Heft-Duell: Women’s Health vs. Fit for Fun

Mit Women’s Health hat die Hamburger Lifestyle-Abteilung der Motor-Presse einen weiblichen Ableger des Männer-Magazins Men’s Health auf den Markt gebracht. Das neue Heft will nach eigenen Angaben sein “wie eine gute Freundin”, “gar nicht oberflächlich, sondern immer relevant”. MEEDIA hat sich die Erstausgabe von Women’s Health einmal genauer angeschaut und mit dem Oldie unter den Fitness-Titeln verglichen: Fit for Fun.

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Auf den ersten Blick wirken Women’s Health und Fit for Fun wie zwei Magazine vom gleichen Schlag. Bei beiden Heften geht es um Fitness und Schlankheit. Fit for Fun ist ja schon fast der Klassiker unter den Hedonisten-Heften und präsentiert auf der aktuellen Ausgabe das Topmodel Eva Padberg, die im Heft ein Frühlings-Fitness-Programm vorstellt. Women’s Health kommt ohne Promi auf dem Titel aus und zeigt eine unbekannte Dame, die sogar relativ züchtig gekleidet ist. Das ist gleichzeitig ein großer Unterschied zum Bruder-Heft Men’s Health, dessen Markenzeichen auf dem Cover ja stets der entblößte Männer-Bauch (natürlich immer top trainiert) ist.

Fit for Fun bietet im Innenteil das, was das Magazin über die Jahre getragen hat: eine Mischung aus Fitness-Tipps, Service (diesmal u.a. ein relativ ausführlicher Laufschuh Test), Anbagger-Tipps, die man nicht unbedingt selbst in freier Wildbahn ausprobieren möchte (“Öffne Dein Herz aber vergiss Deine Eier nicht…”) und herzlich bescheuerte Trend-Sportarten (Stand up Paddeln auf Surf-Brettern).

Women’s Health wirkt im direkten Vergleich deutlich zurückhaltender, gar seriöser. Der Focus des Hefts ist ganz klar auf Nutzwert ausgerichtet, während Fit for Fun auch sehr starke Unterhaltungs-Elemente hat (z.B. die Gaga-Strecke “Trucker gegen Triathlet”). Während bei Fit for Fun eine Rezept-Strecke mit Promis aufgehübscht wird, beschränkt man sich bei Women’s Health auf vegetarische Gerichte (“5 Rezepte für den grünen Gaumen) oder stellt 23 Lebensmittel vor, die angeblich eine tolle “Funktion” für die Gesundheit haben. Zum Beispiel Sonnenblumenkerne, die gegen Heuschnupfen gut sein sollen, oder Magerquark, der zu einem starken Herzen verhelfen soll. Das kann man glauben oder nicht, aber das Thema “Functional Food” ist ja tatsächlich ein Trend und wird hier ausführlich und ernsthaft behandelt.

Generell ist Women’s Health ganz verrückt nach Listen. “7 Sportarten für ihren Körper”, “4 Übungen, die Stress verscheuchen”, “8 Checks zum Bad-Ritual”, “Flip-Flop tauglich in 6 Schritten”, “13 Beweise, dass schlechte Manieren gut für die Gesundheit sind” undsoweiter undsofort. Die obligatorische Geschichte “Jetzt in nur 6 Wochen zur Bikini-Figur” wird statt mit einem Promi mit dem Programm eines Hollywood-Fitness-Trainers durchexerziert. Auch hier wird der Anspruch, authentisch zu sein, deutlich.

Neben den Gesundheits- und Schlankheitsthemen finden sich auch Sex-Geschichten (große Umfrage: Was Männer beim Sex wirklich wollen) und allgemeine Lebenshilfe in Women’s Health. So gibt es ein nettes Stück über Peinlichkeiten im Job und wie man sie umschifft und eines der immer beliebten Städte-Ränkings, hier mit der Frage, welche von 30 deutschen Großstädten die beste für Frauen ist. Wenig überraschendes Ergebnis: München.
Die eigentliche Überraschung des Heftes findet sich dann aber ganz hinten, relativ gut versteckt und ganz ohne Teasing auf dem Titel. Da traut sich die Redaktion unter dem Schlagwort “Intime Erkundung” eine Geschichte zum Thema Vagina zu machen und schafft es, das heikle Thema ganz ohne Peinlichkeiten oder Zoten abzuhandeln und sogar originell zu bebildern (u.a. mit Fotos von Früchten, Blüten oder einem Schminktäschchen). Dieser Artikel ist in der Tat offener und authentischer geraten, als das meiste, was man sonst in Frauen- und Fitnesszeitschriften findet. Wenn Women’s Health den jetzt eingeschlagenen Weg hält, wäre das Blatt tatsächlich eine Bereicherung für den hiesigen Zeitschriftenmarkt.

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