Quotenkrise: Quo vadis, „stern TV“?

Dass es für den Nachfolger von Günther Jauch schwierig werden würde, war wohl jedem klar. Zu sehr hatte der Moderator sein Magazin "stern TV" in den vergangenen 21 Jahren geprägt. Doch dass es für Steffen Hallaschka so schwer wird, irritiert sicher den einen oder anderen Entscheidungsträger bei RTL und dem "stern TV"-Produzenten i&u. Seit neun Wochen hat es das Magazin bei den 14- bis 49-Jährigen nicht mehr geschafft, die 18%-Marke zu knacken. In den vergangenen zehn Jauch-Jahren gab es nie eine solche Schwächeperiode.

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Dabei konnte der neue Moderator eigentlich kaum einen komfortableren Start bekommen. Nach der Übergabe-Sendung am 5. Januar, die dem Magazin einen grandiosen Marktanteil von 25,1% bescherte und der ersten regulären Hallaschka-Ausgabe, die wegen des Neugier-Faktors auf 19,0% kam, sendete er zweimal im direkten Anschluss an den Quotengiganten "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" – und profitierte mit 26,6% und 29,8% auch sehr.

Obwohl in diesen vier Wochen also wahrscheinlich genügend potenzielle Zuschauer den neuen "stern TV"-Mann kennen lernten, sprangen sie in der Folge nach und nach ab. Die bisherigen 12 Ausgaben der Monate Februar bis April erreichten nur einen miesen Zielgruppen-Marktanteil von 15,8%. Für einen Sender, der in den vergangenen 12 Monaten auf 18,6% kam, absolut kein befriedigendes Ergebnis. Nur eine der 12 Ausgaben erzielte eine 18 vor dem Komma.

Doch warum ist diese Quotendelle bei "stern TV" entstanden? Steffen Hallaschka macht seinen Job schließlich alles andere als schlecht, überzeugt mit einem Mix aus Lockerheit und Seriosität. Und die Redaktion, die das Magazin seit so langer Zeit mit Unterhaltsamem und Ernstem bestückt, wurde ja nicht ausgewechselt. Selbst der Quotenhit "Let’s dance" im direkten Vorprogramm konnte "stern TV" bisher nicht helfen. Die Publikums-Entscheidung der Tazshow wurde sogar wieder aus dem Magazin ausgegliedert, nachdem sie dort in den ersten Wochen nicht überzeugen konnte.

Offenbar hat das Publikum die beiden Marken "stern TV" und "Günther Jauch" so sehr miteinander verknüpft, dass es das Magazin nicht nur des Magazins wegen, sondern zu einem großen Teil wegen Jauch eingeschaltet hat. Hallaschka und "stern TV", einer der traditionsreichsten Marken des deutschen Privatfernsehens, ist es zu gönnen, dass das Publikum sich nach und nach umgewöhnt und Gefallen an dem neuen Moderator findet. Gelungen ist das interessanterweise schon bei den 14- bis 29-Jährigen und den 50- bis 64-Jährigen. Hier lag Hallaschka in den Monaten Februar bis April schon über den Jauch-Vergleichswerten des Vorjahres.

Angst vor einem schnellen Aus müssen Hallaschka und Jauchs Produktionsfirma i&u aber ohnehin nicht haben: "stern TV" wird im Rahmen einer Drittsendelizenz ausgestrahlt, RTL könnte das Magazin also auch bei noch schlechteren Quoten gar nicht so einfach absetzen.

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