„Wir sind richtig gute Google-Tänzer“

Fast unbemerkt entsteht in München ein immer größer werdendes Web-Schwergewicht. Holtzbrincks Gutefrage kommt schon heute auf rund 50 Millionen Vistis pro Monat und gab zudem gerade die 20millionste Antwort. Diese Rekordmarken sollen für die Company aber nur der Ausgangspunkt einer weiteren Expansion sein. Ziel ist es, das größte deutsche Ratgeber-Angebot aufzubauen. Damit entstünde gleichzeitig eine wohl größte einheimischen Content-Schmieden. Ein Geschäftsfeld, das bereits in den USA kräftig boomt.

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"Die Plattform Gutefrage.net ist seit rund 1,5 Jahren profitabel", sagt Geschäftsführer Stephan Roppel gegenüber MEEDIA. Die Gewinne fließen aber nicht zurück zum Mutterkonzern Holtzbrinck. "Unser Plan sieht vor, dass wir mit den Gewinnen aus Gutefrage.net auch die anderen Geschäftsfelder wie helpster.de weiterentwickeln." Das Ziel ist klar: Gutefrage soll die Marktführerschaft bei Ratgeber-Communitys und redaktionellen Ratgebern ausbauen, wie dies etwa Demand Media in den USA tut."
In Amerika spricht man in diesem Zusmmenhang auch von Content-Farmen, einen Begriff, mit dem Roppel nichts anfangen kann: "Eine Seite wie Helpster.de beantwortet Fragen, die ganz normale Menschen zum Beispiel bei Google stellen." Heißt: "Unser Angebot ist immer im Sinne des Nutzers."
Ganz so falsch ist die Logik nicht. Basiert sie doch auf der Annahme, dass Google nach Möglichkeit im Sinne des Suchers entscheidet. Wenn die Suchmaschine also meint, dass ein schematischer Service-Text von Helpster einem Nutzer am besten hilft, wird er ihn auf das Holtzbrinck-Angebot lotsen. Genau das passiert immer häufiger.
Helpster sammelt möglichst viele Anleitungen und Ratgeber-Texte aus allen Bereichen des Lebens. So gibt es Tipps, wie man richtig eine Kündigung schreibt, wie die Beintechnik beim Brustschwimmen aussehen muss oder wie man Wasserschuhe pflegt.
Die Service-Texte sollen langfristig jedoch nur ein Standbein des Angebotes sein. "Wir sehen noch ganz großes Potential im Bereich der Ratgeber-Videos. Hier wollen wir aktiv unser Angebot ausbauen." Im Gegensatz zu den zehn Euro, die die Münchner für einen geschriebenen Bericht zahlen, gibt es für einen Ratgeber-Clip 30 Euro.
In diesem Bereich konkurriert Helpster vor allem mit Vertical-Angeboten, Koch-Portalen und Sport-Sites, die jeweils für ihre Zielgruppe längst eine Vielzahl von Erklär-Videos produziert haben.
Roppel hat aber nicht nur Pläne mit Helpster. "Wir wollen auch unsere Marktposition mit Gutefrage.net noch weiter ausbaue." Dabei erreichen die Münchner bereits 50 Millionen Visits monatlich (IVW 03/11). Der Traffic des Portals teilt sich in zwei Gruppen. Zum einen die riesige User-Masse, die Google jeden Tag auf die Seite schaufelt und deren schiere Masse mit klassischer Display-Werbung monetarisiert wird. Die Nutzer kommen auf der Suche nach Antworten zu jeder denkbaren Frage auf die Seite. Auf der anderen Seite müssen sich die Münchner aber auch um die rund 900.000 eingetragenen Mitglieder kümmern, die die Fragen stellen und beantworten. Nutzer mit einem GuteFrage.net-Account sehen dabei keine Werbung.
Erstaunlich ist dabei, wie abhängig das GuteFrage.net-Geschäftsmodell von Google ist. Der überwiegende Teil der Werbeeinnahmen basiert auf dem Traffic der Suchmaschine. Angst, dass der US-Konzern einfach seinen Algorithmus ändern und sein Portal dann blank dastehen könnte, hat der Geschäftsführer allerdings nicht. "Seit unserem Bestehen kennen wir diese Situation: Mit jeder Änderung des Such-Algorithmus, dem sogenannten ‚Google-Dance‘, wurden unsere Inhalte weiterhin gefunden. Auch künftig sollte uns dies gelingen, denn als Anbieter hilfreicher und originaler Inhalte sind wir richtig gute Google-Tänzer."

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