“Goliath” Bauer gegen “David” Spiesser

Die Bauer Media Group geht gegen die Jugendzeitschrift Spiesser vor. Das Monatsmagazin liegt gratis an vielen Schulen aus und kommt auf eine Auflage von knapp 800.000 Exemplaren. Bei Bauer erscheint die mit einer bröckelnden Auflage kämpfende Bravo. Laut Spiegel hat Bauer seine Stabsstelle Medienrecht in Bewegung gesetzt und Schulleiter aufgefordert, Auskunft zu geben, “auf welcher rechtlichen Grundlage” die Spiesser-Hefte ausliegen würden.

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Laut Spiegel heißt es in dem von Bauer an Schulleiter verschickten Schreiben, dass, man sich an die zuständige Schulbehörde bzw. das verantwortliche Ministerium wende, sollte die Schule keine Auskunft geben. Immerhin, so die Stabsstelle Medienrecht von Bauer, handle es sich beim Spiesser um ein “anzeigenfinanziertes und damit kommerzielles Objekt”. Das klingt wie eine diffuse Drohung. Wie Bauer dazu kommt, von Schulen Auskünfte zu verlangen und sogar ein Ultimatum zu setzen, ist unklar. 
Einzig mögliche Schlussfolgerung ist, dass der Großverlag mit dieser Methode den unliebsamen Konkurrenten Spiesser unter Druck setzen möchte. Mancher Schulleiter könnte, um sich Ärger zu ersparen, ja vielleicht die Verteilung des Gratis-Magazins stoppen. Der Spiesser gilt als eine publizistische Erfolgsgeschichte in der Jugendpresse und in Ostdeutschland. Gestartet in Ostdeutschland, wird der Spiesser seit September 2007 bundesweit an rund 30.000 Verteilstellen gratis ausgelegt. Verlag und Redaktion sitzen in Dresden. In seiner Sturm- und Drang-Phase wurde der Spiesser von Medien gerne als “die Bravo aus dem Osten” bezeichnet. Der Vergleich mit der Bravo hinkte freilich schon immer, da die Bravo ja verkauft und der Spiesser gratis verteilt wird.
Dass sich der große Bauer Verlag von dem kleinen Spiesser trotzdem gepiesackt sieht, beweist die nun öffentlich gewordene Aktion. Souveränität sieht anders aus. Laut Spießer sieht man die Verteilung der Hefte durch die Pressefreiheit gedeckt. Die Auflagenzahlen der Bravo zeigen beständig nach unten. Innerhalb eines Jahres sank allein der wichtige Einzelverkauf um 27 Prozent auf gerade mal rund 308.000 Exemplare (IVW 4/2010). Gerade hat das Heft versucht, sich mit einem "Atomkraft? Nein, danke!"-Poster an die aktuelle Anti-Atom-Welle zu hängen.

Sollte Bauer tatsächlich versuchen, sich die Gratis-Konkurrenz mit juristischen Schritten vom Hals zu halten, könnte der Großverlag leicht als Buhmann auf Schulhöfen dastehen: eine klassische David-gegen-Goliath-Geschichte. Ob das eine kluge Strategie ist, erscheint doch sehr fraglich.

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