Presserat: DuMont scheitert gegen Bild

Einstimmig abgelehnt: Die Bild-Zeitung hat in der Pseudonym-Affäre um Konstantin Neven DuMont und seiner anschließenden Beurlaubung keinen Kampagnenjournalismus betrieben. Eine entsprechende Beschwerde des Vorstands des Verlagshauses DuMont Schauberg wurde vom Presserat als unbegründet verworfen. Das freut den Springer-Verlag: In der Bild von Freitag schreiben die Berliner von einer "schweren Schlappe" und einer "Ohrfeige für den Kölner Verlag und seine renommierten Juristen".

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DuMont hatte vor allem in der fortgesetzten Berichterstattung der Bild Köln eine Kampagne gesehen, woraufhin die Kanzlei Oppenhoff & Partner eine sechsseitige Beschwerde gegen das Boulevard-Blatt beim Presserat einreichte. Die Kölner Ausgabe der Springer-Zeitung hatte fast täglich groß über neue Verwerfungen im Hause DuMont Schauberg berichtet.
Allerdings lieferte dafür meist der Protagonist selbst die Vorlage: Konstantin Neven DuMont hatte der Zeitung regelmäßig Interviews gegeben und darin unter anderem gegen seinen Vater Alfred geschossen. Hintergrund war ein Streit im Hause DuMont, in dem es darum ging, ob Konstantin freiwillig oder unfreiwillig seinen Vorstandsposten und seine Herausgeberschaften ruhen ließ, weil ihm vorgeworfen wurde, unter Pseudonymen im Internet Beiträge veröffentlicht zu haben.
"Springer-Kampagne gegen den Express" hatte das DuMont-Boulevardblatt Express sogar auf der Titelseite geschrieben. Im Innenteil hieß es: "In einer konzertierten Aktion wird unter Meinungsführung der ‚Bild‘-Zeitung jede Regung des Hauses DuMont Schauberg riesengroß ausgewalzt." Auch Springers Welt hatte die Affäre um den Verlegersohn aufgegriffen. In der Berichterstattung sei laut den Kölnern spekuliert worden, dass die "gegenwärtige Situation für das Verlagshaus zu einer ernsten Krise führen (könne), für deren Bewältigung das Geld fehlt". Gegen diese Formulierung leitete DuMont ebenfalls juristische Schritte ein, hatte der Express geschrieben.
Der Presserat stellte in der Berichterstattung der Bild-Zeitung keine Verletzung des Pressekodex fest. In der Begründung, die MEEDIA vorliegt, heißt es, dass keine Missachtung der journalistischen Sorgfaltspflichten nach Ziffer 2 vorliege. Auch erkannte der Presserat keinen Kampagnenjournalismus, weil über das Thema auch in sämtlichen anderen deutschen Medien berichtet wurde. Dementsprechend handele es sich nicht um eine interne Auseinandersetzung, "die dazu benutzt worden ist, durch ständig wiederkehrende Berichterstattung einen Mitbewerber öffentlich zu schädigen. Mithin erkennt der Beschwerdeausschuss auch keine Verletzung des Ansehens der Presse."  Die Beiträge stützten sich auf Tatsachenbehauptungen, die Fakten und Zitate enthielten.
Nachtrag, 16.10 Uhr: Soeben wurde bekannt, dass DuMont gegen Welt und Welt Online hingegen vor dem Presserat erfolgreich war. Der Presserat missbilligte die Berichterstattung zur Schilderung der wirtschaftlichen Lage des Verlagshauses in der Springer-Zeitung.

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