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re:publica 11: Wir sind das Event

Die fünfte Auflage der Blogger-Konferenz re:publica ist gestern in Berlin gestartet. Die Trendveranstaltung stößt dabei an ihre Grenzen: Die Vorträge sind bei geschätzten 3000 Teilnehmern inzwischen ziemlich überfüllt, sodass viele die Sessions im Stehen verbringen. Das WLAN ist wie im Vorjahr eher theoretisch vorhanden und der Erkenntnisgewinn des ersten Tages scheint überschaubar. Was zählt, ist das Zusammentreffen – nicht das Ergebnis.

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Die fünfte Auflage der Blogger-Konferenz re:publica ist gestern in Berlin gestartet. Die Trendveranstaltung stößt dabei an ihre Grenzen: Die Vorträge sind mit geschätzten 3000 Teilnehmern inzwischen ziemlich überfüllt, so dass viele die Sessions im Stehen verbringen. Das WLAN ist wie im Vorjahr eher theoretisch vorhanden und der Erkenntnisgewinn des ersten Tages scheint überschaubar. Trotzdem sind fast nur zufriedene Gesichter auf der re:publica zu besichtigen. Was zählt, ist das Zusammentreffen – nicht das Ergebnis.

Am Ende ist es wie immer. Sascha Lobo steht auf der Bühne des Friedrichstadt Palasts, und das Publikum, das in Scharen gekommen ist, lacht, klatscht sich auf die Schenkel und feiert den immer noch einzig echten Popstar der deutschen Social Media-Szene. Dabei ist eigentlich nichts wie immer. Es geht um keinen viel diskutierten Vodafone-Spot, nicht um die digitale Bohème – sondern eher um ihr Schattenreich. Die Trolle.

Sascha Lobo wirkt damit ein bisschen wie ein Nischenperformer, der seine Kunstform gefunden hat – dabei ist er der unangefochtene Headliner der re:publica 11. Und er ist in Hochform. Wie schon im Vorjahr besetzt der 35-Jährige das Prime-Time-Event  der re:publica – die 19 Uhr-Veranstaltung, und der Web-Tausendsassa bleibt seinem Publikum dabei keinesfalls etwas schuldig.

Die Lobo-Show: Über Trolle – und deren Notwendigkeit
Der einstündige Vortrag über seine neusten Erkenntnisse der Trollforschung ist sehr unterhaltsam , die Pointen sitzen, das Web-Urgestein spült sein Repertoire noch routinierter ab als im Vorjahr, als der Alpha-Blogger überraschende Einblicke in Angriffe auf seine Privatsphäre gewährte.

Diesmal kann Lobo darüber nur noch lachen – und verhöhnt die Trolle mit Spiegelungen ihrer Handlungen in Foren – aus Trollen werden via Fake-Profilen doppelte und dreifache Trolle, die sich schließlich in herrlich grotesker Weise selbst widersprechen. Am Ende ist alles ohnehin nur halb so schlimm: Trolle sind ein notwendiger Teil des Ökosystems Internet, so die Quintessenz von Lobos einstündigem Vortrag.

Aber warum erzählt Lobo das überhaupt? Sein rhetorisch perfekt einstudierter Vortrag steht exemplarisch für das Dilemma der diesjährigen Veranstaltungen: Die ganz großen Themen fehlen, was bleibt ist der Rückzug ins Private – es ist schließlich so ziemlich alles schon einmal gesagt und geschrieben worden. Der Alpha-Blogger erklärt vielsagend in einem Nebensatz, die deutsche Blogosphäre habe sich in den vergangenen Jahren kaum weiterentwickelt, was ein anderer Vortrag am Nachmittag durchaus in der Rückständigkeit der deutschen Blog-Bereitschaft untermauert.
 
Erkenntnis von Tag eins: "Die Zukunft ist offline"
Mit wem man im Friedrichstadt Palast, der Kalkscheune oder später auf dem Get-Together der Social Media- und Internet-Szene, der Google-Party in Clärchens Ballhaus, spricht – der Tenor ist klar: Etwas bahnbrechend Neues gab es nicht zu besichtigen am Tag eins der deutschen Blogger-Konferenz – aber das ist auch eigentlich allen egal, schließlich geht es um das zwanglose Zusammentreffen, nicht um den Output.

Für Output sorgte allerdings Markus Beckedahl und stellte den neu gegründeten Verein "Digitale Gesellschaft" vor, eine Art Interessenvertretung aller Web-User in Deutschland. Das Ziel: ein offenes, freies Internet.

Doch letzten Endes geht es bei der re:publica ums Zusammensein. Und das scheint durchaus auch analog zu funktionieren: "Was mir die #rp11 heute klar machte: Die Zukunft ist offline", twitterte ein Besucher. "Das Beste an der #rp11: Die Menschen. Die Echten. Die Lieben", ein anderer. Und Sascha Lobos Co-Autorin Kathrin Passig ("Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin") merkte an: "Traurigster Satz heute: "Hast du mal einen Stift, damit ich mir deinen Twitternamen aufschreiben und dir später folgen kann?". Tatsächlich: Das nicht-digitale Leben scheint wieder ein Stück wichtiger zu werden – auch das ist ein Trend.

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