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Jagd auf den digitalen Doppelgänger

Im Internet geben wir fast alles preis. Facebook, Twitter und Co. wissen mehr über manchen als dessen bester Freund. Diese Schludrigkeit mit persönlichen Informationen nimmt das ZDF zum Anlass, um mit dem Film "Wer rettet Dina Foxx?" für das Thema Datenschutz zu sensibilisieren. Der Clou an der Produktion: Nach der Ausstrahlung des 50-minütigen Thrillers läuft der Krimi im Web weiter, und jeder Zuschauer wird aufgefordert, nach dem Mörder zu fahnden.

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Dieses vom ZDF als "Cross-Media-Projekt" angepriesenes Spielchen läuft schon seit einigen Wochen. Auf freidaten.org berichten die Macher täglich über Datenschutzthemen, so sollen Realität und Fiktion verschwimmen. Das wirkt aber spätestens seit dem aktuellen Blogeintrag auf der Webseite albern. "Nachdem wir seit zwei Tagen nichts mehr von Dina gehört haben, bin ich einmal bei ihr vorbeigegangen und habe gesehen, dass ihre Wohnung von der Polizei (!) versiegelt wurde", heißt es da. Weiter steht auf freidaten.org: "Allerdings habe ich erfahren, dass es heute abend nach dem Fußballspiel (21.15 Uhr, ZDF) einen aktuellen Beitrag auf dem ZDF geben wird." Vielleicht hätten die vom Fernsehen ja mehr erfahren als man selbst.
Ähnlich flach kommt der – ansonsten gute – Film streckenweise daher. Als "Datagrrl" erklärt Dina Foxx (gespielt von Jessica Richter) bei freidaten.org, wie man sich vor der Datensammelwut von Staat und Konzernen schützt. Nicht selten erinnern ihre Sprüche an den erhobenen Zeigefinger, nach dem Motto "Pass bloß auf, was du da machst!". Ihre freidaten-Freunde fühlen sich verraten, als Dina zu der Firma Avadata wechselt. Dort wirbt sie für ein Programm, das eine Art Daten-Radiergummi ist, mit dem im Netz verstreute unliebsame Informationen gelöscht oder eingesammelt werden können.
Ihrem Freund Vasco (Max Woelky), der ebenfalls bei Avadata arbeitet, stoßen immer seltsamere Dinge zu, wie falsche Bankbuchungen und Unfälle. Als Vasco zunehmend paranoider wird und sich von Dina trennt, wird er kurz darauf tot aufgefunden. Dina ist fest überzeugt, dass ihr Freund ermordet wurde. Auf eigene Faust beginnt sie mit Nachforschungen. Dabei stößt sie auf die Firma Qoppamax, über die Vasco zuletzt recherchiert hatte. Sie ist sich sicher: Vasco war einer großen Sache auf der Spur. Doch dann wird sie selbst für den Mord verantwortlich gemacht und verhaftet. Die Beweislage ist erdrückend. Ihre Verteidigung erscheint zunehmend wirr: Sie behauptet, von einem digitalen Doppelgänger manipuliert zu werden.
Trotz der zum Teil plumpen und zu offensichtlichen Forderungen an die Zuschauer, vorsichtig mit ihren Daten umzugehen, ist "Wer rettet Dina Foxx?" ein spannendes Experiment. Denn heute ab Mitternacht kann jeder auf freidaten.org miträtseln, wer der Mörder von Vasco ist und so Dina aus dem Knast befreien. Dazu werden Videos, Blog- und Facebook-Einträge über drei Wochen lang Hinweise geben. Zu klären bleibt aber noch, ob die Online-Jagd nach dem digitalen Doppelgänger spannend genug gestaltet wird. Fest steht jedoch: Zumindest der Film bietet spannende 50 Minuten.
"Wer rettet Dina Foxx?" läuft heute ab 23.20 Uhr im ZDF. Anschließend startet die Web-Fahndung.

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