Anzeige

Warum Sex-Ferkel keine Schlagzeile wert sind

Sie trägt den Verlobungsring der Frau, die auf der Flucht vor Paparazzi tödlich verunglückte. Kate Middleton wird Vergleichen mit Diana nicht entgehen können, aber das Königshaus hat aus der tragischen Geschichte gelernt und mahnt die Britische Presse ständig aufs Neue zur Zurückhaltung. Die Folge: In den britischen Boulevard-Zeitungen und Klatschblättern findet sich deutlich weniger "Sensationelles", sprich: abgrundtief Fieses, über Kate als in Bild, Bunte & Co.

Anzeige

Sie trägt den Verlobungsring der Frau, die auf der Flucht vor Paparazzi tödlich verunglückte. Kate Middleton wird Vergleichen mit Diana nicht entgehen können, aber das Königshaus hat aus der tragischen Geschichte gelernt und mahnt die Britische Presse ständig aufs Neue zur Zurückhaltung. Die Folge: In den britischen Boulevard-Zeitungen und Klatschblättern findet sich deutlich weniger "Sensationelles", sprich: abgrundtief Fieses, über Kate als in Bild, Bunte & Co.
Als ich im Dezember in Deutschland war, kam das Gespräch beim Kaffeeklatsch mit einer alten Schulfreundin auf die Königliche Hochzeit. „Na, die hat ja ’ne heiße Familie“, meinte sie mit leuchtenden Augen. Meine Freundin gehört normalerweise nicht zur typischen Zielgruppe für People-Magazine. Ich dagegen musste dumm nachfragen, denn bei uns auf der Insel wird weitaus weniger Skandalöses über die junge Dame berichtet. Eine Story, wie sie die Bild ("Dieses Sex-Ferkel wird Prinz Williams‘ Verwandte") zum Wochenstart brachte, wäre in England undenkbar. Und das in einem Land, in dem die Boulevard-Presse sonst kein Pardon kennt.
Seit dem Diana-Drama werden in Großbritannien die Royals – und Kate gehört im Prinzip schon seit Jahren dazu – deutlich respektvoller behandelt als anderswo. Nach dem Tod von Williams‘ Mutter wurde die Presse dazu verpflichtet, das Recht auf Privatsphäre im Sinne des Europäischen Menschenrechtsgesetzes zu respektieren. "Private Orte" können seitdem auch in der Öffentlichkeit liegen, wenn man dort von Privatsphäre ausgehen kann (z.B. in einer Kirche oder einem Restaurant). Und die Hetzjagd der Paparazzi wurde nicht nur untersagt, Chefredakteure tragen auch Verantwortung dafür, dass derartiges Material nicht veröffentlicht wird.
Die Medien haben sich seit dieser Regeländerungen von der Press Complaints Commission (PCC), bis auf wenige Zwischenfälle, zurückgehalten. Es sei denn, die Geschichte war im öffentlichen Interesse. Im Gegenzug gibt es regelmäßig offizielle Fototermine mit den Royals,  z.B. beim jährlichen Skiurlaub.

