„Die Royals werden behandelt wie Popstars“

Die William- und Kate-Festspiele sind ab heute eröffnet: Der Spiegel widmet seine Titelgeschichte "Circus Krone - Vom Sinn und Wahnsinn der britischen Monarchie" der Hochzeit. Ab morgen zeigt das ZDF die zweiteilige Doku über das Paar. Filmemacherin Ulrike Grunewald findet, dass die Royals das Zeug zu Popstars haben. "Eine Liebesgeschichte wie zwischen Prinz William und der Bürgerlichen Kate ist geradezu ein Geschenk: es ist das vorläufige Happy End in einer Soap-Opera", sagt die 52-Jährige im MEEDIA-Interview.

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Frau Grunewald, Sie beobachten seit Jahren das Leben der Windsors. Was macht für Sie den Reiz an dem englischen Königshaus aus?
Ich habe angefangen, mich näher mit den Windsors zu beschäftigen, als ich ein Buch über diese Jahrhunderte alte Dynastie gelesen hatte. Wir betrachten die Royal Family ja oft nur aus der aktuellen Perspektive der Boulevard-Berichterstattung, aber richtig spannend wird es, wenn man sich mit der fast 200-jährigen Geschichte der Windsors befasst und feststellt, wie sich viele Tragödien und Skandale wiederholen, weil diese Familie eben in einer so außergewöhnlichen Situation ist. Da gibt es viel Stoff für Geschichten, die sich in Buchform oder als Film verarbeiten lassen.
Anlässlich der bevorstehenden Hochzeit zeigt das ZDF am Dienstag Ihre Dokumentation "William und Kate". Worum geht es in dem Film?
Susanne Gelhard, die Studioleiterin des ZDF in London, und ich haben versucht, der Faszination von William und Kate auf die Spur zu kommen, die ja inzwischen als das neue Traumpaar der Royals gelten. Kate ist bereits jetzt eine Stilikone, ein neuer moderner Typ einer Märchenprinzessin. Sie tritt immer perfekt auf, ist bodenständig und weiß sich zu kleiden, ohne damit Unsummen von Geld zu verschwenden. William ist nicht mehr so schüchtern und medienscheu wie früher, man hat das Gefühl, mit Kate an seiner Seite genießt er sogar den öffentlichen Auftritt. Die beiden wirken sehr harmonisch miteinender, dass nährt die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft, die auch der Monarchie in Großbritannien Auftrieb geben kann. All das haben wir in unseren beiden Filmen mit vielen attraktiven Bildern aufbereitet.
Wie nah sind Sie bei Ihrer Recherche an das künftige Ehepaar herangekommen? Wie haben Sie recherchiert?
Wir sind den beiden so nahe gekommen, wie es nur möglich ist im englischen Königshaus. Susanne Gelhard hat Prinz William mit Kameramann Stephan Radke auf zwei Auslandsreisen begleitet, nach Australien und Neuseeland und nach Südafrika. Sie waren das erste deutsche Team, das zu einer solchen Tour zugelassen wurde. Ich habe William und Kate einen Tag lang in St. Andrews begleitet, wo sie ihre Universität besucht haben, auf der sie sich ja kennen und lieben lernten. Wir konnten für unsere Dokumentationen mit Schulfreunden und Studienkollegen sprechen und vor allem mit dem Journalisten Tom Bradby, der ja als einziger am Tag der Verlobung mit dem Paar ein Interview führen durfte. Er ist eng mit William befreundet und hat uns ein ausführliches Interview gegeben, in dem er sehr anschaulich über ihre Beziehung erzählt.      
Wie haben Sie sich vorbereitet? Gibt es bestimmte Regeln, die man als Journalistin beachten muss, wenn man bei Adeligen recherchiert?
Zwischen den Journalisten und dem Königshaus operieren die Pressesprecher von Buckingham Palace und Clarence House. Sie entscheiden, wie weit man zugelassen wird. Man muss sein Projekt schildern und dann auf Nachricht warten. Wir durften in den königlichen Ställen drehen, die ja am Tag einer solch wichtigen Zeremonie wie einer Prinzenhochzeit ein Dreh- und Angelpunkt sind. Hier werden die Karossen und Kutschen bereitgestellt, mit denen Braut und Bräutigam und ihre Familien zur Trauung fahren und danach wieder zurück zum Palast. Hier begegnen sich Monarchie und Öffentlichkeit hautnah, also muss das alles sehr sorgfältig vorbereitet werden, um dem hohen Anspruch des Protokolls gerecht zu werden. Die Regeln bei der Recherche sind wie immer und überall: Offenheit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und anständiges Benehmen. Das ZDF hat sich in vielen Jahren guter Zusammenarbeit einen entsprechenden Ruf im Königshaus erworben. 
Sind die Windsors eine medienfreundliche Familie? Gewähren sie schnell Zugang?
