Plagiatsverdacht gegen Koch-Mehrin erhärtet

Von wegen Pillepalle: Plagiatsjäger haben Silvana Koch-Mehrin Täuschungen auf 56 von 201 Seiten in ihrer Dissertation nachgewiesen. "Oftmals über mehrere Absätze hinweg", heißt es, habe die FDP-Politikerin Textstellen von anderen Autoren kopiert, ohne dies kenntlich zu machen. Besonders häufig habe sie sich bei Handbüchern der Wirtschaftswissenschaft und der Wirtschafts- und Sozialgeschichte bedient. Im Gegensatz zu zu Guttenberg schweigt die Europa-Abgeordnete zu den Vorwürfen.

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Die Plagiatsjäger vom VroniPlag Wiki haben einen Zwischenbericht als PDF-Datei veröffentlicht, in dem sie offen legen, wo und in welchem Umfang sich die kopierten Textstellen in der Doktorarbeit befinden. "In der untersuchten Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht oder nicht hinreichend als Zitat gekennzeichnet wurden", schreiben die anonymen Sammler. Auf mehreren Seiten soll die FDP-Frau sogar mehr als 75 Prozent des Inhalts abgeschrieben haben. "Dies stellt eine eklatante Verletzung wissenschaftlicher Standards dar."
Weiter gehen die Web-Aktivisten davon aus, dass die Täuschungen "bewusst getätigt wurden", denn die Plagiate seien "über die gesamte Dissertation hinweg zu finden". Es stelle sich die Frage, "ob es durch die Förderung der Arbeit durch die Friedrich-Naumann-Stiftung mit Mitteln des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie zu einer Zweckentfremdung von Steuergeldern gekommen ist".
Ähnlich wie in der Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg sammeln die Plagiatsjäger auf einer zentralen Internetplattform alle Stellen, die Koch-Mehrin kopiert haben soll. 1998 wurde die FDP-Frau in Heidelberg mit der Dissertation "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865 – 1927" promoviert. Ihr Doktorvater war Volker Sellin. Seit 2001 ist ihre Arbeit öffentlich zugänglich und wurde mit "cum laude", also einer guten Leistung, bewertet.
Ganz so eklatant wie im Fall Guttenberg sind die Plagiate von Koch-Mehrin aber offenbar nicht. In der Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers fanden die Web-Spürnasen abgeschriebene Stellen auf 371 von 393 Seiten. Für die FDP-Politikerin kommt jedoch erschwerend hinzu, dass im Zeitraum der Erstellung der Dissertation Onlinequellen kaum verfügbar waren. Ein einfaches "copy and paste" war ihr deshalb nicht möglich. Einen Teil ihrer Arbeit muss sie also abgetippt haben. Das erschwert auch die Suche der VroniPlag-Mitarbeiter, die die Literatur erst beschaffen und digitalisieren müssen.

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