Die falschen Pädophilen bei Facebook

Falsche Kettenmails bei Facebook im deutschen Sprachraum nehmen seit einiger Zeit zu. Oftmals wird vor geheimnisvollen Computerviren gewarnt, aber es gibt auch Kettenmails, die vorgeben, einem guten Zweck zu dienen - zum Beispiel Spenden für Erbebenopfer zu sammeln oder auf Kindesmissbrauch im Netz aufmerksam zu machen. Aktuell macht eine alte Botschaft wieder die Runde, die vor einer angeblichen Facebook-Gruppe von Pädophilen warnt.

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Der Text, der auch aktuell noch von vielen Mitgliedern bei Facebook arglos verbreitet wird, klingt dramatisch: “ACHTUNG!!!!!! Tretet auf keinen Fall der Gruppe mit dem Namen: "Vater oder Mutter zu werden war das grösste Geschenk meines Lebens" bei. Es handelt sich um eine Gruppe von Pädophilen, welche versuchen sich Zugang zu Fotos von Kindern zu verschaffen!” Hier wird suggeriert, dass eine Facebook-Gruppe unter dem Vorwand falscher Tatsachen Kinderbilder sammelt und dass in Wahrheit eine “Gruppe von Pädophilen” dahintersteckt.

Die Botschaft berührt ganz viele besorgte Eltern und Internet-Nutzer. Das Thema Kindesmissbrauch im Internet ist schließlich nicht erst seit der umstrittenen RTL-II-Sendung “Tatort Internet” heißt diskutiert. Hinter der Ketten-Botschaft steckt in diesem Falle eine Facebook-Gruppe namens “Organisation gegen Pädophile im WEB!!!”, die über 2.000 Mitglieder hat. Die eigentlich angeprangerte Facebook-Seite “Vater oder Mutter zu werden war das grösste Geschenk meines Lebens” findet sich dagegen gar nicht in dem Sozialen Netzwerk. Allerdings lässt sich der Diskussion auf der Seite “Organisation gegen Pädophile im WEB!!!”entnehmen, dass es die Seite mal gegeben hat.

Die Kettenbotschaft, dass man sich vor der ominösen Pädophilen-Gruppe hüten soll, geistert in Wellen schon mindestens seit August 2010 durch Facebook. Immer mal wieder wird die Gruppe, vor der gewarnt wird, gegründet und verschwindet dann wieder. Dass es sich bei der Aktion um einen so genannten “Hoax” oder “Scam” handelt, dafür sprechen zahlreiche Indizien. Als Hoax oder Scam bezeichnet man im Internet eine Falschmeldung, die so konzipiert ist, dass sie von vielen Nutzern für echt gehalten wird. In den meisten Fällen ist die Falschmeldung mit der Aufforderung versehen, sie in das eigene Statusfeld zu kopieren. Auf diese Weise verbreitet sich der Hoax viral im ganzen Sozialen Netzwerk.

Dabei geht es oft um emotionale Themen, wie Tierquälerei, Krankheitsgeschichten oder eben auch Kindesmissbrauch. Oftmals stecken tatsächlich Betrüger dahinter, die die Nutzer mit einer erfundenen Geschichte eine eine Facebook-Seite locken wollen, auf der man zum Beispiel eine angebliche Alters-Verifikation anklicken muss. Die Prozedur führt dann dazu, dass man einen Affiliate-Link anklickt und der Betrüger Geld bekommt – man spricht hier auch von Klick-Betrug. Ein Beispiel für einen solchen Fall ist die ältere Meldung “Junges Mädchen beging Selbstmord, nachdem sie DIESES Foto ihrer Mutter bei Facebook entdeckt hat.” Hier wurde schlicht mit der Neugier der Nutzer gespielt.

Manchmal stecken aber auch nur Spaßvögel hinter den Scams, die möglichst viel Verwirrung stiften und ihre Fake-Botschaft im Netz möglichst weit verbreiten wollen. Der Fall mit der Anti-Pädophilen-Seite scheint ein solcher zu sein. Die Kommentare auf der Seite teilen sich in zwei Lager. Die eine Hälfte der Kommentaren beschimpft den Seiten-Betreiber wegen des Hoaxes. Die andere Hälfte stößt Beschimpfungen gegen “Kinderschänder” aus. Es gibt vereinzelt auch Angebote von anderen Hilfsorganisationen, die sich vernetzen wollen usw. Die Verwirrung ist perfekt.

Woran aber erkennt man solche falschen Kettenmails bei Facebook? Zunächst einmal ist generell Vorsicht angebracht, wenn in einer Botschaft zu lesen ist, dass man sie in die eigene Statusmeldung kopieren soll. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hoax dahintersteckt ist von vorneherein ziemlich groß. Ist man sich unsicher, sollte man einen Blick auf die Ursprungsseite werfen, von der die Botschaft ausging. Die findet man meistens, indem man die ganze Botschaft erst einmal in die Facebook-Suche eingibt. Die Nutzer-Diskussion auf der Ursprungs-Seite gibt einem dann oft einen ganz guten Überblick, ob es sich um einen Hoax handelt (meistens: ja).

Sollte der Urheber der Botschaft selbst in den Diskussionen nicht auftauchen und nicht greifbar sein, ist zusätzlich Vorsicht angebracht. Im Internet gibt es zudem mehrere Adressen, die aktuelle und vergangene Hoaxes auflisten. Eine gute und aktuelle Liste führt z.B. die TU Berlin in ihrem Hoax Info Service. Dass eine Botschaft nicht in dieser Liste auftaucht, heißt aber natürlich nicht, dass es nicht trotzdem ein Hoax sein kann.

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