Die Windsors brauchen die Medien, denn im Zeitalter der elektronischen Berichterstattung kann eine Monarchie nur überleben, wenn sie sich öffentlich zeigt und nicht im Palast verschanzt. Dann würde zu Recht die Frage gestellt, wofür das Könighaus überhaupt da ist und Geld vom Staat und damit von den Bürgern bekommt. Die Presse ist der Sauerstoff, mit dem die Monarchie atmet. Die Royal Family hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten dadurch ausgezeichnet, dass sie sehr lern- und anpassungsfähig ist, bei aller Tradition. Sie haben aus dem Mediendebakel mit Diana viel gelernt. Heute betreiben sie eine sehr geschickte Öffentlichkeitsarbeit. Kate wird sehr sorgfältig auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet, damit sie lernt, mit ihrer neuen Rolle umzugehen. Zugang im Sinn von einem Blick hinter die Kulissen gewährt die Königsfamilie nur selten. Das Privatleben ist tabu und noch immer gilt der Grundsatz, dass ein Mitglied des Königshauses nicht einfach so auf der Straße angesprochen werden darf.  
Was ist bei William und Kate anders als bei der schwedischen Kronprinzessin Victoria und ihrem Mann Daniel oder auch bei Albert von Monaco und seiner Verlobten Charlene?
Mit der Hochzeit von William und Kate wird sich die britische Monarchie wieder an die Spitze der europäischen Königshäuser schieben, wird eine Verjüngung erfahren, die sie wieder attraktiv macht. Glanz und Glamour kehren zurück in eine Jahrtausende alte Institution. Das ist der Unterschied zu allen anderen europäischen Königshäusern: in Großbritannien steht hinter der Monarchie eine Historie, die immer noch in all dem Pomp und dem Zeremoniell mitschwingt. Man spürt, das hier noch die Tradition eines weltumspannenden Empire den Takt angibt, auch wenn die politische Macht der Krone nicht mehr existiert. Das hat so nur Großbritannien zu bieten.
Wird man als Adelsexpertin von den Royals geschätzt?
Ich bin keine Adelsexpertin, ich bin Journalistin und Historikerin. Zu meinem Beruf gehört der nötige Abstand zum Gegenstand der Berichterstattung, so halte ich das auch mit den Royals. Pressevertreter sind im Leben der Royal Family ein notwendiges Übel, und es gibt nur wenige, die einen direkten Zugang haben. Vielleicht schätzen sie den einen oder anderen Journalisten, aber das würden sie nie in der Öffentlichkeit diskutieren.
Wie hat sich das Medieninteresse an den Royals Ihrer Meinung nach über die Jahre entwickelt?
Das Medieninteresse ist immer dann groß, wenn etwas Außergewöhnliches geschieht. Das hat man im Fall von Diana gesehen, das war im letzten Jahrhundert bei der Abdankung von Edward VIII so, der ja eine geschiedene Amerikanerin geheiratet hat, was damals für einen Skandal sorgte. Geburten, Beerdigungen, Hochzeiten gehören in einem Königshaus zu den Höhepunkten der öffentlichen Selbstdarstellung und sind für die Medien Auflagengaranten. Daran hat sich nur geändert, dass die Berichterstattung heute schneller ist und umfangreicher, weil es weltweit mehr konkurrierende  Medien gibt. Eine Liebesgeschichte wie zwischen Prinz William und der Bürgerlichen Kate ist geradezu ein Geschenk: es ist das vorläufige Happy End in einer Soap-Opera. Die Royals werden doch heute behandelt wie moderne Popstars.
Werden die Königshäuser immer ein Thema für die Medien sein?
Wenn die Royals es schaffen, weiter den Spagat zwischen öffentlicher Repräsentation und geheimnisvoller Würde zu bewahren, bleibt die Magie der Monarchie mit Sicherheit erhalten. Und sogar der eine oder andere Skandal kann für Aufmerksamkeit sorgen, denn wir alle sind doch an menschlichen Schicksalen interessiert. Wenn es bei Königs zugeht wie bei Hinz und Kunz, können wir Vergleiche ziehen und uns sagen: zum Glück muss ich nicht in diesem goldenen Käfig leben. Solange dieses Wechselspiel funktioniert, werden royale Themen interessant bleiben.   
Sind Sie am 29. April live in London dabei?
Ich werde am 29. April natürlich in London sein und mir die Berichterstattung anschauen, aber auch in den Straßen unterwegs sein, um mitzuerleben, wie sich das Hochzeitsfieber ausbreitet. Noch scheinen alle sehr gelassen und es gibt gelegentlich zynische Kommentare, aber wenn der Tag anbricht, wird es eine besondere Stimmung sein, da bin ich mir sicher. Es wird, mit Abstand von Jahrzehnten betrachtet, ein historisches Ereignis sein – es lohnt sich also, Zeitzeuge zu sein.
Die zweiteilige Dokumentation "Kate und William" strahlt das ZDF am 19. und 26. April jeweils um 20.15 Uhr aus.

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