten, dass der Technologiekonzern an Funktionen arbeitet, die auf Geodaten zugreifen müssen – zum Beispiel ortsbezogene Werbung.
Droht Apple ein Bußgeld in Deutschland?
Eine weitere Möglichkeit beschreibt Konrad Lischka für Spiegel Online im Bezug auf die Android-Speicher-Aktivitäten: Um Strom zu sparen und in Straßenschluchten mit schlechtem GPS-Empfang schneller die Position zu bestimmen, nutzen beide Geräte auch Informationen von Mobilfunk-Masten und W-Lan-Hotspots.
Auch Handys mit Googles freiem Betriebsystem speichern die Bewegungsdaten. Google hat sich mittlerweile dazu geäußert. Im Vergleich zu den Apple-Aktivitäten kommen die Android-Daten, weil sie bei weitem nicht so viel und nicht so lange vorgehalten, jedoch eher wie virtuelle Waisenknaben daher.
Im Duell um das datensichere System hat Android offenbar die Nase vorn. Rechnet man den Imageverlust durch die aktuelle Datendiskussion hinzu, könnte es tatsächlich sein, dass sich Apples iPhone-Abhängigkeit schon bald rächen könnte: Die Verkäufe fielen, und die Rekordbilanz würde für lange Zeit nicht mehr überboten. Aber bis dahin müsste die Affäre noch kräftig eskalieren. Und dafür ist gesorgt.

Der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Kranig hat Apple mit einer Klage gedroht. Apple müsse erläutern, was mit den Geodaten der User geschehen soll. Sollte das Unternehmen keine ausführliche Erklärung bis zum 10. Mai abgeben, könnte ein Bußgeld in Höhe von 300.000 Euro fällig werden. „Auch ein großer Konzern, der sich in Deutschland bewegt, muss sich an deutsche Gesetze halten“, sagte Kranig.

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