Wie die Süddeutsche ihre Volontäre rekrutiert

Medienkrise hin, mieses Image bei Drehbuch-Autoren her: Trotz aller Widrigkeiten zieht es nach wie vor viele junge Leute in den Journalismus. Aber wie gelingt der Start? MEEDIA gibt in einer Serie Einblick in große Redaktionen und erklärt, worauf es bei der Bewerbung ankommt. Im ersten Teil: die Süddeutsche Zeitung. Lesen Sie, was Volontärsausbilder Detlef Esslinger Neulingen rät und warum Kandidaten auf ein Foto mit Zigarette in der Mappe verzichten sollten.

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Herr Esslinger, wie rekrutieren Sie Ihre Nachwuchsredakteure?
Wir nehmen immer vom 1. Januar bis 31. Mai Bewerbungen für das jeweils folgende Kalenderjahr an. Bewerbungen gerne konventionell per Post, am liebsten aber per Mail an volontariat@sueddeutsche.de Wir haben keinen zentralen Einstellungstermin. Ein neues Volontariat beginnt bei uns immer dann, wenn ein vorheriges zu Ende gegangen ist. Die Bewerber(innen), auf die wir am meisten neugierig sind, laden wir zum Vorstellungsgespräch ein. Pro Jahr vergeben wir acht Volontariate.

Welche Fähigkeiten braucht ein junger Journalist, um ein Volontariat bei der SZ zu bekommen?
Er oder sie braucht auf jeden Fall journalistische Erfahrung, gesammelt in Praktika und/oder freier Mitarbeit, sowie ein überdurchschnittliches journalistisches Talent.

Was ist Ihnen bei der Bewerbung besonders wichtig?
Ein(e) Bewerber(in) sollte klar machen, warum er oder sie zur SZ will. Aus der Bewerbung sollte klar hervorgehen, dass er/sie die SZ tatsächlich kennt. Erstaunlicherweise geht beides nur aus den allerwenigsten Anschreiben hervor.
Worauf kommt es bei den Arbeitsproben an?
Dass der/die Bewerber(in) zeigt, was er/sie journalistisch drauf hat: Entweder, indem eine Arbeitsprobe ein Routinethema originell behandelt – oder indem das Thema als solches schon originell ist. Wir haben mal eine Kandidatin auch deshalb genommen, weil sie die Wahl der Hopfenkönigin in ihrem Heimatort in der Hallertau ganz wunderbar beschrieb (Variante 1) – und eine andere Kandidatin, die mit illegalen Flüchtlingen in einem Zug durch Mexiko fuhr (Variante 2). Bei der Ausführung achten wir darauf, ob ein Gespür für Dramaturgie und Sprachmelodie erkennbar ist.
Welche Vorbildung erwarten Sie bei Bewerbern, welche Rolle spielt ein (abgeschlossenes) Studium?
In der Tat: Abgeschlossenes Studium muss sein, am liebsten Master-Abschluss. Bachelor ist uns oft auch deshalb zu wenig, weil Bachelor-Absolventen in der Regel für die SZ zu jung sind, wenn sie sich gleich nach dem Examen bewerben. Zwischen 22 und 25 Jahren machen viele einen Sprung in der Entwicklung, da sammeln sie auch die Menge an journalistischer Erfahrung, die es braucht, um für uns in Frage zu kommen.

Wie wichtig sind Praktika? Welches Medium bringt Neulingen den größten Lerneffekt?
Praktika sind eminent wichtig, wer zur Zeitung will, sollte Praktika bei Print- und Online-Medien gemacht haben. Gerne kann man bei einem Anzeigenblatt angefangen und sich dann mit jedem Praktikum weiterentwickelt haben.
Worauf sollten Bewerber bei ihren Fotos achten?
Geben Sie sich so, wie Sie sind. Verkleiden Sie sich nicht, aber bitte nehmen Sie auch nicht an, jemand hält Sie für lässig, wenn Sie sich mit Zigarette im Mund präsentieren. (Gab es schon!)
Wie stehen die Chancen für Volontariatsbewerber, die noch nicht in Ihrem Haus gearbeitet haben?
Alle Bewerber(innen) haben wirklich die gleichen Chancen. Ein Praktikum oder eine freie Mitarbeit bei der SZ ist keine Voraussetzung, um hier anfangen zu können. Zugleich gilt aber auch: Ein überzeugendes Praktikum vergrößert natürlich die Chancen (und ein nicht überzeugendes reduziert sie).

Erhalten Absolventen von Journalistenschulen oder Bewerber mit Journalistikstudium bei Ihnen den Vorzug?
Nein. Erfahrungsgemäß kommen viele der stärksten Bewerbungen von Absolventen anderer Studiengänge: VWL, BWL, Jura, Biologie, Physik, Sinologie, Kulturwissenschaften, Arabistik, Medizin etc. Wichtiger als das Studienfach sind jedoch die Arbeitsproben. An denen entscheidet es sich.
Werden Volontäre in Ihrem Verlag nach Tarifvertrag bezahlt?
Aber klar doch.

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