Anzeige

Wissen, wie’s geht: P.M. räumt Heft auf

Überleben im Ex-Boom-Segment: Im Fernsehen gibt es immer mehr Wissenssendungen, und die Tageszeitungen haben ihre Science-Inhalte massiv ausgebaut. Doch im Magazin-Regal scheint bei den Wissenstiteln der Auflagen-Höhepunkt überschritten. Kein leichtes Umfeld für Gruner + Jahrs-Platzhirschen P.M. Damit sich der Klassiker gegen die Konkurrenten von Bauer, Springer & Co. auch weiterhin besser als die Rivalen behaupten kann, hat Chefredakteur Hans-Hermann Sprado das Wissensmagazin renoviert.

Anzeige

Die wichtigsten Änderungen sind eine modernere und ruhigere Bildsprache. Ein großzügigeres Layout und eine verbesserte Heftstruktur inklusive frisch eingeführtem Ressort-Farbcode. "Wir haben das Blatt optisch beruhigt und den Weißraum erhöht. Das ganze Magazin wirkt jetzt noch hochwertiger und setzt sich dadurch stärker von der Konkurrenz ab", erklärt der Chefredakteur gegenüber MEEDIA. Zudem wurde der Facelift notwendig, weil das Heft doch ein wenig in die Jahre gekommen war. "Also haben wir uns hingesetzt und es visuell wieder auf den neuesten Stand gebracht."

Der Aufmacher zur neuen Titelgeschichte

Zudem soll die Heftstruktur nun noch stärker der klassischen Drehbuch-Dramaturgie folgen. So hofft die Redaktion, durch neue Bild- und Textelemente besser auf die geänderte Lesegewohnheiten eingehen zu können. Zudem soll durch variable Erzählformen in Interviews, Berichten, Reportagen und Analysen verstärkt unterschiedliche Lesetypen angesprochen werden.

Der Relaunch ist jedoch mehr Rebrush als inhaltliche Revolution: "Thematisch haben wir unser Konzept nicht verändert. Wir waren nie ein knallhartes Wissenschafts-Magazin, sondern haben auch weiche Themen gespielt. Bei uns wird es weiterhin auf den richtigen Mix ankommen", erklärt Sprado.

Das Ergebnis kann sich nach Meinung der Print-Profis durchaus sehen lassen: "Das Heft ist jetzt Mitte 30 und, wie im richtigen Leben auch, in der Form seines Lebens", findet beispielsweise Verlagsleiter Uli Sommer.

Eine Doppelseite in einem Stück über den Wettlauf zum Mars

Neben dem Gedanken an die Leser ist der Facelift allerdings auch der Konkurrenz-Situation geschuldet. "Ein Ziel war, eine möglichst hohe optische Abgrenzung zu den anderen Wissensmagazinen zu schaffen. Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Magazine an P.M. orientiert. Jetzt wissen die Leser wieder auf einen Blick, dass sie gerade in P.M. blättern", sagt Sprado.

Längst besetzt fast jeder Verlag mit eigenen Titeln einen Teil des Segmentes. So reicht die Konkurrenz von Zeit Wissen, Spiegel Wissen über Welt der Wunder von Bauer bis zu Springers Hörzu Wissen. Selbst innerhalb des eigenen Verlagshauses konkurrieren die Münchner mit der Hamburger Geo-Redaktion.

Das immense Gedränge der Science-Titel im Zeitschriftenregal entwickelt sich immer mehr zu einem Kampf um die schwindende Leser-Aufmerksamkeit. Denn die Sparte ist rückläufig. Für alle Titel aus den Wissensbereich maß die IVW im ersten Quartal 2011 einen Auflagen-Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um minus 6,7 Prozent. So hoch fielen die Verluste der Münchner nicht aus. P.M. musste nur ein Minus von 5,6 Prozent verkraften. Insgesamt kommt das Magazin mittlerweile auf einen Gesamtverkauf von 287.908 Exemplaren.

"Wir bewegen uns in einem attraktiven Segment, in dem zur Zeit viele Verlage gerne mit einem eigenen Titel vertreten sein wollen. Die Konkurrenzsituation ist entsprechend intensiv, die Differenzierung nimmt immer mehr zu", sagt der Verlagsgeschäftsführer. "Wir folgen diesem Trend und sprechen mit unseren beiden Marken P.M. und Wunderwelt Wissen verschiedene Zielgruppen und Lesebedürfnisse an." Nur dank spezieller Sonderhefte kann die Redaktion die alten Auflagenzahlen noch halten.

Speise-Archäologen kochen historische Gerichte nach

Gegen die Nicht-Magazin-Rivalen aus dem Fernsehen sind die Blattmacher fast machtlos. Ein interessanter Effekt der Konkurrenzsituation vor allem mit den Tageszeitungen ist, dass "aktuelle Wissensthemen bei uns gar nicht funktionieren". Als Beispiel nennt der Chefredakteur die Reaktorkatastrophe von Fukushima. "Das läuft in den Tageszeitungen super. Wir als Magazin, mit unseren langen Vorlaufzeiten, haben bei solchen Ereignissen kaum eine Chance."

Deshalb versuchen die Münchner erst gar nicht einen ähnlichen Ansatz wie die TV-Sender oder die Tageszeitungen einzunehmen. "P.M. besteht in dieser intensiven Konkurrenzsituation vor allem durch seine redaktionelle Kreativität, seine originelle Ansprache sowie durch die überraschenden Perspektiven, die wir auf Themen einnehmen", sagt Sommer.

Die Zielsetzung des Chefredakteurs zum Erfolg der Heft-Renovierung klingt fast schon bescheiden: "Es wäre schön, wenn wir durch den Rebrush unsere Auflage stabilisieren könnten."

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige