IVW-Plus: Burda sieht die Focus-Trendwende

Seit dem Amtsantritt von Wolfram Weimer als Focus-Chefredakteur im Juli 2010 hat Burda die Repositionierung des Münchner Nachrichtenmagazins betrieben. Im ersten Quartal 2011 kam eine Vertriebsoffensive hinzu. Beides hatte aus Sicht des Verlags nunmehr Erfolg: Mit einer Steigerung von 27,1 Prozent im Einzelverkauf gegenüber dem Vorjahres-Quartal punktet der Focus in der aktuellen IVW – für die Verantwortlichen ist das ein "Comeback von Focus".

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In München spricht man sogar von einer "historischen Auflagenentwicklung". In der Tat hat es seit der Gründung des Magazins 1993 kein höheres Plus innerhalb von einem Quartal gegeben. Dass dabei auch das zum Schnupperpreis von einem Euro verkaufte Heft 3/11 mit 412.425 EV-Exemplaren (gesamt: 861.700 Hefte) kräftig mitgeholfen hat, relativiert sich aus Sicht der Burda-Manager. Denn auch in der Folge lagen die Absatzzahlen der 3,50 Euro-Ausgaben deutlich über früheren Werten. Im Schnitt erzielte der Focus im ersten Quartal im Einzelhandel 151.202 Heftverkäufe. Selbst um den Spitzenwert der Ein-Euro-Nummer bereinigt liege der EV-Durchschnitt noch bei 129.433 Exemplaren und markiere damit den besten Einzelverkaufswert in einem ersten Quartal seit 2008, freut man sich in München. Im Gesamtverkauf legte das Magazin gegenüber dem ersten Quartal 2010 um 2,9 Prozent zu. 
Neben den positiven Zahlen sieht man in München auch ein Plus an Relevanz. Die Strategie der neuen Chefredaktion, den Fokus vom serviceorientierten Fakten- zum meinungsstarken Debatten-Magazin zu formen, sei schneller als erwartet gelungen, heißt es. Ursprünglich sah der Zeitplan vor, dass der Turnaround im Vertrieb erst Mitte 2011 sichtbar werden sollte. Im Unternehmen verweist man darauf, dass eine Reihe von exklusiven Stories großen Widerhall in der Presse fanden: zuletzt das Herta-Müller-Interview zu Ai Weiwei, die Geschichte über Walter Kohl und über Wochen hinweg die Berichterstattung in Sachen Gorch Fock. Auch bei der Berichterstattung rund um die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinlandpfalz habe die im vergangenen Jahr neu aufgestellte und verkleinerte Redaktion Beachtliches geleistet. Mit den Recherchen zu den Nazi-Peinigern Anne Franks und deren späteren Karriere beim Bundesnachrichtendienst sowie neuen Erkenntnissen zum Palme-Mord habe man zudem internationale Scoops landen können. Auch die Reports zur Mega-Katastrophe in Japan hätten die Leistungsfähigkeit der Magazinredaktion unter Beweis gestellt, so die Meinung in der Burda-Führungsetage.
Burda-Vorstand Philipp Welte, gleichzeitig Geschäftsführer der Burda News Group: "Das Comeback von Focus am Kiosk ist eindrucksvoller Beleg für die ungebrochene Faszination gedruckter Medien. Erfolg beginnt damit, dass man angriffslustig und selbstbewusst in den Markt geht." Künftig wird der frühere Telekom-Manager Burkhard Graßmann die Geschäfte des Focus leiten.

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