Aber dieser Verhaltenskodex trifft nicht auf ausländische Medien zu. Weder ist die PCC dafür verantwortlich, noch hat Clarence House – der offizielle Sitz der Prinzen Charles, William und Harry – ein Auge drauf. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Bilder von Kate, die sie an Weihnachten 2009 beim Tennisspielen zeigen. Die Familie Middleton beschwerte sich bei der PCC wegen Verletzung ihrer Privatsphäre. Auch wenn dies eine private Klage war und Kate zu der Zeit noch nicht offiziell zum Clan gehörte, wurde sie von der gleichen Kanzlei wie Queen Elizabeth II vertreten. Harbottle & Lewis erreichte, dass die englische Bildagentur Rex Features die Aufnahmen zurückzog und Kate eine Kompensation von 5000 englischen Pfund zugesprochen wurde. Erst im November zuvor hatte die Königin ein Paparazzi-Verbot angekündigt, wonach Fotographen beim Ablichten der Königsfamilie in "privaten Situationen" rechtlich belangt werden. Obendrein bat die Queen um Privatsphäre zur Weihnachtszeit. Die Britische Presse hielt sich an die Bitte – die Tennis-Bilder wurden nur in Deutschland veröffentlicht.
Dies war bei Weitem nicht das erste Mal, dass Kate, wie auch Diana, konstant von Fotographen belagert wurde. Als sie an ihrem 25. Geburtstag von ihrer Haustür zu ihrem Auto ging, wurde sie von einer Meute von Paparazzi verfolgt. Auch wenn sie sich zusammenriss und weiter mit leicht gesenktem Kopf ihren Weg ging, stand ihr die Angst ins Gesicht geschrieben. Die Bilder erinnerten an Diana, die keinen Schritt ohne ein Kameraobjetiv vor der Nase machen konnte. Charles und William baten die Presse, Kate in Ruhe zu lassen, und vielen Zeitungen verbannten Paparazzi-Bilder von Kate von ihren Seiten.
Aber nun gehört Kate offiziell zur Familie, und das Interesse an der bürgerlichen Tochter war nie größer. Anfang April kontaktierten die Middletons die PCC, weil sie sich von Fotographen belästigt fühlten. Nicht nur Kate, sondern auch ihre Schwester Pippa und ihre Mutter Carole wurden danach von Paparazzi verfolgt. Auch wenn sich die Middletons und St. James Palace dankbar zeigten, dass die Presse sich in den vergangenen Monaten an die Regeln gehalten hat, schien eine freundliche Mahnung doch nötig.

Um den Spagat zwischen dem Auflagegaranten Royals und der geforderten Zurückhaltung zu meistern, haben sich die meisten nun auf positive bis besorgte Berichterstattung eingeschossen. Wie die meisten Bräute scheint auch Kate vor ihrer Hochzeit auf Diät zu sein. Daher kann man offizielle Bilder von ihr wunderbar benutzen, um ihren Gesundheitszustand zu diskutieren. Ist sie, wie Diana, bulimisch? (Falls es Sie interessiert, das Thema wird fast ausschließlich in der Presse und nicht im Volk diskutiert.) Weitere beliebte Themen sind Kates wundervoll stabile Familie, Spekulationen um das Aussehen des Brautkleides, ihre Freundschaft mit Camilla, und ihre teilweise unglückliche Schulzeit.

Im Ausland sieht man das etwas entspannter. Die allseits beliebten Bilderstrecken von Outfits sind hier nur positiv. Deutsche Titel wie Gala oder Bunte sprenkeln auch schon mal Fauxpas und "peinliche" Outfits mit rein. Details über Kates trinkfreudigen Bruder James, ihren Onkel Gary Goldsmith, der Undercover-Reportern Kokain und Prostituierte angeboten haben soll, oder die entfernte Verwandtschaft des Paares (Cousins zwölften Grades), sind in Großbritannien weit weniger bekannt als in Deutschland.

Der Tenor der Berichterstattung ist natürlich positiv, schließlich geht es um das royale Traumpaar dieser Generation, aber abseits des strengen Blickes der königlichen Pressestelle scheint man etwas mehr zu riskieren. Und die deutschen Magazine sind bei Weitem nicht so wild wie der amerikanische Tabloid Star, der Kate gerade zum zweiten Mal fälschlicherweise für schwanger erklärt hat.
Der Alptraum von Diana sitzt auf der Insel noch vielen in den Knochen. Die Queen hat Kate dazu geraten, sich bewusst von Diana abzusetzen und sich nicht für die gleichen wohltätigen Zwecke zu engagieren. Und William hat bei seinem Heiratsantrag versprochen, Kate zu "lieben und zu beschützen".
Das wurde als klare Ansage an die Presse interpretiert, dass er Hetzjagden wie zu Dianas Zeiten nicht dulden wird. Und Kate? Sie gilt als bodenständig und hatte lange Zeit, sich auf diese Rolle vorzubereiten. Ihre Traumrolle sogar, denn angeblich wollte sich schon als Teenager gern Prinzessin werden. Bleibt zu hoffen, dass die Paparazzi sich an die Regeln halten und nicht zu den schlechten alten Tagen zurückkehren.
P.S.: Der Palast hat das Internet entdeckt. So wird die Hochzeit auf YouTube zu sehen sein, zudem werden Angestellte der Paläste in einem Multimedia-Blog, in Twitter-Feeds und auf Flickr posten.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige