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RTL-Dokusoap „Alexa“: Du isst, was du bist

Jetzt kommt's dicke: RTL testete am Sonntagabend die neue Dokusoap "Alexa - ich kämpfe gegen Ihre Kilos". Darin hilft Ernährungsberaterin Alexa Iwan übergewichtigen Kindern und ihren Eltern aus der Fetthölle. Erster Fall: der 17 Monate alte und bereits 20 Kilo schwere Lennox. Sein Motto: Fleisch ist mein Gemüse. Ohne Scham wird vorgeführt, wie der Kleine von seinen Eltern gemästet und bei jedem Laut mit Mettwurst ruhiggestellt wird. Statt nüchterner Information setzt RTL auf ein Maxi-Menü Fremdschämen.

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Das Konzept ist einfach: Eine Familie wird von einem Fernsehteam im Alltag besucht, die Kamera ist Tag und Nacht auf das schwerwiegende Problem, das dicke Kind und seine Essgewohnheiten, gerichtet. Lennox wird überwiegend von Aufschnitt ernährt, was sich auch auf der Waage widerspiegelt. Mit seinen 17 Monaten wiegt er schon 20 Kilo, ein Gewicht, das im Durchschnitt Vier- bis Fünfjährige aufbringen. In der Nacht wird er regelrecht mit Milchpullen nur so vollgestopft: drei bis fünf Flaschen sind es nächtlich. Sein Tagesbedarf an Kalorien wird mit dieser Überdosis um die Hälfte überschritten.
Foodcoach Alexa wird per Video über all die Ernährungs-Fauxpas informiert, ehe sie ganz Super-Nanny-like die Familie vor Ort besucht, den Kühlschrank aufräumt und zeigt, dass kleingeschnittene Gurken eine Alternative zu Sülzwurst sein können. Ihre Analyse wird durch eine medizinische Untersuchung gestützt: Lennox ist fettleibig und in Lebensgefahr. Ein Schock für die Eltern, die selbst nicht die schlanksten sind und mit ihrer Zufütterung nur das beste für den kleinen Wonneproppen und für sich nur eins wollen: Ruhe.
"Alexa" ist nichts anderes als ein Sendungsmix aus "Super Nanny", "Mitten im Leben" und "Britt": Hier ein bisschen Erziehungsratgeber ("Er muss jetzt nicht auf den Arm, er kann auch alleine spielen"), da ein bisschen Familienkrach (die Tochter zieht aus, weil sie nicht mehr mit den Eltern klarkommt). Und dann wäre da noch der Talk über die künstliche Befruchtung von Lennox, der per Notkaiserschnitt auf die Welt kam und vier Tage von der Mutter getrennt blieb, und die ungeplante Schwangerschaft, die nur durch die Ernährungsumstellung geklappt hat. Friede, Freude, Mutterkuchen. Dabei soll es in der Dokusoap eigentlich nur um Essen und Gesundheit gehen, doch die lässt sich wohl nicht ohne den üblichen Trash erzählen.
Mit 1,87 Millionen Zuschauern bei den 14-49-Jährigen und einem Marktanteil von 19,7 Prozent feierte die Dokusoap einen guten Einstieg in die TV-Landschaft, die derzeit mit Koch- und Ernährungsshows nur so überhäuft ist. Doch "Alexa – ich kämpfe für Ihre Kilos" sticht heraus: Eine Sendung, die mit der Holzhammermethode aufzeigt, wie schlecht es um die Ernährung und Gesundheit in deutschen Haushalten mit Kindern steht, gibt es in dieser Form noch nicht. Angesichts 1,9 Millionen übergewichtiger Kinder und Jugendlicher (Robert Koch Institut) hierzulande ist es aber ein Format, das viel Potenzial hat und ähnlich einschlagen könnte wie die "Super Nanny" zu ihren besten Zeiten.

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